Stolberger reist für das Technische Hilfswerk in Krisengebiete

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Thomas Johnen reist für das Technische Hilfswerk der Städteregion regelmäßig in die Krisengebiete dieser Erde, um dort zu helfen. Foto: Johnen

Stolberg. Seit kurzem ist Thomas Johnen aus Miami wieder zurück. Acht Tage war der Fachberater und Kreisbeauftragte des Technischen Hilfswerks (THW) der Städteregion aus Stolberg in Florida vor Ort, als der Hurrikan Irma weite Teile des Staates verwüstet hat.

Viel Zeit, sich auf den Einsatz vorzubereiten, hatte Johnen nicht: Zwölf Stunden nach Benachrichtigung startete der Flieger mit den deutschen Helfern und neun Tonnen Camp-Ausstattung in die Vereinigten Staaten. Solche Einsätze erlebt Thomas Johnen öfter. Er ist EU- Fachexperte und reist nach Naturkatastrophen in Krisengebiete, um mit seiner Expertise zu helfen. Im Gespräch mit Vivian Nogaj blickt der Stolberger auf seinen Einsatz zurück.

Sie kommen gerade aus dem Einsatz in Miami wieder. Was haben sie dort erlebt?

Johnen: Die Technik im Generalkonsulat in Miami ist zusammengebrochen und war deshalb auch für den Krisenstab des Auswärtigen Amts nicht mehr erreichbar. Deshalb bin ich mit einem Krisenunterstützungs-Team, bestehend aus Notärzten, THW-Helfern und der Angehörigen der Bundeswehr, dorthin gereist. Einsatzauftrag war, das Generalkonsulat in Miami betriebsbereit zu machen und betroffene Bundesbürger zu unterstützen.

Sie arbeiten als Freiwilliger beim THW. Wie vereinen Sie Haupt- und Ehrenamt?

Johnen: Das geht nur mit einem kulanten Arbeitgeber. Ich habe Glück. Zwar gibt es ein THW-Gesetz, woraufhin der Arbeitgeber seine Mitarbeiter für Einsätze freistellen muss, aber trotzdem möchte man seine Freiheiten möglichst nicht überstrapazieren. Zu meinem Hauptberuf kommen etwa fünf bis zehn Stunden wöchentliche Arbeitszeit für das THW hinzu, aber wenn man etwas gerne macht, dann ist es nicht nur eine Last.

Wie häufig sind die Auslandseinsätze, zu denen Sie gerufen werden?

Johnen: Ein Einsatz in der Größenordnung wie in Miami kommt etwa ein bis zwei Mal im Jahr vor.

Bei 31 Jahren Mitgliedschaft haben Sie dann sicher viel erlebt.

Johnen: Ja, mittlerweile war ich in 14 Ländern bei Auslandsmissionen für die Bundesregierung im Einsatz, beispielweise im Jahr 2004 nach dem Tsunami in Indonesien. Darüber hinaus habe ich Einsatzerfahrungen bei Erdbeben, Eisregen, Überflutungen und Hochwasser. In Bangkok habe ich zum Beispiel die Deutsche Botschaft bei der Sicherung nach Starkregenfällen beraten.

Also sind Sie immer bei Naturkatastrophen vor Ort?

Johnen: Oft. Aber nicht nur: Auch Kriegsgebiete gehören zu meinem Einsatzgebiet. Ich war auch beim Aufbau des Flüchtlingslagers an der syrisch-jordanischen Grenze beteiligt.

Hand aufs Herz: Haben Sie dann nicht auch mal Angst?

Johnen: Wenn bewaffnete Soldaten vor einem stehen, dann kommt das durchaus schon einmal vor. Aber ich lasse das Erlebte überhaupt nicht an mich heran. Sobald ich in Deutschland lande, ist jeder Einsatz für mich gedanklich abgeschlossen. Es gibt Kollegen, denen es nicht leicht fällt, etwas Traumatisierendes zu erleben. Einer von ihnen hat den Job deshalb aufgegeben.

Also gibt es auch Nachteile, die mit Ihren Einsätzen verbunden sind?

Johnen: Ich sehe das immer als Bereicherung. So ein Einsatz erdet ungemein. Wenn man das Leid in Krisengebieten sieht im Vergleich zu den Problemen, die Menschen hier haben, denke ich mir schon manchmal: „Ihr wisst gar nicht, was Leid bedeutet.“

Was sagt ihre Familie zu ihren Einsätzen?

Johnen: Für die Familie ist das ganz klar eine Belastung. Sie wissen ja nicht, wann ich wiederkomme. Nicht einmal ich weiß, was ich vor Ort vorfinde. Es gibt meist keine stehenden Kommunikationsverbindungen. Das ist nicht so, als wenn man nach Mallorca fliegt, nach der Landung das Handy einschaltet, und direkt Netzverbindung hat. Manchmal starten wir vom Flughafen sofort in das Einsatzgebiet. Dann bleibt nach 30 Stunden Flug und zwölf Stunden Arbeit erst im Anschluss Zeit, sich daheim zu melden.

Nach 30 Stunden Flug direkt zwölf Stunden zu arbeiten, ist auch körperlich eine enorme Anstrengung, oder?

Johnen: Ja, aber ich will dann etwas bewegen und helfen. Dann muss man einfach funktionieren. Durch die Übungen weiß ich ja auch, worauf es ankommt. Außerdem wird die Fitness jährlich anhand von Belastungs-EKG’s gecheckt. Gerade für die Auslandseinsätze ist die körperliche Belastbarkeit wichtig. Es kann bei den Einsätzen in die Hitze oder in die Kälte gehen, das alles muss der Körper aushalten. Es ist halt kein Urlaub, man liegt nicht am Strand.

Wie bereiten Sie sich auf ihre Einsätze vor?

Johnen: Ich hatte bei dem Einsatz in Thailand nur dreieinhalb Stunden Vorlaufzeit, bis der Flieger ging. Deshalb habe ich immer eine zu 90 Prozent fertig gepackte Aluminiumkiste, mit ausreichender Schutzkleidung für 14 Tage. Die ist stabil und wasser- und staubdicht, kann also auch drei Tage im Regen stehen und als Stuhl oder Tisch fungieren.

Brauchen Sie Freizeit zum Ausgleich?

Johnen: Ich bin gerne in der Natur oder im Garten. Ich muss aber nicht meditieren.

Was schätzen Sie an Ihrem Job beim THW?

Johnen: Die Auslandstätigkeit ist für die meisten THW-Helfer natürlich das Sahnehäubchen. Es reizt mich, irgendwo hinzukommen und nicht zu wissen, was mich erwartet. Ich finde es spannend, mit den Herausforderungen fertig zu werden. Außerdem bin ich als EU-Experte schon beim Auswärtigen Amt und bei der UN trainiert worden, das THW eröffnet einem also viele Weiterbildungsmöglichkeiten.

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