Stolberger quälte Freundin oft brutal

Von: naima
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Stolberg-Breinig. Renate L. (44) und Matthias W. sind seit vier Jahren ein Paar. Doch regelmäßig hat Matthias W seine Partnerin schwer körperlich misshandelt. Am Freitag wurde der 50-Jährige aus Stolberg deshalb vor dem Landgericht in Aachen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Staatsanwältin P. Schlimm listete vor Gericht nur die jüngsten Vergehen des Angeklagten auf: Im Mai 2014 sei nicht genügend Geld für Tabak vorrätig gewesen. Die beiden Hartz IV-Empfänger hätten nichts zu Essen gehabt. Renate L. habe sich, so der Vorwurf des Angeklagten, nicht wie vereinbart um den Haushalt gekümmert. Die beiden seien in Streit geraten.

Matthias W. sei wütend und aggressiv geworden, habe über Stunden immer wieder auf Renate L. eingeschlagen und habe sie gewürgt. Ihre Todesangst sei so groß gewesen, dass sie sich eingenässt habe. Matthias W. habe wie regelmäßig die Wohnungstüre abgeschlossen, damit Renate L. nicht davon laufen konnte. Doch das habe sie sich aus Angst ohnehin nicht getraut. Als ihr Partner sich beruhigt habe, sei Renate L. ins Bad gegangen, um sich zu reinigen.

Als sie das Bad wieder verlassen habe, habe ihr Matthias W. verboten, sich wieder zu bekleiden. Als sich Renate L. ins Bett gelegt habe, um ihrem von Hämatomen und Prellungen übersäten Körper Ruhe zu gönnen und sich von den Schmerzen zu erholen, habe sich Matthias L. auf sie gelegt. Er habe sie schmerzhaft in die Brust gekniffen, beschimpft und beleidigt. Schließlich habe er sich auf den Weg zu seiner Schwester gemacht, um Tabak zu organisieren, habe sie aber nicht eingeschlossen, da sei sie dann auf und davon.

Schläge mit der Kupferstange

Gemeinsam mit einer Nachbarin, die schon zu Beginn der Tortur an jenem Tag Renate L. zu Hilfe kommen wollte, aber von Matthias W. Aus der Wohnung geworfen worden war, erstattete Renate L. Anzeige. Als es zur Verhandlung kommt, haben sich bereits Anklagen in sieben Fällen ergeben, die aus drei Anzeigen von Renate L. resultieren, die sie, verteilt über den Zeitraum der Beziehung, geleistet hat. Dabei ging es auch um Schläge mit Kupferstangen, Besenstielen oder Aschenbechern sowie Bedrohungen mit Küchen- oder Teppichmessern.

Die Behauptung des Angeklagten, sie seien verlobt, weist Renate L. zurück. Man trage lediglich Freundschaftsringe. Obwohl die beiden bereits wieder ein Paar sind, kehrt sie die vergangenen Gewalttaten nicht unter den Teppich. Auf die Anschuldigungen seiner Partnerin reagiert Matthias W. mit einem Schuldeingeständnis. Alles was sie geschildert habe, sei wahr, lässt er durch seinen Rechtsanwalt Gorden Christiansen verkünden.

Der 50-Jährige hat ein Leben der Instabilität hinter sich. Seine Mutter sei gestorben als er vier Jahre alt war. Sie hinterließ ihn und seine sieben Geschwister einem Vater, der sich in den Alkohol flüchtete. Mit elf Jahren, so Matthias W., habe er bereits allein gewohnt. Er habe sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Die Schule habe er nur ein Jahr lang besucht, in der Folge könne er bis heute weder Lesen noch Schreiben.

Matthias W. heiratet mit Anfang zwanzig, nach einem Ehejahr lässt sich das Paar, das zwei Kinder bekommt, scheiden. Auch gegenüber seiner Ex-Frau hat der Angeklagte zu körperlicher Gewalt gegriffen. 26 Eintragungen im Strafregister sowie Gefängnisaufenthalte prägen das Leben. Außerdem die Erkrankung an Magenkrebs, sein Magen muss entfernt werden, und Diabetes. Warum ein Elfjähriger durch jegliche Register fallen kann und sich Renate L. nicht aus der Beziehung lösen kann, blieb auch vor Gericht unklar. Gegen das Urteil ist binnen einer Woche Revision möglich.

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