Stolberger Pferdefreunde vor ungewisser Zukunft

Von: -jül-
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Vom Duffenter her ist die Bebauung schon an die Turnierwiese herangerückt: Die Stolberger Pferdefreunde stehen vor der Frage, wie der Verein überleben kann. Foto: J. Lange

Stolberg. Auf Besuch einstellen kann sich schon einmal die Politik von der Reitergemeinschaft Stolberger Pferdefreunde. Der ist weniger mit einer Einladung zu Übungsstunden im Sattel, dafür viel mehr mit eklatanten Überlebenssorgen verbunden.

Das Vorhaben der Stadt, das Gelände zwischen Stadtrandsiedlung, Duffenterstraße und Trockenem Weiher auf dem Donnerberg in ein Neubaugebiet zu verwandeln, vertreibt die 1968 gegründete Reitergemeinschaft von ihren traditionell genutzten Anlagen. Dressurviereck, Abreite-, Bereithaltungs- sowie Transporter- und Besucher-Parkplätze werden in etwa zwei Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Zukunft der privat gepachteten Reithalle ist offen. Im 45. Jahr ihrer Pferdesport-Tradition sind die derzeit 138 Mitglieder vor die Existenzfrage ihres Vereins gestellt worden. Und anders als beim SV Breinig, anders als beim VfL Vichttal und anders als beim Stolberger FC und SC Münsterbusch haben Rat und Verwaltung den Pferdefreunden bislang keinen Zuschuss und kein anderweitiges Angebot aus den erwarteten Einnahmen aus den Grundstückserlösen zur Verfügung gestellt.

„Wir suchen nach Lösungen“, erklärten Vorsitzender Clemens Arlinghaus und Geschäftsführer Uwe Klintworth auf der Jahreshauptversammlung. Sie hatten zwar Gespräche über eine gemeinsame Lösung im Überlebenskampf mit dem Büsbacher Reiterverein geführt, Details dazu auf der Jahreshauptversammlung aber nicht verraten.

Gespräche abgebrochen

Bei einer Gegenstimme beschlossen die Mitglieder, diese Gespräche vorerst nicht weiter zu forcieren. Ressentiments aus alten Zeiten, aber auch die Konstellation von privatem Grundbesitz in Kombination mit Vereinseigentum auf Gut Hassenberg sorgten für große Skepsis unter den Pferdefreunden.

Mehrheitlich votierten sie allerdings dafür, die Pacht der Reithalle für zwei weitere Jahre zu verlängern – obwohl die Zahl der Nutzer mit einem guten Dutzend eher gering, die finanzielle Belastung dagegen groß ist.

Für die Pacht der Wiesen, der Reithalle, Wasser, Strom, Niederschlagswassergebühren und Versicherungen sind jährlich über 10.000 Euro aufzubringen. Hinzu kommen über 1600 Euro an (Zwangs-)Beiträgen für Verbände. Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden sowie geringer werdende Überschüsse aus Turnieren können die Kosten kaum decken; die Pferdefreunde leben von einer schrumpfenden Substanz, die in den vergangenen guten Jahren angespart wurde. Deutlich machte der scheidende Kassenwart Rudolf Preuschmann auf die gefährliche Entwicklung aufmerksam. Maria Stolz und Claudia Krott bescheinigten ihm eine ordnungsgemäße Kassenführung.

Zu zwei Schritten entschieden sich die Pferdefreunde, um gegensteuern zu können. Gegen eine deutliche Kostenbeteiligung soll die Zusammenarbeit mit dem Volticlub Sonnenschein intensiviert werden; das hat zur Konsequenz, dass die Gruppe um Jasmin Kamberi die Reithalle intensiver belegen wird. Zum zweiten wurden die Mitgliedsbeiträge um zehn Euro angehoben auf 66 Euro für Aktive, 25 Euro für Kinder und 41 Euro für Jugendliche. Zudem wurde die Kostenbeteiligung an der Halle pro Pferd um 20 Euro auf 200 Euro angehoben. Auf eine Aufnahmegebühr wird weiterhin verzichtet.

Kritik äußerte der Vorstand an einer fehlenden Aufbruchstimmung und einem mangelnden Engagement der Mitglieder bei der Führung und Durchführung von Vereinsveranstaltungen. Gleichzeitig bescheinigten die Pferdefreunde ihrer Vereinsführung eine wenig glückliche Hand, als sie Ende vergangenen Jahres eine Umlage in Höhe von zehn Euro erhob, um erstmals vom Pächter weitergereichte Niederschlagswasser-Gebühren begleichen zu können. Das Vorgehen führte dazu, dass eine Reihe renommierter Mitglieder den Verein verließen.

Intensiv, aber ergebnislos diskutiert wurde die Frage, wie es mit den Pferdefreunden weitergeht. Brauchen wir überhaupt eine Halle? Wo finden wir Wiesen, um ein Turnier durchzuführen? Soll ein Turnier in der Aachener Albert-Vahle-Halle ausgerichtet werden? Gibt es nach 45 Jahren überhaupt noch eine Perspektive für den Verein? Alles Fragen, die die Zukunftsangst beschreiben, auf die es an diesem Abend aber keine Antworten gab.

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