Stolberg - Stolberger Neujahrsempfang: Bekannt für Kupfer, Kirche und Karneval

Stolberger Neujahrsempfang: Bekannt für Kupfer, Kirche und Karneval

Von: Jürgen Lange und Sonja Essers
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Sie war der heimliche Star beim Neujahrempfang der Stadt im Zinkhütter Hof: Die erst elfjährige Nisrine Bourkia. Sie präsentierte an diesem Abend ihr Können am Flügel und begeisterte damit die zahlreichen Gäste. Foto: J. Lange / S. Essers
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Überbrachte Stolberg eine frohe Botschaft: Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Foto: J. Lange / S. Essers

Stolberg. Für wenige Sekunden war es am Mittwochabend im Museum Zinkhütter Hof so still, dass man auch das Fallen der kleinsten Stecknadel problemlos hätte hören können. Zum traditionellen Neujahrsempfang hatte sich Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung als Festrednerin angekündigt und hatte eine Überraschung im Gepäck.

„Sie haben mir eine spannende Entscheidung auf den Tisch gelegt“, sagte Scharrenbach und sprach damit Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier an.

Im Rahmen des Stadtumbaus West kam in Stolberg der Wunsch auf, die Vicht, die derzeit kaum im Stadtbild wahrgenommen wird, erlebbar zu machen. Da gibt es nur ein Problem: „Es steht ein Gebäude im Weg“, brachte Scharrenbach es auf den Punkt. Dabei handelt es sich um die Immobilie im Steinweg 38, bei der bisher allerdings noch nicht klar war, ob sie abgerissen werden kann oder unter Denkmalschutz gestellt werden muss.

„Wir haben das sehr intensiv geprüft“, erklärte Scharrenbach während der eine oder andere Gast im Saal für einen kurzen Moment die Luft anzuhalten schien. Wie ihre Entscheidung ausfiel und welche Konsequenzen dies nun für die Stadt hat? Dazu später mehr.

Einige Diskussionen

Zahlreiche Stolberger hatten auch in diesem Jahr wieder den Weg in den Zinkhütter Hof gefunden, um mit Grüttemeier das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und auf das anstehende zu blicken. Geprägt wird 2018 vom 900. Geburtstag der Stadt. Im Vorfeld habe es einige Diskussionen um das Fest gegeben, da 1956 bereits 800 Jahre Stadtgeschichte gefeiert wurden.

„Doch so ist das, wenn fleißige Historiker in Archiven neue Dokumente finden und der Geschichte unserer Stadt ein weiteres Kapitel hinzufügen“, sagte Grüttemeier und ergänzte: „Und letztlich entspricht das auch unserem Naturell als Rheinländer, denn schließlich sind wir dafür bekannt, dass wir die Feste gerne feiern wie sie fallen.“

2017 sei ein sehr bewegtes Jahr gewesen, sagte Grüttemeier und nannte unter anderem Landtags- und Bundestagswahlen als Beispiele. „Gemeinsam müssen wir unsere Bemühungen ausweiten und die Hintergründe unseres Handelns besser erläutern, für mehr Verständnis werben und die Einsicht fördern, dass wir alle Rücksicht nehmen müssen auf die Meinung anderer, wenn wir auch in Zukunft zusammen in einem friedlichen Gemeinwesen leben möchten.“

In den vergangenen Jahren sei dies allerdings offensichtlich nicht ausreichend gelungen – trotz einer starken Wirtschaft und einem Arbeitsmarkt mit mehr Beschäftigten. „Es geht uns eigentlich sehr gut. Aber dennoch haben viele Menschen offensichtlich große Sorgen um ihre Heimat und um ihre persönliche Zukunft. Sie fühlen sich alleine gelassen von der Politik und verlieren das Vertrauen in unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung“, so Grüttemeier weiter.

Gute Beispiele dafür seien die parteiübergreifenden Arbeiten in der Region und in Stolberg. „Trotz unbestreitbar vorhandener Differenzen in unterschiedlichen Sachfragen konnten wir in den vergangenen Monaten viele richtungsweisende Entscheidungen treffen und für die weitere Entwicklung Stolbergs viele wichtige Projekte anschieben und in die Wege leiten“, so Grüttemeier. Vor allem im Bereich der Stadtentwicklung habe man – auch wegen Fördermitteln aus Bund und Land – damit begonnen, das Gesicht der Stadt zu verändern und Stolberg fit zu machen für die Zukunft.

Und wie sieht die Zukunft aus? Derzeit arbeite man an einem integrierten Handlungskonzept für die Sozialräume Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg mit dem man sich an dem Programm „Starke Quartiere – starke Menschen“ beteiligen möchte. „In Stolberg möchten wir keine einzelnen, unabgestimmten Maßnahmen umsetzen, sondern wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der die besonderen Problemlagen, aber auch die Chancen vor Ort im Blick hat“, sagte Grüttemeier.

Eine ressortübergreifende Planungsgruppe wurde bereits eingerichtet und mehrere Gespräche mit Scharrenbachs Ministerium und der Bezirksregierung Köln geführt. Ab 2019 wolle man die Stadterneuerung in der Förderkulisse „Soziale Stadt“ fortführen.

Kann sich sehen lassen

Stolberg zähle zu den größten Empfängern von Fördermitteln zur Erneuerung und Sanierung der städtischen Infrastruktur. Und: „Die Fördermittel sind bei uns in der Kupferstadt gut angelegt“, resümierte Grüttemeier. Mit dem Bastinsweiher und dem Kaiserplatz seien im Sommer die ersten beiden Projekte im Rahmen der Innenstadtsanierung fertiggestellt worden. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen und der Zuspruch zu den neuen Angeboten zeigt, dass wir mit unseren Anstrengungen richtig liegen“, so Grüttemeier.

Das Verständnis von Seiten der Bevölkerung zeige, dass man an einem Strang ziehe und dass man zudem bereit sei, langfristig zu denken und Neuerungen anzunehmen. Doch nicht nur städtebaulich gehe es in Stolberg voran. „Viele Investoren sind zuletzt auf unsere Stadt aufmerksam geworden, weswegen Stolberg im vergangenen Jahr einer der am meisten nachgefragten Gewerbestandorte in der Städteregion Aachen gewesen ist“, so Grüttemeier. Zudem sei in kaum einer anderen Kommune in der Region die Zahl der Arbeitslosen so deutlich abgebaut worden.

Damit das Leben in einer Stadt funktionieren könne, spiele auch das Ehrenamt eine wichtige Rolle. Allerdings scheine es so, dass immer weniger Menschen bereit seien, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht sei dies auch der Grund für die zunehmende Unsicherheit vieler Menschen, denn wer nicht partizipiert, könne auch keinen Einfluss nehmen auf die Entwicklung seines Umfeldes. „Wir alle müssen deswegen wieder für Mitgliedschaften werden“, so Grüttemeier.

Der Bürgermeister blickt optimistisch in die Zukunft. „Wir wollen gemeinsam für die Zukunft unserer Stadt arbeiten, und den Zusammenhalt fördern, damit Stolberg auch in Zukunft eine liebenswerte Heimat ist“, so Grüttemeier. Heimat definiere man in Stolberg nicht über den Geburtsort, die Religionszugehörigkeit oder die Hautfarbe, sondern über gemeinsame Werte. „Hierfür ist es wichtig, dass wir unsere Geschichte nicht vergessen, dass wir uns an unsere Ursprünge erinnern, an unsere Erfolge wie an unsere Fehler!“

Stadtgeschichte bekannt

Den Begriff Heimat definierte Ina Scharrenbach nicht. „Wir geben den Heimatbegriff nicht vor. Sonst würde man automatisch ausgrenzen – Lebensgeschichten ausgrenzen. Heimat trägt man im Herzen“, meinte Scharrenbach, die an diesem Abend bewies, dass sie sich auch mit der Stolberger Stadtgeschichte bestens auskennt. „Stolberg ist rückblickend geprägt durch die drei K´s: Kupfer, Kirche und Karneval. Beeindruckt zeigte sich Scharrenbach unter anderem von der historischen Altstadt und der Tradition, die in Stolberg groß geschrieben wird.

Auch heute sei Stolberg noch für Kupfer, Kirche und Karneval bekannt. Und für die große Anzahl an denkmalgeschützten Häusern. Die Immobilie am Steinweg gehört allerdings nicht dazu, verkündete Scharrenbach ihre Entscheidung und erntete dafür viel Applaus. „Ich hoffe, wir haben die richtige Entscheidung getroffen, die Sie benötigen, um Ihre Heimat Stolberg weiter gestalten zu können“, sagte sie.

Zum Abschluss des Abends hatte die Ministerin in der Fragerunde mit unserer Redakteurin Sarah-Lena Gombert, die den Abend moderierte, dann noch einen guten Tipp parat, wie es auch weiterhin mit den Fördergeldern klappt. „Machen Sie einfach so weiter wie bisher“, sagte sie.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von der elfjährigen Klavier-Virtuosin Nisrine Bourkia, die das Publikum mit ihrer Darbietung zu Jubelströmen bewegte.

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