Stolberger Musiksommer: Fesselnde Liszt-Interpretation

Von: Marie-Luise Otten
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Das dichterische Wort tonmaler
Das dichterische Wort tonmalerisch anschaulich gestaltet: Das Ehepaar Jószéf und Violetta Ács spielen und singen „Die Loreley” in der Fassung von Franz Liszt. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Ausschließlich dem Schaffen Franz Liszts war das erste Konzert des Stolberger Musiksommers gewidmet. Zu seinem 200. Geburtstag hatte das Musiksommerteam in Jószéf Ács einen Liszt-Interpreten gefunden, der seinesgleichen sucht.

Der Klaviersatz des Musikgenies des 19. Jahrhunderts geht in seinen spieltechnischen Anforderungen weit über den seiner Zeitgenossen hinaus. Ács stellte den aus Ungarn stammenden Kosmopoliten im Zinkhütter Hof durch fesselnde Interpretationen vor, während Siegfried Tschinkel, Pressesprecher der Franz-Liszt-Gesellschaft Eschweiler, charmant und in einfachen Worten von seinen eigenen, ganz persönlichen Gedanken, Ideen und Empfindungen, die er zu den einzelnen Werken hat, erzählte. Er schlug damit die Brücke zwischen Interpret und interessiertem Zuhörer.

Mit einem Alterswerk von Franz Liszt, den „Les jeux deau à la Villa DEste” ging der Abend los. Empathisch und hoch konzentriert widmete sich Ács dem Rauschen der unzähligen Quellen, Kaskaden und Fontänen im Garten von Liszts dritter Heimat in Rom neben Budapest und Weimar. Neben dem Träumen in der Natur hatte das Charakterstück aber auch etwas Mystisches und Religiöses. Eine spannende und leidenschaftliche Wiedergabe, in der die Tonsprache Liszts als die eines mit glühendem Herzen komponierenden Zeitgenossen aufleuchtete, gab es mit Victor Hugos Dichtung „Mazeppa”. Als 15-jähriger Knabe hatte Liszt die Geschichte vom Pagen Ivan Mazeppa am polnischen Königshof, der wegen einer verbotenen Liebschaft zur Strafe von einem Pferd zu Tode geschleift werden soll, in eine bildhafte Musiksprache komponiert. Doch diese Komposition wurde noch mehrmals umgeschrieben.

Klangstudie

Ács spielte die dritte Fassung als lyrisch expressive Klangstudie mit transzendentem Anspruch. Die flackernden, rasch dahin huschenden Figuren ließen die Vorstellung einer wilden Jagd entstehen. Es war ein effektvolles, hochvirtuoses Orchesterstück, sozusagen der „Mount Everest” in der Klaviermusik.

Die Trois Valses oubliées stammen aus den Jahren 1881-83 und gehören jener späten Periode an, der man oft ein Nachlassen der Schöpferkräfte nachgesagt hat. Ács gestaltete den ersten „vergessenen Walzer” zu einem eleganten Stück von zarter Poesie, dessen Thema Liszts Handschrift deutlich verriet. Das Bild der pianistischen Persönlichkeit Liszts spiegelt sich am deutlichsten in den zwölf transzendentalen Etüden, von denen der Eschweiler Künstler das elegisch depressive Stimmungen vermittelnde „Chasse neige”ausgewählt hatte. Sinn und Ohr für die Lisztsche Welt geöffnet, führte Acs seine Zuhörer in transzendente Räume. Übergänge verschleierte er fein im Pedal und in extremen Lagen spielte er differenziert und nuancenreich.

Beethoven nahm im Denken Liszts eine Sonderstellung ein. Als Pianist, Dirigent, Bearbeiter, Komponist, Lehrer und schließlich als Herausgeber Beethovenscher Kompositionen beschäftigte sich Liszt zeitlebens nicht nur mit einzelnen Werken, sondern nahezu mit dem gesamten Schaffen Beethovens. Der Tastenzauberer aus unserer Region spielte für das Eröffnungskonzert in Stolberg den ersten Satz aus der fünften Sinfonie und berührte sein Publikum durch die emotionale und geistige Kraft seines Spiels.

In der Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Violetta Palatinus erwies er sich ebenso als erstklassiger Begleiter. Es galt, das dichterische Wort tonmalerisch anschaulich zu gestalten. In der Liedtranskription der rheinischen Sage „Die Loreley” nach einem Gedicht von Heinrich Heine konnte Violetta Palatinus ihre Sopranstimme eindrucksvoll präsentieren.

Liszts populärste Virtuosenstücken sind die Ungarischen Rhapsodien, in der er die Kunst seiner Heimat verewigen wollte. Die Musik der ungarischen Zigeuner hatte es ihm angetan, und so war es nur verständlich, dass der Meister aus Eschweiler mit der „Ungarischen Rhapsodie Nr. 12” den Schlusspunkt setzte, eine virtuose Raserei auf der Klaviatur, bei dem sich andere gute Spieler die Finger verstauchen beim Versuch, die melodisch schwungvolle Kunst zu bewältigen.

Begeisterter Applaus für die grandiosen und hingebungsvollen Liszt-Interpretationen schloss sich an. Alle Besucher erhoben sich von den Plätzen um dem Eschweiler Pianisten seine Aufwartung zu machen.

Als Zugabe erweckte das Ehepaar Violetta und Jószéf Acs den tiefromantischen Geist des dritten Liebestraums „O lieb, so lang du lieben kannst” nach einem Gedicht von F. Freiligrath.

Duo Wrochem-Lorenzenimzweiten Konzert

Weiter geht es im zweiten Konzert mit dem Duo von Wrochem-Lorenzen: Bratsche und Klavier mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Joseph Joachim und Anton Rubinstein. Es findet statt am Samstag, 18. Juni, um 20 Uhr im Rittersaal der Burg Stolberg.
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