Stolberger Moped-Treffen: „Jungenträume“ auf zwei Rädern

Von: Dirk Müller
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Die zahlreichen „alten Schätzchen“ an der Rumpenstraße werden beim sechsten internationalen Moped- Treffen des Vichter Motorclubs ausgiebig bestaunt. Foto: D. Müller
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Eckhard Brauns Kreidler Florett Baujahr 1978 sieht aus wie im Prospekt und erntet viele bewundernde Blicke.

Stolberg-Vicht. Den Liebhabern „alter Schätzchen“ auf zwei Rädern sind einmal mehr die Augen über gegangen und das Herz auf. Ob sportliche Italiener Marke Moto Morini, Ducati, Gilera und Moto Guzzi, japanische Hondas und Yamahas oder kultige Simson Schwalben aus DDR-Fertigung.

Auch formschöne Motorräder, die von den Adlerwerken bis 1957 in Frankfurt am Main hergestellt worden sind, oder klassische Mopeds wie die NSU Quicklys oder die Kreidler Floretts gab es dort – das sechste internationale Vichter Moped-Treffen hatte in puncto Young- und Oldtimer eine Menge zu bieten. Zündapps reihten sich an BMWs, Heinkel Roller an Hercules Mopeds.

„Das Moped-Treffen ist offen, so dass Mofas, Mopeds, Roller, Touring- und Rennmaschinen verschiedener Baujahre dabei sind“, beschrieb Norbert Derichs, dass die Vielfalt einen Reiz des Treffens ausmache. Derichs ist der Vorsitzende des Vichter Motor-Clubs (VMC), der das Treffen ausrichtet. Über dem Cafeteria-Bereich am Vichter Pfarr- und Jugendheim thronte eine nostalgische NSU-Rennmaschine.

„Die hat der Breiniger Motorradrennfahrer Kurt Stoll seinerzeit dem VMC vermacht. Clubmitglieder haben sie im vergangenen Jahr restauriert“, erzählte Derichs, der an Grill- und Getränkeausgabe unterhalb der Rennmaschine alle Hände voll zu tun hatte.

Bereits um 13.30 Uhr galt es, Grillfleisch nach zu ordern. „So gut besucht war unser Moped-Treffen noch nie“, meinte Derichs. „Es werden jedes Jahr mehr Besucher und auch mehr Maschinen.“ Mehr als 150 Mopeds, darunter auch Gespanne, waren an der Rumpenstraße zu bestaunen, belgische und niederländische Kennzeichen belegten, dass die Internationalität des Treffens sich nicht nur auf die Maschinen, sondern auch auf die Gäste bezieht.

Was die Besucherzahl – mit Moped und ohne – angeht, sei das Treffen damit fast am Ende der Fahnenstange angelangt, sagte der VMC-Vorsitzende: „Es ist sicher noch Platz für einige Maschinen mehr vorhanden, vielleicht auch für einen weiteren Teilehändler, aber wir haben ein Niveau erreicht, auf wir nicht mehr großartig expandieren werden.“

Bewusst wolle das Vichter Moped-Treffen keine Großveranstaltung sein, sondern nach dem Motto „klein aber fein“ sein familiäres Flair erhalten. „Man kennt sich oder lernt sich kennen. Die persönliche und gemütliche Atmosphäre wird von den Teilnehmern und Gästen sehr genossen“, erklärte Derichs, der natürlich auch sein Moped mitgebracht hat. „Für dieses Ducati Motorrad habe ich schon als Zwölfjähriger geschwärmt, alleine schon der Sound hat mit total begeistert. Später war es dann meine erste Maschine, und ich habe sie nie verkauft, denn mein Herz hängt wirklich dran.“

Zwischen den traumhaft schönen Mopeds, von denen die meisten trotz ihres verbrieften Alters aussehen, als seien sie vor wenigen Tagen vom Band gerollt, wurde sich gesellig unterhalten und rege fachlich über das Hobby ausgetauscht. Bei kühlen Getränken, Leckerem vom Grill und angeregten Gesprächen fiel der Begriff „Jungentraum“ immer wieder.

Während Derichs sich diesen schon mit seiner ersten Maschine erfüllte, dauerte es bei Anderen etwas länger. Etwa bei Eckhard Braun, der sich seinen „Jungentraum“ im zarten Alten von 50 Jahren erfüllte. „Mit 15 fuhr ich eine Zündapp, habe aber immer neidisch auf die Kreidler Floretts mit großem Nummernschild geschaut“, berichtete Braun.

Die 50-Kubikzentimeter-Florett bringe es locker auf die erlaubten 80 Kilometer in der Stunde, das besagte große Nummernschild sei in seiner Jugend aber mit viel zu hohen Steuern und Versicherungskosten verbunden gewesen. Vor zweieinhalb Jahren habe er dann begonnen, seinen Jungentraum „leicht verspätet“ wahr zu machen und eine Kreidler Florett erstanden – zum stolzen Preis von 1900 Euro.

„Sie war fahrbereit, aber der Zustand ließ zu wünschen übrig. Ich habe sie komplett auseinander genommen und neu aufgebaut.“ Beim Vichter Moped-Treffen erntete Brauns Kreidler viele bewundernde Blicke, denn heute sieht das Moped so aus, wie es 1978 die Fabrik verlassen hat.

Originalgetreu, aufpoliert und glänzend wie im Prospekt präsentierten sich auch Schmuckstücke wie die DKW 125/2 der Auto Union mit dem Baujahr 1953, die Vicky III aus dem Jahr 1954 mit 1,75 Pferdestärken oder die Hercules 220 PL Baujahr 1966. Beim Vichter Moped-Treffen waren Beiwagen nicht nur an Motorrädern zu finden, sondern etwa auch an einem strahlend blauen Roller, dem Heinkel Tourist.

Offensichtlich sind all diese Mopeds echte Liebhaberfahrzeuge – umso bemerkenswerter ist, dass fast alle mit einem gültigen Kennzeichen versehen sind, also nicht nur gehegt, gepflegt und stolz gezeigt sondern auch immer noch gefahren werden.

Für die meisten Moped-Besitzer eine klare Angelegenheit, meinte Braun: „Die alten Maschinen leben ja nicht nur von Optik und Technik, es sind mehr als nur Schmuckstücke. Sie vermitteln auch ein ganz besonderes Fahrgefühl, das man genießen will.“

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