Stolberger Milch macht Chinesen nun glücklich

Von: Jürgen Lange
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Stolberger Kühe machen jetzt auch Verbraucher in China glücklich.
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Der MUH-Standort in Pronsfeld: 31,1 Millionen Euro werden in die Erhöhung der Produktionskapazität von hochwertigem Milchpulver und einer neuen Butterei investiert.

Stolberg / Pronsfeld. Wenn man den Schwarzbunten auf den Stolberger Weiden so in ihre stolze großen Augen guckt und ihnen dabei zusieht, wie sie heimischen Klee, Sauerampfer und Gräser fressen, dann fragt man sich, ob sie‘s wissen: Ihre Milch wird jetzt auch in China getrunken!

Natürlich nicht nur im Reich der Mitte und nicht ausschließlich die Produkte der Stolberger Kühe. Die Milch von rund 2600 Bauernhöfe aus der Grenzregion von Luxemburg bis zum Niederrhein wird in der Molkerei im Eifelort Pronsfeld verarbeitet. Darunter sind auch die über 8,6 Millionen Liter Milch, die zwölf Stolberger Landwirte dort angeliefert haben.

Seit der im Oktober vollzogenen Fusion der Milch-Union Hocheifel eG (MUH) mit der skandinavischen Genossenschaft Arla bieten sich Landwirten aus der Region neue, geradezu globale Perspektiven. So wird in Pronsfeld jetzt für den Export nach China bestimmte H-Milch produziert. Im Sommer hatte Arla mit Chinas führender Molkereigesellschaft China Mengniu Dairy Company Limited ein Abkommen über die Einführung der Marke Arla innerhalb neuer Produktkategorien vereinbart, was Arla den Zugang zu mehr chinesischen Verbrauchern sichert.

Und die erfreuen sich offenbar an den hiesigen Qualitätsstandards. Von der Anfrage eines chinesischen Verbrauchers, wie hoch denn der Anteil von Milch in der H-Milch sei, erzählt Wolfgang Rommel. „Natürlich 100 Prozent“, lautete die Antwort des Leiters der Kommunikation von Arla Foods Deutschland in Pronsfeld. „Unglaublich“, fand das dann wohl sein Gesprächspartner. Das zeugt davon, wie skeptisch Chinesen den in ihrem Land erzeugten Lebensmitteln gegenüberstehen. Dagegen präsentiert sich die Milch aus der Eifel als echte Alternative. Die Transportkosten in das Reich der Mitte sind sogar geringer als nach Südfrankreich, so Rommel.

Darüber hinaus wird das „weiße Gold“ neben den bekannten Milch- und Sahneprodukten aus dem Hause MUH zukünftig in Pronsfeld auch den Kaergården-Produkten der Marke Arla Geschmack verleihen – wenn Ende diesen Jahres die neuen Betriebsanlagen in Betrieb genommen werden, die noch im Bau sind. Mehr als 31 Millionen Euro werden zur Erhöhung der Produktionskapazität für hochwertiges Milchpulver und den Bau einer neuen Butterei investiert.

„Wir schaffen gerade die Grundlage für verstärkte Exportaktivitäten in entfernte Wachstumsmärkte“, sagt Tim Ørting Jørgensen, der Geschäftsführer der Arla Foods Deutschland. Insgesamt 268 Millionen Euro hat der Aufsichtsrat jetzt für Investitionen gebilligt. Sie sind für die Erhöhung der Produktionskapazität, Verbesserungen bei den Betriebsabläufen und beim Umweltschutz sowie für die Bereiche Wartung, Qualitätssicherung und Innovation vorgesehen. Dies entspreche einem Anteil von etwa drei Prozent am erwarteten Umsatz.

„Durchaus zufrieden sind die Landwirte mit der erfolgten Fusion“, bilanziert Wolfgang Rommel. Das liege auch daran, dass der Milchpreis für die Lieferanten gestiegen sei. Es sind im Vergleich zum Vorjahr in Stolberg zwei weniger; sie haben ihre Höfe aufgegeben, berichtet Rommel. Von 9,7 auf 8,6 Millionen Kilogramm Milch reduzierte sich demnach die Anlieferung. Aber mit einer Jahresquote von knapp 700 000 Kilogramm gelten Stolberger Landwirte als überdurchschnittlich gute Milchproduzenten.

Für jedes Kilogramm Milch, das die 12 300 Genossenschaftsmitglieder in Schweden, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Belgien und Luxemburg an das Unternehmen geliefert haben, generierte Arla in 2012 Einnahmen in Höhe von 35,8 Eurocent, und lag damit vier Prozent unter dem Ergebnis von 2011, als rund 37,4 Eurocent erwirtschaftet wurden, erklärte am Mittwoch die Geschäftsführung bei der Präsentation des Jahresergebnisses.

„Preis am oberen Spektrum“

Fusionen, Übernahmen und starke Marken haben bei Arla im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 für eine bedeutende Umsatzsteigerung gesorgt. Obwohl der globale Molkereimarkt im ersten Halbjahr unter einem enormem Preisdruck stand, erzielte Arla das erwartete Nettoergebnis und damit die höchste bisher erzielte Nachzahlung für seine Genossenschaftsmitglieder.

Das Jahr 2012 war von deutlichen Zuwachsraten auf Arlas Wachstumsmärkten und historischen Geschäftserweiterungen in Europa gekennzeichnet. Gleichzeitig drückte im ersten Halbjahr eine weltweit unerwartet hohe Milchproduktion die Preise, was die Erlöse im Molkereisektor generell beeinflusste. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 8,48 Milliarden Euro gegenüber 7,37 Milliarden Euro in 2011. Das Nettoergebnis des Konzerns macht wie erwartet drei Prozent des Umsatzes aus und liegt bei 255 Millionen Euro (188,9 Millionen Euro im Jahr 2011).

Der Milchabnahmepreis liegt unter dem Niveau von 2011, allerdings immer noch am oberen Ende des Spektrums der europäischen Molkereien, die alle unter dem gleichen Druck standen“, sagt Peder Tuborgh, Vorstandsvorsitzender von Arla Foods. Dies sei ein solides Jahresergebnis. Während die europäischen Märkte noch immer vom schwachen Wachstum im Lebensmittelbereich gekennzeichnet seien, könnten außerhalb der EU weiterhin zweistellige Wachstumsraten verzeichnet werden.

Arla schaffte es 2012 auf so gut wie allen Märkten außerhalb der EU zu wachsen – sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag. In Russland steigerte die Genossenschaft ihren Umsatz um fast 28 Prozent auf mehr als 80 Millionen Euro, im Nahen Osten und Afrika stieg der Verkauf von Molkereiprodukten für Verbraucher um 22 Prozent auf rund 403 Millionen Euro an.

Mehr Bio-Produkte

Auf dem deutschen Markt ist der Umsatz deutlich von 591 Millionen im Vorjahr auf fast 940 Millionen Euro gestiegen. Dafür verantwortlich war neben steigende Verkaufszahlen die Fusion mit der MUH. Sie machte Arla zur drittgrößten Molkerei in Deutschland und und generierte Wachstumsmöglichkeiten bei den größten Handelsketten im Lebensmitteleinzel. „2013 haben wir vor, unser Markengeschäft auch im Bereich der Bio-Produkte, wo wir in Deutschland gute Wachstumsraten verzeichnen, weiter zu entwickeln“, so Jørgensen zu seinen Zielen.

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