Stolberger Metallwerk: Verhandlungen sind noch nicht in Sicht

Von: Michael Grobusch
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Stolberg. Der Schock sitzt immer noch tief: „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie die Stimmung ist. Die Arbeit läuft zwar weiter, aber die Kollegen kochen vor Wut und sind zugleich wie gelähmt.” Es sind äußerst schwierige Tage, die Heinz Meuser erlebt.

Der Betriebsratsvorsitzende des Stolberger Metallwerkes ist am vergangenen Donnerstag ebenso wie die übrigen Mitarbeiter von der Entscheidung der Muttergesellschaft KME Germany überrascht worden. Sie will aus wirtschaftlichen Gründen bis März 2014 insgesamt 102 von bis dato noch 213 Stellen streichen.

„Wir werden das nicht so einfach hinnehmen, sondern um jeden Arbeitsplatz kämpfen”, betont Meuser. Gleichwohl muss er einräumen, dass die Möglichkeiten für die Arbeitnehmerseite begrenzt sind. Am Dienstag hat der komplette Betriebsrat mit den Vertretern der IG Metall Stolberg zusammengesessen. Anschließend wurden drei Beschlüsse gefasst: „Wir werden einen unabhängigen Sachverständigen bestellen. Er soll überprüfen, inwieweit es tatsächlich eine Notwendigkeit zu der von der Geschäftsführung geplanten Restrukturierung gibt”, so der Betriebsratsvorsitzende.

Auch juristisch will sich das Gremium begleiten und beraten lassen. Schon am Mittwoch wird der ausgewählte Rechtsanwalt seine Arbeit aufnehmen und die rechtlichen Optionen prüfen, die in Frage kommen könnten. Nicht zuletzt wird ein zusätzlicher Kollege für die Betriebsratstätigkeit freigestellt. „Denn in dieser Krisensituation gibt es viel zu tun”, weiß Heinz Meuser.

Zu den Aufgaben zählt neben den zu erwartenden Verhandlungen mit der Geschäftsführung vor allem die Betreuung der Belegschaft. „Es hat schon viele Tränen gegeben, weil die Kollegen um ihre Existenz fürchten”, berichtet Meuser. Täglich sollen sie nun über den aktuellen Stand informiert werden. Denn die Ungewissheit ist groß, und mit ihr die Angst.

Das weiß auch Martin Peters. „Das Bedürfnis, Klarheit zu erlangen, ist verständlich. Wir werden aber nicht den Fehler machen, unsere Sorgfaltspflicht zu vernachlässigen”, betont der Gewerkschaftssekretär. Der Forderung der Geschäftsführung, dass eine „schnelle Lösung” im Sinne der Mitarbeiter gefunden werden sollte, erteilt Peters eine Absage.

„Bislang liegen uns lediglich eine neun Seiten starke Powerpoint-Präsentation und einige mündliche Aussagen vor. Das ist zu wenig, um in ein seriöses Gespräch eintreten zu können.” Ohnehin gestaltet sich der Zeitplan für das Metallwerk aus Gewerkschaftssicht „etwas perfide. Auf der einen Seite ist da von Klarheit die Rede, und auf der anderen Seite wird ein schrittweiser Stellenabbau bis März 2014 geplant”, kritisiert Martin Peters.

Auch Heinz Meuser appelliert, trotz aller Dramatik der Lage angesichts der drohenden Massenentlassungen - oder auch gerade deshalb - beim weiteren Vorgehen nicht die Ruhe und Übersicht zu verlieren. „Wenn wir uns jetzt unter Zeitdruck setzen ließen, wäre das ein gefundenes Fressen für die Arbeitgeber. Wir werden uns aber erst an einen Tisch mit der Geschäftsleitung setzen, wenn wir über alle notwendigen Informationen verfügen”, stellt der Betriebsratsvorsitzende klar. Und er fügt hinzu: „Vor dem Abschluss von Verhandlungen über Sozialplan und den Interessenausgleich können in Stolberg keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.”

Angesichts dieser Einschätzungen verwundert es nicht, dass es noch keine Terminvereinbarung mit der Verhandlungsdelegation der KME Germany gibt. Sie soll, so wurde bereits vergangene Woche angekündigt, aus dem Stolberger Werksleiter Leo Bergstein und Geschäftsführungsmitglied Hans-Joachim Scheja bestehen. Derweil wird die Sitzung der europäischen Betriebsräte der KME-Gruppe aller Voraussicht nach vorverlegt. Sie soll statt Mitte Oktober nun bereits am 26. und 27. September in Frankfurt stattfinden - aus aktuellem Anlass...
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