Stolberger Melodien und Riffs im Jakobshof

Von: Joseph Ahmann
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Konzert am 5. Juni: „Reno Schnell feat. High Voltage Overhead“ treten im Jakobshof auf. Mit dabei sind(v.l.n.r.) Max Sonntag, Peter Sonntag, Reno Schnell und Markus Plum.

Stolberg/Aachen. Musikbunker Aachen, Junkerstrasse: Hier, in den Musikstudios des Peter-Sonntag-Quartetts, verklingen gerade die letzen Akkorde von Lou Reeds „Perfect Day“, dem wohl ersten unter der Ägide von Ausnahmegitarristin Reno Schnell einstudierten Meisterwerk von „Reno Schnell feat. High Voltage Overhead“, wozu der Nestor Peter Sonntag (Bass), der wohl weltweit erste Rockposaunist Markus Plum sowie Max Sonntag (Schlagzeug) gehören – alles echte Stolberger.

Die Feuerprobe hat der Song – dem neuen weiblichen Nimbus entsprechend – bereits zur Walpurgisnacht vor einem begeisterten und dank einer Initiative von Rick Opgenoorth im Jakobshof seit Jahren eingeschworenen Heimpublikum bestanden. Die nun auch der Firmierung nach neue Frontfrau, Reno Schnell, steht neben ihren einzigartigen, fast spielerisch erscheinenden, aber pfeilschnell improvisierten Licks, die wie Blitzlichter in nicht minder quirlig getragenen Melodien und Riffs eingewoben werden, auch für eine neue, selbstbewusste Weiblichkeit, die sich sinnlich und lustvoll, aber auch grenzüberschreitend und experimentierfreudig zeigt.

Energiegeladen

Die weltweit begehrte Endorserin sieht sich – neben ihrem Ehemann, dem seit den 70er Jahren weltweit tourenden Bass-Virtuosen und Autor der „Bass Craft“-Fibel Peter Sonntag – als komplementärer Teil einer Partnerschaft, die sich dialogisch und mit schier atemberaubender Virtuosität den energiegeladenen Spannungsfeldern ihres beispiellosen und bahnbrechenden Musikstils widmet.

Gleichwohl lassen sich bezüglich der kompositorischen, improvisierenden Collagetechnik sowohl in der Literatur (Joyce, Dos Passos, Sartre), als auch in der Musik (Dylan, Beatles, Zappa) vielfältige Vorläufer erkennen, die in den dem Titel wie auch der Grundmelodie nach bekannten Pop-Balladen auch zitiert werden. Wer aber etwa bei „Perfekt Day“ die eher schleppend-nasale Monotonie des New Yorker Performance-Musikers Reed erwartet, wird hier schon nach wenigen Akkorden mit einer von ursprünglicher Frische sprühenden Improvisation überrascht, die das Motiv aus ständig wechselnden, neuen Perspektiven variiert.

Es werden zwar dieselben Collagetechniken eingesetzt, die in den modernen Werbe- und Nachrichtenmedien wirksam sind, aber sie werden – gemäß dem Autorenteam Sonntag/Schnell – mit klassischen, kompositorischen Elementen, den Rhythmen von Atmung und Herzschlag oder energetischen Schwingungsmustern des Körpers sowie mythischen Funktionen der Musik verwoben.

Das so entstehende komplexe, aber unmittelbar unter die Haut gehende, interaktive Gesamtkunstwerk erfüllt eine beabsichtigte, kulturell integrative Funktion und soll sowohl Keimzelle als auch Vorbote neuer gesellschaftlicher Ausdrucksformen sein. Was etwa in dem mittlerweile ritualisierten, hymnischen Schlusslied „Epitaph“ zelebriert wird, ist eine Alchemie des Augenblicks mit musikalischen, rhythmischen und visuellen Medien, die tief verwurzelte, gesellschaftliche Kräfte neu beschwört.

Bleibt zu erwähnen, das die lang ersehnte Diskographie zu dieser Metamorphose zeitnah in Form der CD „X-Files Vol. 2“ und zweier Musik-DVD von den Aachener Konzerten auf dem Katschhof im September 2012 und Weihnachten 2011 im Jakobshof erscheinen wird.

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