Stolberger Ladeninhaber zufrieden, nur Leerstand bereitet Sorge

Von: Nicola Gottfroh
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Vor allem in der Weihnachtszei
Vor allem in der Weihnachtszeit klingelte im Laden von Andreas Kohler die Kasse. Er ist sehr zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2011 und blickt optimistisch in die Zukunft. Foto: N. Gottfroh

Stolberg. Krawatten und Hemden, Ohrringe und Blusen, Ketten, Sportkleidung und -geräte. Viele Geschenke lagen auch in diesem Jahr wieder unter den Weihnachtsbäumen und bescherten dem Einzelhandel - auch in Stolberg - zum Weihnachtsgeschäft klingelnde Kassen.

Die Ladeninhaber in der Kupferstadt sind mit dem Ganzjahres- und dem Weihnachtsgeschäft des vergangenen Jahres im Großen und Ganzen zufrieden - auch wenn die dicken Winterboots und die gefütterten Jacken in diesem Jahr nicht zu den weihnachtlichen Verkaufsschlagern gehörten. „Das warme Wetter in der Weihnachtszeit sorgte dafür, dass eher die Mode für den Übergang gefragt war. Und auch die Frühjahrskollektionen waren als Geschenke schon heiß begehrt. Mützen und dicke Jacken waren da eher die Ladenhüter”, sagt Heidi Krajewski, Inhaberin des Modegeschäftes Nova.

Winterware als Ladenhüter

Auch bei ihren Kollegen aus der Bekleidungsbranche kam die Winterware nicht so gut an wie im Vorjahr. Dafür sei es einfach nicht kalt genug gewesen, sind sich die Einzelhändler einig. Und außer darüber, dass es in diesem Jahr zu warm war, sind sich die Einzelhändler in noch einer Sache einig. Nämlich darin, dass das Weihnachtsgeschäft trotz des sehr langen Advents erst ziemlich spät anlief. „Das verwundert aber kaum. Wir hatten fünf Advents-Verkaufswochen. Da ändert sich das Kaufverhalten der Kunden - vor allem wenn man bedenkt, dass zwischen dem vierten Advent und dem Fest noch einmal fünf Verkaufstage lagen”, analysiert Krajewski.

So wurde es insbesondere in den letzten beiden Wochen vor dem Fest in Stolbergs Geschäften noch einmal richtig voll. Auch im Laden von Andreas Kohler. Trotzdem hätte es ihn nicht gestört, wenn es noch voller gewesen wäre, sagt er. „Wir sind sehr zufrieden und können uns wirklich nicht beklagen. Mode ist immer gefragt. Trotzdem sind die Rahmenbedingungen für Händler in Stolberg nicht optimal”, sagt er und spricht damit den großen Leerstand vieler Ladenlokale in der Kupferstadt und die Ansiedlung von immer mehr Gemischtwarenläden im unteren Preissegment an.

Dieses Problem hat auch Heidi Krajewski erkannt: „Der Leerstand in Stolberg führt dazu, dass das Gesamtangebot für die Kunden in Stolberg eingeschränkter ist. Und je kleiner das Angebot, umso weniger Interesse haben die Kunden daran, eine Stadt zu besuchen.” Das trage zur Verringerung der Frequentierung Stolbergs bei.

„Viele Leute zieht es genau deshalb auch in die Stadt. Aachen ist direkt um die Ecke und gilt bei vielen Stolbergern als die Einkaufsstadt. So fehlt in Stolberg einfach der Publikumsverkehr”, beklagt auch Juwelier Matthias Berretz die schwierige Situation in der Kupferstadt. „Trotzdem kann ich zufrieden sein mit dem Geschäftsjahr 2011. Denn die Stammkunden kommen immer wieder”, sagt Berretz.

Der von den Einzelhändlern vielbeklagte Leerstand der Ladenlokale ist kein neues Problem, und vor allem keines, das sich besonders in der Weihnachtszeit, sondern im gesamten Jahr zeige. „Seit 15 Jahren kämpft Stolberg und der Einzelhandel nun schon mit diesem Problem - hier ist die Politik gefragt”, sagt Andreas Kohler. Etwas mehr Leben und ein größeres Angebot in der Stadt wünscht sich auch Özlem Dinc, Inhaberin vom Modeladen Divatella. „Das Geschäft mit Brautmoden, Schützenmoden und Kommunionskleidern boomt. Dafür kommen die Kunden auch aus anderen Städten in meinen Laden. Die Tagesmode lief im letzten Jahr dagegen nicht so gut - zum klassischen Shopping fahren die Kunden dann lieber in Städte wie Köln und Aachen”, analysiert sie.

Neben der „Stolberger-Problematik” kämpften die Einzelhändler auch noch mit einem ganz anderen Problem: „Der Onlinehandel nimmt uns viele Kunden weg und auch die Rabattschlachten der großen Ketten und im Internet sind Punkte, die den Abverkauf in kleinen Geschäften schwieriger machen. In Sachen Preis ist es inzwischen so, dass die Großen den Takt angeben”, verrät Heidi Krajewski. Gegen das Internet durchsetzen muss sich auch Michael Osthoff. Er ist Mitinhaber von Optik Stockhausen. „Gute Betreuung vor Ort ist aber das Geheimrezept, um die Kunden nicht ans Internet zu verlieren”, sagt er. Und so kann auch er auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurückblicken. „Besonders gute Monate waren Oktober und November. Die Leute wollten wohl einmal ihr Weihnachtsgeld für etwas Sinnvolles investieren”, scherzt Osthoff.

Und trotz dieser Kritikpunkte blicken Stolbergs Einzelhändler nach ihrem nicht unzufriedenstellenden Jahr 2011 optimistisch ins Jahr 2012. „Ich hoffe, dass wir vom Aufschwung profitieren werden”, sagt Andreas Kohler. Nicht nur vom Aufschwung, sondern besonders von sportlichen Großereignissen im kommenden Jahr will Heiner Flick, Juniorchef des Sportgeschäfts auf der Rathausstraße, profitieren. „Im kommenden Jahr steht die Olympiade und vor allem die Fußball-Europameisterschaft ins Haus. Sicher werden viele Menschen dadurch motiviert, sich mehr zu bewegen - und dann finden sie bei uns das Equipment”, sagt Flick.

Einen Wunsch hat Herbert Wynands, Inhaber eines Schuhgeschäftes für 2012 dann aber doch: „Ausgeprägte Jahreszeiten, einen warmen Sommer und einen kalten Winter”, sagt er. Denn dann würden die Leute auch mit Spaß Sommer- oder Winterschuhe einkaufen.
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