Stolberger Krankenschwester engagiert sich in Ghana

Von: Katharina Menne
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Linnéa Gonschorek hat sieben Wochen in Ghana gelebt, um dort zu helfen.

Ghana/Stolberg. Dass Linnéa Gonschorek in Ghana erst einmal einen großen Küchenschrank organisieren würde, hätte die junge Stolberger Krankenschwester wohl nicht gedacht als sie ihre Reise im April antrat. Sie rechnete damit, sich um Kinder zu kümmern, die dringend Hilfe benötigen.

 Das hat sie auch getan. Doch sie musste darüber hinaus auch ein bisschen Struktur in das Leben der jungen Menschen bringen. Den Schrank hat die 28-Jährige besorgt, damit nicht alle Töpfe, Teller und Tassen auf dem Boden herumstehen. „Das ist doch unhygienisch“, sagt sie.

Sieben Wochen verbrachte die junge Frau, die sonst im Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg (BGZ) arbeitet, im Kinderheim „Cosmos Centre for Children with Special Needs“ (Cosmos Zentrum für Kinder mit besonderen Bedürfnissen) in der Kleinstadt Dormaa Ahenkro im Westen des afrikanischen Landes. Die sechs Jungen und Mädchen zwischen vier und 15 Jahren, die dort leben, sind jedoch keine Waisen – sie wurden von ihren Eltern verstoßen. Und das nur, weil sie eine Behinderung haben.

„Sogar ich habe gemerkt, dass man auf der Straße angesehen und dafür verurteilt wird, dass man sich überhaupt mit den Kindern abgibt“, sagt Gonschorek. Denn Menschen mit Behinderung haben es sehr schwer in Ghana. Es heißt, sie seien verflucht. Als Kinder werden sie versteckt, misshandelt oder sogar getötet, damit sie kein Unglück über die Familie bringen. „Die Kinder wissen ganz genau, dass sie nicht gewollt sind. Viele sind traumatisiert und schreien nachts. Dabei geht es denen, die hier im Cosmos Centre wohnen, noch vergleichsweise gut – sie dürfen lachen und spielen.“

Weil so viele Familien ihr Schicksal verbergen, gebe es keine statistische Erhebung dazu, wie viele Kinder dort tatsächlich mit Behinderung auf die Welt kommen. Auch die Hilfestellung für Betroffene sei schlecht. Es gebe nur wenige Einrichtungen, die sich wie das Cosmos Centre um Kinder mit Behinderungen kümmern und versuchen, eine Wiedereingliederung in die Dorfgemeinschaft zu ermöglichen.

Dabei sind Schwangerschafts- und Geburtsschäden in Ghana nicht selten. Die medizinische Versorgung ist in vielen Gebieten noch immer unzureichend. Zum Krankenhaus ist es oft ein weiter Weg, wenn man in einem kleinen Dorf wohnt. „Eins der Kinder, um das sich das Heim kümmert, steckte acht Stunden im Geburtskanal, bevor ein Arzt dazu kam, um zu helfen“, erzählt Linnéa Gonschorek. Ebenso schlecht stehe es vielerorts um die Hygiene-Standards. Es fehle oft am Nötigsten, sagt sie. Einer der Jungen rolle sich beispielsweise nachts oft über den Boden, wenn er nicht schlafen kann. „Aber weil er so dünn ist, reibt er sich dabei die Haut über den Knochen ab. In die Wunden setzen sich sofort Fliegen und Schmutz. Das ist wirklich schlimm.“ Wundmaterial und andere Sachspenden, die ihr die Kollegen aus dem Bethlehem-Krankenhaus mitgaben, kamen dementsprechend sehr gelegen.

Doch Gonschorek hat auch viele schöne und bewegende Geschichten zu erzählen. „Wir hatten viel Spaß zusammen. Ich habe mit den Kindern gewebt, um die Feinmotorik zu schulen, habe ihnen beigebracht, wie man die Uhr liest, und viel mit ihnen gespielt. So viel Aufmerksamkeit sind die gar nicht gewöhnt.“ Denn die beiden Frauen, die dort arbeiten, kümmern sich regulär nur um Küche und Haushalt und der einzige Pfleger ist gleichzeitig auch der Lehrer der Kinder. Da bleibt kaum Zeit für persönlichen Kontakt.

Mit die größte Wirkung aber hätten die Zahnbürsten und Zahnputzbecher gehabt, die sie aus Deutschland mitgebracht hat, erzählt Gonschorek. „Darauf waren die richtig stolz“, sagt sie und lacht bei dem Gedanken daran. Es sei schön zu sehen, wie die Kinder sich über solche Kleinigkeiten so freuen können.

Kommuniziert habe sie viel über Gestik und Mimik, da über die Hälfte der Kinder aufgrund der Behinderung gar nicht richtig sprechen könne.

Geld für ihr soziales Engagement bekam Linnéa Gonschorek nicht – das wird an anderen Stellen vor Ort dringender benötigt. Sie brachte vielmehr noch eigene Spendengelder mit, die sie im Freundeskreis vorab gesammelt hatte. Und auch das Bethlehem-Krankenhaus kam ihr sehr entgegen und stellte sie für die Zeit in Ghana frei.

Und was nimmt sie von ihrer Zeit in Ghana persönlich mit? „Es waren sehr beeindruckende sieben Wochen“, sagt sie rückblickend. „Neben den Erfahrungen im medizinisch-pflegerischen Bereich, nehme ich vor allem das beruhigende Gefühl mit, dass dort gute Arbeit geleistet wird und es den Kindern den Umständen entsprechend gut geht.“ Gonschorek möchte auch nach ihrem Aufenthalt noch helfen. Daher weiß sie auch schon ganz genau, was sie aus Deutschland nachschicken wird: Spezial-Besteck, Schnabelbecher und vielleicht noch etwas Wolle zum Weben.

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