Stolberg - Stolberger Krankenhaus reagiert auf Geburtenanstieg

Stolberger Krankenhaus reagiert auf Geburtenanstieg

Von: Sarah-Lena Gombert
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So soll die neue Geburtenstation im Stolberger Krankenhaus spätestens Ende des kommenden Jahres aussehen. In dieser Woche will die Verwaltung des Bethlehem-Gesundheitszentrums die entsprechenden Bauanträge bei der Stadt Stolberg einreichen. Fotomontage: Krankenhaus
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Seit Oktober sind im Stolberger Krankenhaus mehr Kinder auf die Welt gekommen als erwartet. Die Klinikleitung hat nun reagiert. Foto: Gombert

Stolberg. Im Stolberger Krankenhaus kommen mehr Kinder zur Welt als in allen anderen Kliniken in der Region. Doch was Anfang Oktober in den Räumen der Geburtenstation los war, damit haben weder Klinikleitung noch der zuständige Chefarzt Dr. Uwe Heindrichs gerechnet: „Wir hatten in den ersten beiden Wochen des Monats Oktober knapp 100 Geburten im Stolberger Krankenhaus“, sagt Heindrichs im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Mediziner betont: „Mit dem Eschweiler-Effekt allein ist dieser Peak nicht zu erklären.“ Seit Anfang Oktober ist das „Regio-Netzwerk für die Frau“ an den Start gegangen. Seitdem kooperieren die beiden Krankenhäuser Stolberg und Eschweiler, seitdem finden in der Indestadt keine geplanten Geburten mehr statt (wir haben mehrfach berichtet).

Vor allem auf der Wöchnerinnenstation des Stolberger Krankenhauses war es zu Beginn des Monats Oktober eng geworden: „Wir mussten unsere Familienzimmer teilweise auflösen, damit wir alle Wöchnerinnen unterbringen konnten“, erklärt Heindrichs. Auch in den Kreißsälen selbst wurde es zeitweise eng: Bis zu sechs Frauen gleichzeitig haben entbunden. Ein Mal habe das Krankenhaus auch sicherheitshalber die zentrale Leitstelle des Notrufs kontaktiert. „Wenn in dieser Zeit einer Hochschwangeren in Stolberg die Fruchtblase geplatzt wäre, dann wäre die Frau nach Aachen gebracht worden, nicht zu uns.“

Der Komfort für die Familien habe unter dem großen Ansturm in den ersten Oktoberwochen vielleicht gelitten, räumt Heindrichs ein. Aber alle Patientinnen und vor allem die Neugeborenen seien alle gut versorgt worden, betont der Mediziner nachdrücklich: „Das war eine Meisterleistung unseres Teams.“

Hätte man das vorher ahnen und entsprechend anders reagieren können? „Nicht wirklich“, erklärt Uwe Heindrichs. Lediglich vier Prozent aller Kinder kämen wirklich an dem errechneten Tag auf die Welt, die meisten früher oder später. Zu einer groben Planung bleiben dem Krankenhaus lediglich die vorangemeldeten Geburten.

Zweigstelle des Meldeamts

Das Krankenhaus hat, so erklärt Geschäftsführer Dirk Offermann, diese Erfahrungen zum Anlass genommen, das Risikomanagement von einem externen Unternehmen bewerten zu lassen: „Wir wollten wissen: Steigt durch die vielen Geburten auch das Risiko, dass etwas passieren kann?“ Das Ergebnis habe ihn jedoch selbst überrascht: Durch ein gutes Management, und das sei dem Krankenhaus bescheinigt worden, sinke das Risiko, dass jemandem etwas passiert.

Dennoch: Um solch einem Ansturm in Zukunft besser gerecht werden zu können, hat die Klinik Personal aufgestockt: Es sind mehr Kinderkrankenschwestern und Hebammen eingestellt worden. Und auch die Anzahl des anwesenden Personals pro Schicht ist erhöht worden.

Auch an anderer Stelle gab es Engpässe: „Uns wurde berichtet, dass es lange Wartezeiten beim Standesamt gab“, erklärt Dirk Offermann. Jedes Kind, das im Stolberger Krankenhaus geboren wird, muss auch bei der Stolberger Stadtverwaltung angemeldet werden. Dort wurden zeitweise die Termine knapp. „Es ist gerade für die auswärtigen Eltern natürlich ärgerlich, wenn sie extra für die Anmeldung ihres Kinder noch einmal in die Stadt kommen müssen.“ Das seien Sachen, die die Krankenhausleitung zunächst nicht auf dem Schirm gehabt habe. Doch jetzt würden das Krankenhaus und die Stadt an der Stelle bald Abhilfe schaffen: „Das Einwohnermeldeamt wird eine Zweigstelle in unserem Haus einrichten“, verspricht Offermann.

Langfristig wird es im Stolberger Krankenhaus mehr und modernere Kreißsäle geben. Dafür nimmt die Klinik rund 1,5 Millionen Euro in die Hand (wir haben berichtet). Erst in der vergangenen Woche hatte die Stolberger Stadtverwaltung einen Förderbescheid von 200.000 Euro übergeben. „Noch diese Woche werden wir die Bauanträge einreichen“, sagt Dirk Offermann. Mit dem Bau soll dann so schnell wie möglich begonnen werden, so dass spätestens im vierten Quartal des kommenden Jahres die modernisierte, größere Geburtenstation fertig ist.

Mehr Platz für Wöchnerinnen gibt es jetzt schon: Direkt neben der Geburtenstation ist die ehemalige Station für gynäkologische Patientinnen ebenfalls für junge Familien hergerichtet worden. „Wir wollen die Wege für werdende und junge Mütter und ihre Angehörigen möglichst kurz halten“, erklärt Uwe Heindrichs. 35 Betten stehen im Regelfall auf der Geburtenstation zur Verfügung. Sollte es wieder einmal zu Engpässen kommen, dann kann auf bis zu 50 Betten aufgestockt werden. „Das wird aber kaum nötig sein“, sagt Uwe Heindrichs. Der Krankenhausaufenthalt dauere bei einer Geburt im Schnitt 3,7 Tage – Kaiserschnittpatientinnen mit eingerechnet.

Mehr Kinder auch in Aachen

Auch in anderen Krankenhäusern der Region ist die Zahl der Geburten in den vergangenen Wochen gestiegen. Das Aachener Luisenhospital beispielsweise berichtet auf Anfrage unserer Zeitung, dass die „magische“ Marke von 1000 Neugeborenen viel früher geknackt worden sei als in den Jahren zuvor. „Im ganzen Bundesland sind die Geburtenzahlen nach oben gegangen“, weiß Bethlehem-Geschäftsführer Dirk Offermann, „ein schöner Trend, der sich hoffentlich fortsetzt.“

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde Geschäftsführer Offerman mit der Aussage zitiert, es gebe Engpässe auf dem Einwohnermeldeamt. Tatsächlich sprach er vom Standesamt. Wir haben das Zitat korrigiert.

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