Stolberger Krankenhaus legt Fokus auf Altersmedizin

Von: Sarah-Lena Gombert
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Physiotherapeutin Joy Ruchatz absolviert in der fachabteilungsübergreifenden Altersmedizin des Krankenhauses in Stolberg ein Training mit einer Patientin. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Was passiert mit einem alten Menschen, der beispielsweise nach einem Oberschenkelhalsbruch nicht mehr allein zu Hause leben kann? Oder wie kann man einem älteren Patienten, der sich das selbstständige Leben in den eigenen vier Wänden nicht mehr zutraut, zu neuer Motivation verhelfen?

Im Stolberger Krankenhaus gibt es seit einem Monat ein neues Behandlungskonzept: Unter der Leitung von Dr. Claus Köppel, einem Geriater aus Berlin, hat die Einrichtung einen neuen Schwerpunkt auf das Thema Altersmedizin gelegt.

Die Patienten, die von dem neu gegründeten Team versorgt werden, bekommen die medizinische Betreuung wie alle anderen auch. Das kann internistisch oder auch chirurgisch sein. „Der Unterschied bei uns ist, dass wir die Patienten aus ganz anderen Blickwinkeln beobachten als auf einer normalen Station“, sagt Claus Köppel.

Dabei geht es vor allem um Fragen der Mobilität: Kann ein Mensch, der sich von einer OP erholt, allein zu Hause leben, oder besteht die Gefahr, dass ihm etwas zustößt? „Dazu müssen wir wissen, ob es Angehörige gibt, oder ob jemand allein lebt“, erklärt Köppel. Gerade bei alten Patienten kann ein Krankenhausaufenthalt zu einer anschließenden Heimunterbringung führen. Das Ziel der Altersmedizin ist es, dies – wenn möglich – zu verhindern.

Um die Patienten wieder fit zu machen für die Zeit nach dem Krankenhaus, kümmern sich den ganzen Tag verschiedenste Therapeuten darum, dass sie auf die Beine kommen: Es gibt Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie. „Wir schauen nach, was jeder einzelne Patient noch kann, und was nicht. Und das versuchen wir dann gezielt zu fördern“, erklärt Thomas Berg, in der Altersmedizin für die Pflege zuständig.

Das kann das Wiedererlernen des Laufens sein, oder auch ein Training, das dem Patienten vermittelt, sich einen Rollator zu schnappen, sobald er aufsteht. Auf dem Flur der Altersmedizin wird darum stets fleißig trainiert. „Wenn wir so die Sturzgefährdung eines Menschen reduzieren können, haben wir schon viel gewonnen“, sagt Thomas Berg. Und Claus Köppel ergänzt: „Wenn wir 80 Prozent unserer Patienten wieder so nach Hause schicken können, wie sie vor dem medizinischen Vorfall waren, ist das gut.“ Bislang sind 25 Patienten auf der Station behandelt worden.

Die Aufenthaltsdauer in der Altersmedizin ist im Schnitt deutlich länger als bei einem gewöhnlichen Patienten. „Unsere Patienten bleiben in der Regel sieben Tage im Krankenhaus“, berichtet Dirk Offermann, Geschäftsführer des Krankenhauses. In der Altersmedizin bleibt ein Patient 14 Tage, und kann somit deutlich länger beobachtet werden. „Wir erhoffen uns dadurch, dass wir Folgebehandlungen deutlich reduzieren können“, erklärt Offermann. Das sei auch ein Argument, das bei den Kostenträgern, also den Krankenkassen, funktioniere.

Doch die Betreuung der Patienten geht weit über die Pflege hinaus. Auch ein Seelsorgeteam steht jederzeit bereit, auch für die Angehörigen. „Es kommt vor allem darauf an, den Patienten und ihren Familien gut zuzuhören“, sagt Schwester Lisetta vom dreiköpfigen Seelsorgeteam. Manchmal gebe es Konfliktsituationen innerhalb einer Familie, die der Patient nicht gerne mit dem Arzt besprechen möchte. „Die Situation kann angespannt sein, wenn sich für jemanden das Leben durch einen medizinischen Vorfall komplett verändert“, sagt die Ordensschwester.

Derzeit suchen sie und ihre Kollegen weitere Ehrenamtliche, die bereit sind, sich mit um die Patienten auf der Station zu kümmern. „Bei uns geht es ganz stark um das Thema Motivation“, erklärt Thomas Berg. „Wir wollen vermeiden, dass jemand durch den Krankenhausaufenthalt in ein Loch fällt.“

Noch ist das Thema Altersmedizin für die Stolberger ziemlich jung. Und eine eigene Klinik ist die Geriatrie am Bethlehem auch nicht. Doch Geschäftsführer Dirk Offermann schließt nicht aus, dass das Konzept erweitert werden könnte: „Es ist durchaus denkbar, dass wir das auch auf anderen Stationen umsetzen“, sagt er.

Und Fachmann Claus Köppel ergänzt: „Hier im Stolberger Krankenhaus gibt es sehr viel mehr Patienten, die eine geriatrische Behandlung gut gebrauchen könnten.“ Es gebe aber nicht für jeden von ihnen einen entsprechenden Platz.

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