Stolberger Klassik-Festival: Premiere mit Erfolg

Von: mlo
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Perfekt aufeinander eingestimmt: Das „Duo con Aura“, bestehend aus dem Ehepaar Hans Christian Schweiker und Hyun Jung Kim verzauberte das Publikum am Samstagabend. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, heißt ein Sprichwort, was so viel bedeutet, dass, wer nichts versucht, auch nichts erreichen kann. Versucht hat das Team um das erste „Stolberger Klassik-Festival mit Schwung“ am vergangenen Wochenende alles, und gewonnen in jedem Fall, so dass das neue Format im nächsten Jahr Wiederholung findet.

Über 400 Gäste aus Nah und Fern besuchten die fünf anspruchsvollen Konzerte mit erstklassigen Künstlern. Manche der Besucher wohnten allen Konzerten bei, andere ließen sich zumindest zwei- bis dreimal blicken, denn ein Höhepunkt jagte den nächsten.

Während das Abschlusskonzert dem Hexenmeister auf der Gitarre, Alexander-Sergei Ramirez, gehörte, waren die anderen Darbietungen vorbehaltlos der Klaviermusik gewidmet, und das vom Solokonzert über die Begleitung bis hin zu vierhändigen Klavierkonzerten auf zwei Flügeln. Ausführende waren hervorragende Persönlichkeiten, Virtuosen, die sich durch technische Perfektion und hochsensible Interpretationen auszeichneten.

Nach dem schwungvollen Auftaktkonzert folgten am Samstag eine „Schubertiade“ mit Marie Rosa Günter. Am Abend musizierte dann das „Duo Con Aura“, hinter dem sich Hans Christian Schweiker (Violoncello) und seine Ehefrau Hyun Jung Kim (Klavier) verbargen.

In Wien lebte Franz Schubert, dessen fröhlich-heitere Musikabende in einem Kreis enger Freude „Schubertiaden“ genannt wurden. Und solch ein Treffen mit kulturinteressierten Menschen begeisterte auch eine kleine Zuhörerschaft im Museum Zinkhütter Hof, die dieser besonderen Atmosphäre im literarisch-musikalischen Salon nachspürten. Während die Musik für sich sprach, las Marie Rosa Günter aus den Briefen Franz Schuberts an seinen Bruder. Franz bediente das Klischee, dass der Künstler von der Hand in den Mund lebt.

Immer wieder bat er Verwandte oder Freunde um finanzielle Unterstützung. In den Schubertschen Kompositionen „12 Ländler“, „Sonate No 9 in H-Dur“ und „Sonate D 960 in B-Dur“ zeigte die junge Pianistin das Werk des romantischen Komponisten, der im Einfachen Geniales und wahre Schönheit vereint hat. Das Publikum war ergriffen von der Spielweise der 24-Jährigen, die bewies, wie Emotion und Technik Hand in Hand gingen.

Auch im Gesprächskonzert mit ihrer Freundin Patricia Buzari boten sie neben einer ausgefeilten Technik tiefgründige Sensibilität und Musikalität und machten die drei Klavierkonzerte von Bach, Beethoven und Grieg zu etwas Besonderem. Vierhändige Klaviermusik an zwei Flügeln hat es so in Stolberg noch nicht gegeben.

Knapp 100 Gäste ließen sich Samstagabend vom „Duo Con Aura“ mit Ludwig van Beethovens Variationen über Mozarts Thema „Bei Männern welche Liebe fühlen“ verzaubern. Daneben spielte das perfekt aufeinander eingespielte Ehepaar Fantasiestücke von Robert Schumann und eine Sonate von Johannes Brahms. Das Herzstück des Programms war allerdings der große Tango für Violoncello und Klavier von Astor Piazolla, der den Konzertabend unvergesslich machte.

Spanische und lateinamerikanische Gitarrenklänge beendeten das musikalisch starke Festival in Stolberg. Alexander-Sergei Ramirez, Professor an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf und regelmäßiger Gast bei Internationalen Gitarrenfestivals, spielte Stücke aus seiner Heimat Peru wie auch Spanisches von Fernando Sor und Isaac Albéniz.

Agustin Barrios Mangoré stammt aus Paraguay und gilt als der Paganini auf der Gitarre. Anfang der 1930er Jahre trat er nicht mehr im Frack auf, sondern in indianischer Tracht, sogar mit Federkopfschmuck. Mit seinen Kompositionen gab Ramirez dem Klassik-Festival einen würdigen Abschluss. Das Publikum erlebte die Kunst des Gitarrenspiels auf höchstem Niveau, erhob sich nach dem letzten Stück von Carlo Domeniconi von den Plätzen und entließ den Meistergitarristen erst nach mehreren Zugaben.

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