Stolberg-Mausbach - Stolberger Jugendfeuerwehr löscht ersten Brand mit Bravour

Stolberger Jugendfeuerwehr löscht ersten Brand mit Bravour

Von: Sarah-Lena Gombert
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Steffi Khan, Leon Rissmayer, Christiane Frauenkron und Tobias Schmitz in Aktion: Beim Berufsfeuerwehrtag lernen die Mitglieder der Jugendfeuerwehr, worauf es im Leben als Einsatzkraft ankommt. Dabei sammeln die Jugendlichen ganz neue Erfahrungen. Foto: S.-L. Gombert
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Zügig, aber nicht hektisch: Beim Löscheinsatz behalten die Nachwuchsfeuerwehrleute einen kühlen Kopf. Foto: S.-L. Gombert
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Alles unter Kontrolle: Die „Großen“ passen auf, dass bei der Übung der Jugendlichen nichts schief läuft. Eingreifen müssen sie aber nicht. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg-Mausbach. Es ist Samstagnachmittag, kurz nach 17 Uhr, als bei der Feuerwache in Mausbach ein Notruf eingeht. Auf dem Grundstück von Jürgen Tillmann, direkt am Waldrand, ist ein Feuer ausgebrochen und droht, auf die benachbarten Bäume überzugreifen.

Wenige Minuten später biegt bereits das Löschfahrzeug auf die Straße „Langer Ranken“ ein, mit Blaulicht und Sirene und allem, was dazu gehört. Alles wie immer, also? Nicht ganz: Denn die rund 15 jungen Frauen und Männer sind Mitglieder der Stolberger Jugendfeuerwehr. Der Brand ist lediglich eine Übung, und Teil eines Berufsfeuerwehrtages. 24 Stunden lang verbringen die Jugendlichen miteinander und erfahren in dieser Zeit, was das Leben bei der Berufsfeuerwehr bedeutet.

Der Feuerwehrwagen ist mittlerweile zum Stehen gekommen. Nicht unmittelbar vor dem Grundstück, auf dem es brennt, sondern einige Meter weiter dahinter. Zu weit gefahren? Nicht doch. Michael Konrads, Sprecher der Stolberger Feuerwehr, beobachtet die Szene und die Übung seiner jungen Mitstreiter. Er nickt zufrieden: „Auf diese Weise halten die Kameraden die Einsatzstelle frei“, sagt der Sprecher. Die Mädchen und Jungen haben bis hierher schon mal alles richtig gemacht.

Während der Maschinist am Fahrzeug die Stellung hält, verteilen sich die anderen Mitglieder der Jugendfeuerwehr auf die einzelnen Trupps mit ihren verschiedenen Aufgaben. Der Angriffstrupp macht sich, mit Atemschutzgeräten ausgerüstet, auf den Weg, um die Brandstelle zunächst zu inspizieren. Weitere Jugendliche sind damit beschäftigt, die Wasserleitung vom Wagen über einen Verteiler bis zur Brandstelle herzustellen. Zwischendurch werden kurze Hinweise gerufen: „Nicht rennen!“ oder „Schlauch liegt!“ Jeder Handgriff sitzt, auch bei den Jüngeren.

Carsten Nellißen, Stadtjugendfeuerwehrwart in Stolberg und seine Kollegin Vanessa Voß, die den Berufsfeuerwehrtag gemeinsam mit den anderen Jugendwarten organisiert haben, können zufrieden sein. „Der Berufsfeuerwehrtag erfreut sich wirklich einer großen Beliebtheit“, sagt Vanessa Voß. Teilnehmen kann daran jedes Mitglieder der Jugendfeuerwehr ab 15 Jahren.

„Hier lernen die Jugendlichen innerhalb von 24 Stunden, was Teamarbeit heißt und wie wichtig die Kameradschaft bei der Feuerwehr ist“, betont Voß. Die Übung zur Brandbekämpfung ist dabei nur einer von mehreren Bausteinen. Bevor die Truppe zum Löschen auf dem Grundstück von Jürgen Tillmann – ebenfalls Feuerwehrmann – ausgerückt war, haben sie bereits eine Ölspur beseitigt und ein kleines Feuer gelöscht. Sie haben auch Unterricht im Funken erhalten.

Doch jetzt heißt es für Steffi Khan, Leon Rissmayer, Christiane Frauenkron und Tobias Schmitz: „Wasser marsch!“ Mit einem lauten Pfeifen entweicht die letzte Luft aus dem Schlauch, dann schießt mit einem Druck von 5 bar das Löschwasser heraus. Mit vereinten Kräften richten die Mädchen und Jungen den Strahl auf das Feuer, und kriegen es schnell in den Griff. Von Aufregung: Keine Spur. In wenigen Minuten ist von den meterhohen Flammen nichts mehr zu sehen, lediglich der heiße Wasserdampf und ein wenig Rauch schwebt noch in der Luft. Mit langen Haken werden die verkohlten Holzteile auseinandergezogen und auf mögliche übriggebliebene Glutnester untersucht.

„Ja, das war das erste Mal, dass ich einen Brand gelöscht habe“, sagt die 16-jährige Steffi Khan im Anschluss an die Übung im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie ist seit 2012 Mitglied der Feuerwehr, „eine Freundin hat mich mitgeschleppt“, sagt sie lachend. Und auch beim Berufsfeuerwehrtag steht für die junge Frau aus Münsterbusch er Spaß im Vordergrund. „Doch das besondere an der Feuerwehr im Gegensatz zu anderen Hobbys ist, dass wir lernen, anderen Menschen zu helfen – und größeren Schaden von unserer Stadt abzuwenden.“ Sie könne sich sehr gut vorstellen, später auch Mitglied der Einsatzabteilung zu werden und mit den „Großen“ zusammen auf richtige Einsätze zu fahren.

Damit ist sie nicht die Einzige: Rund 100 Mitglieder hat die Stolberger Jugendfeuerwehr. Rund ein Viertel davon sind Mädchen. Jeden Donnerstag um 19 Uhr treffen sich die Kinder und Jugendlichen zu den Übungen. Treffpunkt ist jeweils die eigene Feuerwache im Ort, von wo aus sie dann mit Feuerwehrwagen zur Hauptwache gefahren werden. „Wir machen genau die gleichen Dinge wie die Jungen auch“, sagt Steffi Khan – und blöde Sprüche müsse man sich als Frau bei der Feuerwehr auch nicht anhören, „zumindest nicht mehr, als anderswo“, gesteht sie lachend.

Dass die Mitglieder der Jugendfeuerwehr mit Vollendung des 18. Lebensjahrs auch mit auf Einsätze kommen, das ist auch im Sinne der Stolberger Feuerwehr: Eine Planungsgruppe von zehn Personen hat den Berufsfeuertag mit all seinen Übungseinsätzen, Pausen, Zuständigkeiten und weiteren Finessen ausgetüftelt. Um diesem Plan nicht in die Quere zu kommen, ist auch die Ausgabe der neuen Dienstkleidung für die „Großen“ an dem Samstag um eine Stunde vorverlegt worden.

Und am Tag selbst sind neben den Jugendwarten auch viele weitere Feuerwehrleute dabei, um den jungen Kameraden bei ihren Übungen mit Ratschlägen zu helfen, aufzupassen oder ihnen einfach Gesellschaft zu leisten. „Für uns geht es natürlich auch um die Gewinnung von Nachwuchskräften“, erklärt Michael Konrads. Die Jugendfeuerwehr sei der klassische Einstieg in den Dienst bei der Wehr, auch für die hauptamtlichen Kräfte. „Und nur wenn der Nachwuchs stimmt, können wir auch in Zukunft eine schlagkräftige Einsatztruppe für die Stadt stellen.“

Nachdem der Einsatz auf Jürgen Tillmanns Grundstück abgearbeitet ist, geht es für die Jugendfeuerwehr wieder zurück zum Gerätehaus nach Mausbach. Hier wartet ein gemeinsames Abendessen auf sie (es wird gegrillt), bevor zu später Stunde ein weiterer Übungseinsatz auf die Truppe wartet. Das Szenario: Eine Frau betätigt den Notruf, weil ihr Ehemann nicht vom Holzfällen zurückgekommen ist. Diesen (in Form einer Übungspuppe) finden die Feuerwehrleute dann unter einem Baum eingeklemmt im Wald zwischen Nachtigällchen und Vicht.

„Spätestens um 23 Uhr sind die Jugendlichen aber zurück in der Wache und im Bett“, sagt Vanessa Voß. Denn bei allem Realismus bei den Übungen: Die Nachtruhe wird auf alle Fälle eingehalten.

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