Stolberger ist erster deutscher Palliativmediziner

Von: ric
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Gedenken mit musikalischer Begleitung: (v.l.n.r.) Diana Jianu, Klavier, Uwe Böttcher, Geige, Annette Schmidt, Rezitation. Roland Fuchs von der Uniklinik Aachen sprach über Leben und Werk des großen Stolbergers Kortum. Foto: R. Peters

Stolberg. Mit einer Feierstunde in der Krankenhauskapelle des Betlehem-Krankenhauses wurde am vergangenen Samstag an den Palliativmediziner Dr. Carl Georg Theodor Kortum (geboren 1765, gestorben 1847) erinnert. Der vor 250 Jahren in Dortmund geborene Arzt gilt als der erste Palliativmediziner Deutschlands.

Ab 1791 lebte und arbeitete Kortum in Stolberg. Bürgermeister Tim Grüttemeier sprach bei der Feierstunde über die Kupferstadt in der napoleonischen Zeit.

Die Palliativmedizin beschäftigt sich mit Menschen, deren Heilung nicht möglich und deren Lebenserwartung begrenzt ist. Sie spielt dann eine Rolle, wenn nicht mehr die Heilung des Patienten im Vordergrund steht sondern ihm in seinen letzten Monaten, Wochen und Tagen eine möglichst hohe Lebensqualität ermöglicht werden soll. Die Menschen sollen in ihrem letzten Lebensabschnitt nicht alleingelassen werden.

Die Palliativmedizin sei eine Alternative zur aktiven Sterbehilfe und beinhalte eine Eingliederung der psychischen, sozialen und seelsorgerischen Bedürfnisse des betroffenen Patienten, sagte Dominik Groß, Medizinethiker an der RWTH Aachen. Er sprach sich für eine stärkere Beachtung der Palliativmedizin aus: „Für die Zukunft wünsche ich mir eine Integration der Krankheitsbegleitung für Patienten mit unheilbaren Krankheiten in Lehre und Ausbildung medizinischer Berufe.“

Dass nur 15 Prozent aller möglichen Patienten von Palliativmedizinern erreicht werden zeigt, dass auch 250 Jahre nach Kortums Geburt noch immer Unwissen über die Sterbebegleitung herrscht.

Roland Fuchs von der Uniklinik Aachen sprach über Leben und Werk des bekannten Mediziners. Kortum hat seine Gedanken und Forschungsergebnisse unter anderem in seinem Werk „Beiträge zur praktischen Arzneiwissenschaft“ festgehalten und veröffentlicht. In seinem Werk schrieb Kortum etwa über einen Patienten, bei dessen Behandlung er „seit einigen Jahren auf eine Pallicativcur, jedoch zu seiner großen Erleichterung, eingeschränkt war.“ Als erster Palliativmediziner Deutschlands hat Kortum die Medizin, ganz besonders in Nordrhein-Westfalen und der Region rund um Stolberg, mit seiner fortschrittlichen Denkweise voran gebracht.

Neben weiteren Ansprachen von Dolores Hübner, ärztliche Direktion des Betlehem-Krankenhauses, Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein und Elisabeth Ebner, Ärztin der Palliativen Versorgung in Stolberg und Eschweiler wurde die Veranstaltung mit musikalischen Beiträgen und Rezitationen begleitet. Im Anschluss an das Programm hatten die Besucher die Gelegenheit, sich untereinander und mit den Referenten über das Thema auszutauschen.

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