Stolberger Innenstadt wird kostenfreie WLAN-Zone

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
12269772.jpg
Der Startschuss fällt am 22. Juni am Willy-Brandt-Platz: Von ihrem Stammsitz aus erschließt die EWV in Kooperation mit der Freifunk-Community die komplette Innenstadt mit kostenfreiem Internetzugang. Nach Stolberg sollen weitere Kommunen folgen. Foto: Lange / Collage: H. Classen
12269013.jpg
Immer online: EWV-Geschäftsführer Manfred Schröder setzt für die Kupferstadt auf ein kostenfreies WLAN-Netz mit der Freifunk-Community. Foto: EWV

Stolberg. Einmal mehr wird die traditionsreiche Kupferstadt zum Vorreiter für moderne technische Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen. Stolberg wird eine der ersten Kommunen sein, deren Innenstadt flächendeckend mit kostenfreiem WLAN versorgt sein soll.

Nachdem die Stadt bereits mit dem Kupferstädter Hotspot das Umfeld des Rathauses zur frei zugänglichen Internetzone gemacht hat, steigt nun das regionale Versorgungsunternehmen Energie- und Wasser-Versorgung GmbH (EWV) groß ein in das Thema Freifunk – und das als erstes Unternehmen seiner Art in NRW, sagt Manfred Schröder. „Wir freuen uns, mit diesem Schritt ein Pionier auf diesem Gebiet zu sein“, erklärt der EWV-Geschäftsführer gegenüber unserer Zeitung.

Für den Ausbau des kostenfreien und für jeden zugänglichen Freifunk-Netzes kooperiert die EWV mit der Freifunk-Community Aachen, die zum Verein Freifunk Rheinland gehört. Die Freifunk-Community kümmert sich schon seit dem Startschuss der Idee vor wenigen Jahren darum, dass der freie Internetzugang mehr und mehr zum Standard wird.

Die Initiative wird auch explizit unterstützt von der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Sie fördert den Ausbau und die Fortentwicklung lokaler Zugangspunkte durch Privatpersonen bzw. die Freifunk-Initiative, um das digitale bürgerschaftliche Engagement zu fördern.

Neu ist, dass ein Energieversorger neben Gas, Strom und Wasser nun auch kostenfreies WLAN bereitstellt. Schon bald wird sich jeder mit seinem Smartphone oder Tablet in der Stolberger Innenstadt kostenlos ins Internet einwählen können. Der Startschuss zu dem Projekt soll am Mittwoch, 22. Juni, erfolgen, verrät Unternehmenssprecherin Yvonne Rollesbroich. Naheliegend für die EWV ist, am Kundenzentrum und Verwaltungssitz am Willy-Brandt-Platz in Oberstolberg zu starten. „Aber wir bieten das Ganze nicht nur rund um die eigenen Gebäude an“, klärt Schröder auf. Die weitere Umsetzung erfolgt mit Hilfe der bestehenden großen Infrastruktur der EWV.

Derzeit werden die begehbaren Verteilstationen für Gas, Strom und Wasser in der Stolberger Innenstadt auf ihre technische Nutzbarkeit hin geprüft. Vor allem die größeren, belebten Plätze stehen dabei im Fokus, sagt Schröder. Falls alle Voraussetzungen stimmen, werden diese ebenfalls mit dem kostenlosen Internetzugang ausgerüstet. Alleine im Kern der Innenstadt können 22 unterschiedliche Stationen genutzt werden.

„Wir untersuchen aber nicht nur den Einsatz von Routern und Repeatern, sondern überlegen auch die Möglichkeiten des Richtfunks zu nutzen“, erklärt Dr. Christoph Herzog. Immerhin verfügen die EWV und ihre Tochtergesellschaften noch über einen eigenen Betriebsfunk – „eigentlich nur noch für den Notfall“, so der für Technik und Planung zuständige Abteilungsleiter, „aber auch für dieses Projekt nutzbar“.

Richtfunk wird untersucht

Die Spezialisten untersuchen nun, mit welcher Technik an welchem Platz die möglichst optimale Abdeckung der Innenstadt mit dem kostenfreien WLAN-Angebot zu gewährleisten ist. Wichtig ist außerdem, welche Bandbreiten wo von den Kommunikationsanbietern vorgehalten werden. Denn falls in der jeweiligen EWV-Station noch nicht vorhanden, wird nun einmal ein Telefonanschluss benötigt.

Die Überlegungen zum „free Wifi“ reichen länger zurück als die Entscheidung der Bundesregierung, die Hürden der Störerhaftung deutlich zu senken.

Wer beim Freifunk-System mitmachen will, kauft einen Freifunk-Router, stöpselt ihn in eine Steckdose und schließt sie an den Router seines Hausnetzes an. Das ausgestrahlte Freifunk-WLAN ist für jedermann kostenlos nutzbar – ohne Zugangs-Code, Zeitlimit oder Volumenbeschränkung. Der Datenverkehr fließt über eine getrennte sogenannte Tunnelverbindung, einen komplett vom Hausanschluss getrennten Kanal mit eigener IP-Adresse. So kommt man aus der Störerhaftung heraus. Offizieller Anbieter dieses Anschlusses ist der eingetragene Verein Freifunk Rheinland. Und der wird von der EWV fortan auch als Mitglied unterstützt mit einem geringen Jahresbeitrag pro Router.

„Dass die Wahl auf die Freifunk-Community gefallen ist, hat mehrere überzeugende Gründe“, erläutert Schröder. Die Freifunker sind als unpolitische Gruppierung mit Vereinsstruktur anerkannt, die sich für ein flächendeckendes, kostenlos verfügbares Internet stark macht.

Und sobald die Kupferstadt als Pilotprojekt mit dem kostenfreien WLAN in der Innenstadt versorgt ist, will die EWV das Projekt über die Stolberger Grenze hinaus in die Eigentümer-Kommunen tragen: „Wir prüfen in weiteren Städten wie zum Beispiel Eschweiler, Alsdorf und Baesweiler, ob und wie wir hier das Freifunknetz ausbauen können“, kündigt der EWV-Geschäftsführer selbstbewusst an: „Wir liefern nicht nur Energie und Lösungen für elektrische Mobilität, sondern sorgen so nun auch für die elektronische Mobilität in unserer Region.“

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert