Stolberger Hoteliers nutzen Reform zu Investitionen

Von: Juliane Kern
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Spielraum für Investitionen: Durch die Mehrwertsteuersenkung ziehen manche Stolberger Hoteliers Investitionen vor. Monika Lück und ihr Sohn Sebastian lassen die Zimmer des City-Hotels am Kaiserplatz modernisieren. Handwerker Detlef Vroomen bringt die neue Holzvertäfelung an. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Wohl kaum eine Reform der schwarz-gelben Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen so viele Diskussionen ausgelöst wie die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen von 19 auf sieben Prozent.

Kritiker monierten eine einseitige Bevorzugung des Hotel-Gewerbes, hohe Kosten für die Allgemeinheit und nach dem Bekanntwerden der Millionenspende eines Branchenvertreters an die FDP den unlauteren Einfluss auf die Politik.

In Stolberg ärgert sich Dirk Stock, Inhaber des Romantik Parkhotels am Hammerberg, über die negativen Schlagzeilen, die das neue Gesetz seit seiner Einführung vor fünf Wochen schreibt. „Von 27 EU-Ländern haben 20 den ermäßigten Steuersatz. Das Gesetz hat nur für eine längst überfällige Wettbewerbsangleichung gesorgt”, sagt Stock.

So hätten vor allem im Advent, wenn ganze Busse voll englischer und französischer Gäste zum Weihnachtsmarkt nach Aachen kämen, Hotels in Deutschland den Kürzeren gezogen. „Die Besucher haben dann in den Niederlanden oder Belgien übernachtet, weil die Übernachtung dort günstiger war.”

Auch wenn einige andere Stolberger Hotels den Trend des am Dienstag veröffentlichten Hotelpreis-Barometers bestätigten, dass die Übernachtungspreise im Januar sogar höher lagen als im Durchschnitt des 4. Quartals 2009 - Dirk Stock hat ein Drittel der Ersparnis an die Kunden weitergegeben. „Außerdem plane ich, ganz im Sinne des Gesetzes, Investitionen.”

So wollen die Eheleute Stock die Terrasse des Hotels schon in diesem Jahr bestuhlen und nicht, wie ursprünglich geplant, erst 2012. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die schlechte Auftragslage aus 2009 nicht fortsetze. Durch die Wirtschaftskrise seien die Geschäftsreisen damals um zehn Prozent eingebrochen, und das Defizit konnte auch durch das leichte Plus bei den Individualreisen nicht mehr ausgeglichen werden. So habe er sich 2009 auch von zwei Zimmermädchen trennen müssen.

„Und eine Azubi, die ich eigentlich übernehmen wollte, konnte ich dann doch nicht weiterbeschäftigen.” Von der Steuerersparnis erhofft sich Stock, dessen Betrieb neun Stellen umfasst, jetzt Luft für die Neueinstellung eines Auszubildenden im Herbst. Zudem werde das Personal des Betriebes verstärkt geschult und qualifiziert.

Für Melanie Bungenberg, eine der Eigentümerinnen des Hotels zum Walde, fing die Umstellung auf den neuen Mehrwertsteuersatz schon mit einer Investion an: „Wir brauchten zur Erfassung der verschiedenen Mehrwertsteuersätze ein neues Computersystem. Damit sind wir dann erst mal in Vorleistung gegangen.”

Es sind die komplizierten „Ausführungsbestimmungen”, die NRW-Vize-Regierungschef Andreas Pinkwart (FDP) am Wochenende als „bürokratisches Monster” bezeichnete und die auch Stolberger Hoteliers verägern. So musste Dirk Stock erstmal eine Reihe Rechnungen für Geschäftskunden neu und doppelt ausstellen. Schließlich werde das Frühstück, das nach wie vor mit dem höheren Satz von 19 Prozent besteuert werde, von vielen Firmen nicht als Reisekosten akzeptiert.

„Der Effekt verpufft”

„Das ist eine Heidenbucherei”, bestätigt Stefan Gogic, Inhaber des Hotels Vichter Landhaus. Anders als Stock und Bungenberg, die schon vor Inkraftreten der Reform neue günstigere Zimmerkategorien eingeführt hat, sieht Gogic keinen Spielraum für Preisreduzierungen. Zuletzt vor fünf Jahren habe man die Preise erhöht, der Spar-Effekt des reduzierten Mehrwertsteuersatzes verpuffe durch Preiserhöhungen von GEZ und GEMA sofort wieder.

Zumindest aber hofft Gogic seinen Personalstand zu stabilisieren oder sogar leicht auszubauen. „Ein bis zwei Aushilfsjobs oder eine Vollzeitstelle könnten möglich sein.” Zwar seien vor allem die ersten Monate des vergangenen Jahres sehr schwierig gewesen, jetzt blickt Gogic aber optimistisch in die Zukunft.

Und das tut auch Melanie Bungenberg. Nachdem sie in den vergangenen Jahren frei werdende Stellen zum Teil nicht neu besetzen konnte und lang geplante Investitionen wieder aufschieben musste, ist sie jetzt zuversichtlich.

Investionen will auch Sebastian Lück, Juniorchef im City Hotel, tätigen. „Wir nutzen die Entlastung, um Zimmer zu renovieren und ein neues Bistro einzurichten”, erklärt Lück. An die Kunden werde die Ersparnis aber nicht weitergegeben: „Wir haben das Hotel erst vor zwei Jahren übernommen, und seitdem sind die Preise stabil.”
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