Stolberger Historiker schlagen bei Propagandaschrift zu

Von: Laura Beemelmanns
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Thomas Meirich ist stellvertretender Leiter der Stadtbücherei Stolberg. Er hat „Mein Kampf“ bislang noch nicht auf die Bestellliste gesetzt. Foto: L. Beemelmanns, dpa
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Thomas Meirich ist stellvertretender Leiter der Stadtbücherei Stolberg. Er hat „Mein Kampf“ bislang noch nicht auf die Bestellliste gesetzt. Foto: L. Beemelmanns, dpa

Stolberg. Nur kurze Zeit nach dem Verkaufsstart der kommentierten Neuauflage von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ sind die ersten 4000 gedruckten Exemplare vergriffen und werden mitunter zu hohen Preisen auf Verkaufsplattformen im Internet angeboten. 15.000 Vorbestellungen vermeldete der deutsche Buchhandel.

Seit dem 8. Januar stehen sie zudem auch in den Regalen der regionalen Buchhandlungen. Und auch in Stolberg wurden schon einige Exemplare verkauft.

Keine rechte Szene

Herausgegeben wird das Buch vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München. Das schreibt auf seiner Webseite: „Am 31. Dezember 2015, 70 Jahre nach Hitlers Todesjahr, sind die Urheberrechte an dessen Buch ,Mein Kampf‘ erloschen.

Das Institut für Zeitgeschichte hat es sich zum Ziel gesetzt, unmittelbar nach Ablauf dieser Frist eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe vorzulegen.“ Dies schreiben sie, da es zum Teil auch kritische Stimmen zu der Veröffentlichung der Propagandaschrift Hitlers gibt.

Thomas Meirich, stellvertretender Leiter der Stadtbücherei Stolberg, hat „Mein Kampf“ daher bislang noch nicht einmal auf seine Bestellliste gesetzt. Und er hadert auch mit dieser Entscheidung. „Ich sehe das kritisch und weiß noch nicht, ob ich es bestellen möchte“, sagt er.

Sollten Kunden den Wunsch äußern, das Buch auszuleihen, dann werde Meirich überlegen, ob er die Ausgabe deswegen kaufen werde. „Ich werde zunächst aber abwarten, wie häufig danach gefragt wird“, sagt er. Bislang habe sich diesbezüglich noch niemand bei ihm gemeldet.

In der Bücherstube am Rathaus sieht es etwas anders aus. Dort wurden schon einige wenige der Bücher verkauft. „Die Kunden, die es bestellt haben, kennen wir alle. Es waren historisch interessierte Leser, Historiker und auch ein Lehrer“, sagt Bettina Krüpe von der Bücherstube.

Auch sie habe sich zuvor Gedanken über das Klientel gemacht, das „Mein Kampf“ erwerben würde. „Es war niemand aus der rechten Szene dabei. Wer aus dieser Ecke kommt, der kauft es nicht bei uns, sondern vermutlich eher online“, fügt sie hinzu.

Selbst gelesen haben sie und auch Thomas Meirich das Buch noch nicht. Bettina Krüpe habe jedoch mal reingeschaut. „Ein großer Bestandteil ist die Kommentierung. Und ich persönlich kann mit einer kommentieren Version leben.“ Ob sie es auch selbst einmal lesen wird, das weiß sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. „Das ist ein Schinken, den tut sich auch nicht jeder an.“

Da der Verlag zurzeit Lieferschwierigkeiten hat, steht „Mein Kampf“ aktuell nicht im Regal der Bücherstube. „Es ist bestellt und man kann sich bei uns vormerken lassen“, sagt Krüpe. Und in diese Liste haben sich auch schon einige interessierte Stolberger Leser eingetragen.

Vertiefung und Beratung

Für Stadtarchivar und Historiker Christian Altena ist das Erwerben des Buches sekundär, da die Fokussierung der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit auf der lokalen Geschichte liege.

„Grundsätzlich wäre das Werk für die historische Bildungsarbeit interessant, aber bisher besteht in dieser Thematik hier keine Nachfrage, kein Ansatz und ganz banal auch kein Budget für Buchbeschaffung“, sagt Altena.

„Das Archiv dient momentan in Hinblick auf Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen eher als Vertiefungs- und Beratungsstelle und würde Grundlagenarbeit beispielsweise an Originalliteratur wie ‚Mein Kampf‘ den Schulen und Lehrkräften überlassen“, fügt er hinzu.

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