Stolberg - Stolberger Hauptbahnhof als „Euregio Railport“

Stolberger Hauptbahnhof als „Euregio Railport“

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Über ausgedehnte Gleisanlagen verfügt der Stolberger Hauptbahnhof immer noch. Allerdings muss für den Umschlag in die veraltete Infrastruktur und in die Verbesserung der Verkehrsanbindung investiert werden. Foto: J. Lange

Stolberg. „Das Potenzial ist nennenswert“, sagt Monika Frohn. Nicht nur das steigende Güteraufkommen in der Region, sondern auch die von den Nordseehäfen durch die Region ins Binnenland transportierten Waren sollen genutzt werden, um den Stolberger Hauptbahnhof als „Euregio Railport“ und den 2030 auslaufende Kraftwerksstandort Weisweiler als „Industriedrehkreuz“ für die Logistikbranche zu etablieren.

Über 1,5 Millionen Tonnen – in erster Linie Schüttgut, Halbzeugprodukte und Rohstoffe – werden bereits heute im Hauptbahnhof umgeschlagen, erklärt die Gruppenleiterin International, Verkehr und Handel bei der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK). Für 2015 registrierte die IHK für die Region ein Aufkommen von insgesamt 105.194.922 Tonnen nicht containerbare Güter, „Davon lassen sich 50 Prozent logistisch behandeln“, so Frohn.

Terminal für Nordsee-Häfen

Damit gemeint ist weniger der Transport, denn mehr eine Weiterverarbeitung, Konfektionierung und Veredelung. Fachleute sprechen von „Logistik in dienender Funktion“ als „Katalysator für die Wertschöpfung“.

Ebenfalls für 2015 benennet die IHK ein Aufkommen von 439.000 TEU containerbare Güter. Dabei steht TEU für „Twenty-foot Equivalent Unit“, also für einen Standardcontainer mit einer Länge von 20 Fuß (rund 6,1 Meter). Wie vielen Tonnen oder welchem Warenwert das entspricht, kann nicht gesagt werden. Wohl aber, dass die Experten erwarten, dass das Aufkommen auf 600.000 TEU bis 2030 ansteigt. Ein Umschlag der Container erfolgt aber mangels geeigneter Anlagen außerhalb der Region.

Hier kommen nun der „Euregio Railport“ Stolberg und das Industriedrehkreuz Weisweiler ins Spiel. Sie sollen so ausgebaut werden, dass der Umschlag und die Veredelung nicht nur dieser Güter in der Region erfolgen kann, sondern sie sollen zukünftig auch als Hinterland-Terminal der Nordseehäfen fungieren.

Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam, die sogenannten ZARA-Häfen haben die Wirtschaftsförderer ins Auge gefasst. Laut der aktuellen ZARA-Studie, die die sieben rheinländischen IHK in Auftrag gegeben hat, erwarten alleine schon die Häfen Rotterdam und Antwerpen für das Jahr 2030 einen „deutschland-relevanten Güterumschlag von rund 260 Millionen Tonnen – ein Mengenzuwachs um 47 Prozent im Vergleich zu 2010“, sagt Aachens IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer.

Die Kammern fordern von der Bundesregierung nicht nur signifikante Investitionen in die Verkehrsadern ein, sondern auch die Bereitstellung von Flächen an den Hauptverkehrsachsen und -knotenpunkten als Standorte für Industrie und Logistik.

Entsprechend unterstützt die IHK das von der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) zur weiteren Qualifizierung ausgewählte Projekt „Euregio Railport“ Stolberg und Industriedrehkreuz Weisweiler. Einstimmig beschloss der Stadtrat, sich an dem angestrebten Masterplan zu beteiligen, mit dem Perspektiven und Voraussetzungen für die beiden Projekte aufgezeigt werden sollen.

Das unter der Beteiligung relevanter Akteure in einem Workshop-Prozess zu erarbeitende Nutzungskonzept ist mit 500.000 Euro angesetzt. Mit 400.000 Euro beteiligt sich das Land; die übrigen Kosten werden von der RWE Power AG, der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH, der Industrie- und Handelskammer, der Indeland GmbH, den Kommunen Stolberg, Eschweiler, Inden, der Städteregion und dem Kreis Düren getragen. Der Anteil der Kupferstadt wird voraussichtlich 10.000 Euro betragen. Der Kosten für die Modernisierung und Optimierung von Schienen-, Verlade- und Straßeninfrastruktur werden ohne den Anteil der privaten Investitionen auf 200 Millionen Euro geschätzt.

Dem Stolberger Hauptbahnhof kommt dabei aus Sicht von Bürgermeister Tim Grüttemeier eine entscheidende Bedeutung bei. Er liegt an der Hauptstrecke zwischen dem Rhein und den ZARA-Häfen. Trotz des Rückbaus von Gleisen in früheren Zeitenverfügt er heute noch in mehreren Bezirken ein 20 Kilometer langes Gleisnetz, das von Ganzzügen genutzt werden kann.

Die EVS verfügt in der Region über rund 100 Kilometer Gleise, 31 davon in Bahnhöfen, die zudem als weiteren großen Gewerbestandort Merzbrück mit weiteren 60 Hektar Entwicklungspotenzial erschließt. Insgesamt weist der Stolberger Standort rund 100 Hektar Fläche in unterschiedlichen Modulen mit vielfach untergenutzten oder brachen (Altlast-)Flächen auf, die im Sinne eines sparsamen Umgangs mit Boden reaktiviert werden können.

Bis 2018 sollen bereits die Grundlagen aufgezeigt werden. Die Entwicklung der Infrastruktur soll bis 2025 realisiert sein.

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