Stolberg - Stolberger Grüne: Mario Wissel legt Ratsmandat nieder

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Stolberger Grüne: Mario Wissel legt Ratsmandat nieder

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Dem Sturm folgt die Stille. Doch der politische Flurschaden bei den Stolberger Grünen ist offenkundig. Fraktionsvorsitzender Mario Wissel erklärte am Dienstag gegenüber unserer Zeitung, sein Amt und sein Ratsmandat niederzulegen.

Vorangegangen war eine Sitzung, bei der die unterschiedlichen Ansichten innerhalb der Fraktion so hart aufeinander prallten, dass Wissel „keine Möglichkeit der Zusammenarbeit” mehr sieht.

Eigentlich hatte der Montag durchaus fruchtbar für die Grünen begonnen. Gespräche mit der CDU über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit wurden von allen Seiten als „gut und konstruktiv” bewertet. Es sei der Eindruck entstanden, dass die Grünen mit den Christdemokraten eine Konsolidierungspolitik gestalten könnten, die mit der SPD nicht möglich gewesen sei. Dass die Sondierungsgespräche nicht in konkrete Verhandlungen mündeten lag auch aus grüner Sicht an den Unberechenbarkeiten einer Ein-Stimmen-Mehrheit im Rat.

Doch die Verhandlungskommission der Grünen mit Vorstandssprecher Volker Gutzeit sowie dem Fraktionsvorstand mit Mario Wissel und Uschi Küpper kam in der folgenden Fraktionssitzung erst gar nicht dazu, über Inhalte der Kontakte mit der CDU zu berichten. Die Aufarbeitung der Aufkündigung der Koalition mit der SPD förderte das Zerwürfnis in den eigenen Reihen zutage.

Dabei sei „der Tonfall und der Umgang miteinander nicht zu rechtfertigen” gewesen, sagt Wissel. Zwei Mitglieder hätten dabei den Stil der Debatte derart unsachlich verschärft, dass er die Konsequenz zum Rücktritt gezogen habe. Für den 41-Jährigen war dieser Abend der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit einigen Wochen sei seine Entscheidung zur Aufgabe des Fraktionsvorsitzes gereift, den er erst im September übernommen hatte.

Dass er nun auch das Mandat niederlege, liege an „polemischen Angriffen, die mit sachlicher Politik nichts mehr zu tun haben und eine weitere Zusammenarbeit mit einigen Personen unmöglich” mache. „Aber es ist eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist”, betonte Wissel.

Gescheitert sei damit auch der seit drei Jahren währende Versuch, Ruhe und Geschlossenheit in die Reihen der Stolberger Grünen zu bringen. Dies sei in der neuen Rolle als Opposition wichtiger denn je.

Zu keiner Stellungnahme bereit war die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Uschi Küpper. Auch die 3. stellvertretende Bürgermeisterin Katharina Krings wollte zu den Ereignissen in der Fraktion keine weiteren Erklärungen abgeben - bis auf den Umstand, dass einige Mitglieder „nicht fähig sind, sich sachlich auseinanderzusetzen und dann aufbrausend werden”, so die Ratsdame.

„Das Ergebnis und die Ereignisse erst einmal sacken lassen”, möchte Vorstandssprecher Volker Gutzeit - und das Gespräch suchen, wie die Zukunft und die Rolle der Stolberger Grünen weiter zu gestalten ist.

In den Stadtrat für Mario Wissel nachrücken dürfte nach der Reserveliste der Grünen das frühere Ratsmitglied Karin Hirtz (Platz 5); auf den weiteren Plätzen folgen dort der ehemalige Fraktionsvorsitzende Dr. Franz-Josef Ingermann (6), die ehemalige Fraktionsvorsitzende Marita Stahl (7) sowie das ehemalige Vorstandsmitglied Anne Schwan-Hardt (8).

Mario Wissel war im Oktober 2010 für den erkrankten Heinrich Willms von der Reserveliste in den Rat nachgerückt und hatte im September den Fraktionsvorsitz von Uschi Küpper übernommen; Küpper stand nach einer einjährigen Amtszeit für eine Wiederwahl aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung und ist seitdem stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Wissel ist seit 2004 Mitglied der Grünen und engagierte sich von 2005 bis 2006 sowie von 2010 Juni 2011 im Parteivorstand. Die 49-jährige Karin Hirtz ist seit 2000 Mitglied der Grünen und saß bereits von 2004 bis 2009 im Stadtrat.

Einen personellen Aderlass beklagte der Ortsverband der Grünen zuletzt im Mai 2011 als Elmar Wilhelmy und seine Tochter Janina Wilhelmy aus dem Vorstand zurücktraten, dem auch Mario Wissel und Marita Stahl angehörten.

In seinem Rechenschaftsbericht hatte Wissel im Juni beklagt, dass es dem Vorstand nicht gelungen sei, die personellen Gräben in der Partei zu schließen. Mit Dina Graetz, Volker Gutzeit und Hubert Simons wurde ein neuer Parteivorstand gewählt. Bereits bei den Wahlen im April 2010 hatten die Grünen den Vorstand mit Käthe Krings, Anne Schwan-Hardt und Elmar Wilhelmy abgewählt.
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