Stolberg - Stolberger Gnadenhof: Lebensabend für alte und kranke Tiere

Stolberger Gnadenhof: Lebensabend für alte und kranke Tiere

Letzte Aktualisierung:
15275107.jpg
Auf dem Gnadenhof bereiten die Jubiläumsfeier vor: Willi und Gitta Geis, Michaela Metzen, Tatjana Büscher und Thorsten Kok (von links). Foto: Gnadenhof

Stolberg. Auf dem Gelände des Stolberger Gnadenhofs ist an diesem Morgen einiges los, denn: „Claudius“ ist ausgebüxt. Kurzerhand formiert sich ein kleiner Suchtrupp und macht sich auf den Weg, das verloren gegangene Schaf wieder einzufangen. Aber Claudius ist nicht weit gekommen, Mitarbeiter Thorsten Kok hat das Tier hinter einer Böschung ausgemacht.

Und den Lockrufen von Michaela Metzen, die sicherheitshalber ein paar Leckerlies eingepackt hat, kann Claudius dann auch nicht widerstehen. „Situationen wie diese kommen eben ab und zu vor“, sagt Tatjana Büscher, Vorsitzende des Tierschutzvereins Kreis Aachen, zu dem der Gnadenhof gehört. „Einmal haben wir ein Schaf zwei Stunden lang suchen müssen, das hatte sich in der hintersten Ecke verkrochen.“

Sich rar machen

Tatsächlich gäbe es auf dem rund 55.000 Quadratmeter großen, idyllisch in einem Wäldchen gelegenen Gelände genügend Möglichkeiten, sich rar zu machen. Und so manchem tierischen Bewohner könnte man es wahrlich nicht verdenken, wenn er die Gesellschaft der Menschen lieber meiden wollte.

Da ist zum Beispiel „Kronprinz“, ein Pony, das hier schon seit 20 Jahren zu Hause ist. Genauso lange, wie der Hof mittlerweile existiert. „Ihn haben wir damals aus ganz schlechter Haltung bekommen“, erzählt Gitta Geis. „Und er hat bis heute kein Vertrauen zu Menschen gefunden, da geht er meistens weg.“ So wie Kronprinz ist es den meisten Tieren hier ergangen, mit der Spezies Homo Sapiens haben sie in ihrem Leben nicht die besten Erfahrungen gemacht.

„Ich kann mich an Tiere erinnern, die so abgemagert waren, dass man jede Rippe einzeln zählen konnte“, so die Vereinsvorsitzende. Manchmal seien sie auch direkt von der Schlachtbank gerettet worden. Wer dann über diese Umwege auf den Gnadenhof gelangt, hat Glück gehabt. Denn alten und kranken Tieren, die niemand mehr haben will, einen schönen Lebensabend bereiten – das ist Sinn und Zweck der Einrichtung.

An neue Halter vermittelt werden die Tiere nicht mehr, sie sollen den letzten Abschnitt ihres Lebens so lange wie möglich genießen können und ihre Ruhe haben. Finanziert wird der Gnadenhof mithilfe von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Patenschaften. „Aktuell haben wir rund 120 Mitglieder und etwas mehr als 40 Paten, wobei Mitglieder und Paten manchmal auch ein- und dieselbe Person sind. Ab und zu werden Veranstaltungen zu unseren Gunsten abgehalten“, erzählt Büscher. „Auch gehen hin und wieder größere Spenden von tierlieben Menschen ein.“

Aktuell nennen den Gnadenhof acht Schafe, sieben Ponys und Großpferde, ein Esel, eine Ziege, eine Katze und ein Hängebauchschwein ihr Zuhause. Zu tun gibt es also genug: jeden Morgen und jeden Nachmittag kümmern sich ehrenamtliche Helfer, Ein-Euro-Jobber und Minijobber um das Wohlergehen der Tiere, misten die Ställe, füttern und dosieren die Medikamente. Das Gelände will natürlich auch noch gepflegt werden. Zäune ausbessern, Rasenmähen und Unkraut bearbeiten – all das kommt zum Umgang mit den Tieren dazu.

Dabei liegen Freude und Leid sehr eng beieinander. „Die Arbeit ist schön und traurig zugleich“, beschreibt Tatjana Büscher das Arbeitsleben auf dem Hof. „Es ist leider so, dass das Sterben hier dazugehört. Allerdings hat man die Gewissheit, dass man diesen Tieren noch ein paar gute Jahre bereitet hat. Wenn man sich vor Augen hält, was man alles geleistet hat, kann man sich damit emotional über Wasser halten.“ Nun liegt der Verdacht nahe, dass auf dem Gnadenhof eine traurige Atmosphäre herrscht. Aber das ist grundfalsch. Wer die Tiere bei ihrem Streifzug über das Gelände beobachtet, kommt schnell zu dem Schluss, dass es ihnen hier richtig gut geht.

So gut, dass sogar Freundschaften entstanden sind. Esel Joe und Stute Arranca sind ein unschlagbares Team und verbringen den Tag am liebsten gemeinsam auf der etwas höher gelegenen Lichtung im Wald. Auch zwischen Ziegenomi Flack und Schimmelstute Delana passt kein Blatt Papier. Davon können sich Besucher am 10. September von 11 bis 17 Uhr selbst ein Bild machen, wenn der Gnadenhof sein Doppel-Jubiläum feiert: Zum 20-jährigen Bestehen wird das 10. Sommerfest gefeiert. Mit Führungen über das Gelände.

Parkplätze stehen in der Eisenbahnstraße oder im Gewerbegebiet Hamm-Mühle zur Verfügung, der kurze Fußweg zur Spinnereistraße ist ausgeschildert. Es gibt Informationsstände, ein Glücksrad, eine Kuchentheke und viele andere Köstlichkeiten. Die Tiere sind auf alle Fälle sichtbar, allerdings in einem abgezäunten Bereich untergebracht. Wenn Claudius sich denn diesmal daran hält.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert