Stolberger Glasmacherei: Von Likörhunden und Parfümflaschen

Von: Toni Dörflinger
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Örtliche Glasprodukte von Seltenheitswert: Referent Dr. Ulrich Glasneck (l.) und Museumsleiter Professor Dr. Roland Fuchs stellten im Museum Torburg einst in Stolberg hergestellte Gläser, Vasen und Flaschen vor. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Was ist ein Likörhund? Ganz einfach. Ein kleiner, hundeähnlicher Hohlkörper aus Glas, der früher von Kupferstädter Glasmachern hergestellt wurde und sich zum Ausschenken und Aufbewahren von Spirituosen eignete. Präsentiert wurde dieses fragile Gebilde – allerdings nur als Foto – jetzt von Dr. Ulrich Glasneck im Museum an der Torburg.

Denn dort hatte sich Glasneck im Auftrag des Museumsvereines dem Thema „Glasindustrie in Stolberg“ gewidmet. Neben dem Foto – das repräsentativ für die vielfältige und umfangreiche Produktpalette der im 19. Jahrhundert zahlreichen Glashütten stand – zeigte der Experte auch Trinkgläser, Parfümflaschen und Glaskaraffen in Originalform, die ebenfalls einst im unteren Vichttal produziert wurden. Aber Glasneck stellte den rund 30 Besuchern nicht nur aussagekräftige Produkte vor, sondern informierte auch über die Standorte und Bauten der einstigen Glashütten Johannis, Jordan und Schneidmühle, die seinerzeit in Oberstolberg, Mühle und der Atsch errichtet worden waren. Dafür nutzte Glasneck eine Power-Point-Präsentation, die er mit zahlreichen Fotos und Texten bestückt hatte.

Gehaltvoll und ausdrucksstark waren dabei die Bilder, die Ulrich Glasneck, der Mitgründer des 1983 entstandenen Torburgmuseums, der vormaligen, an der Zweifaller Straße gelegenen Johannishütte gewidmet hatte: Deren Überbleibsel mussten 2007 dem Bau des Einkaufscenters „Kaufland“ weichen. Schließlich zeigten die Grundrisspläne und Gebäudezeichnungen die genaue Lage des weitläufigen Areals, das ehemals eine bedeutende Stellung in der örtlichen Glasindustrie eingenommen hatte.

Forschungslücken geschlossen

Den Zuhören gefiel der spannende und fundierte Vortrag, der von Glasneck sauber recherchiert, Lust auf weitere Informationen machte. Dabei wurden auch Forschungslücken geschlossen. Denn der Experte präsentierte historische Bilder und Zeichnungen, die in dieser Form vermutlich noch niemals zuvor im öffentlichen Raum gezeigt worden sind.

Dazu gehörten auch die Trinkgläser und Flaschen, die Glasneck im Internet erstanden hat. „Deren Inschriften stellen einwandfrei unter Beweis, dass sie vor längerer Zeit in einer der zwölf früher in Stolberg beheimaten Glashütten hergestellt wurden“, sagte Ulrich Glasneck, der zur Untermauerung seiner Aussage, die kostbaren Produkte durch die Reihen der Zuhörer gehen ließ.

Seinen einstündigen Vortrag, der eindrucksvoll den aktuellen Stand der Forschung wiedergab, schloss der Experte mit der Beantwortung von Fragen, die sich überwiegend um die Themen Kennzeichnung und noch vorhandene Relikte und Artefakte der örtlichen Glasindustrie drehten.

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