Stolberger Generalanzeiger: „Hebung des hiesigen Geschäftsstandes“

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Im November 1897, genau vor 120 Jahren, gab es die Erstausgabe des „Stolberger Generalanzeigers“. Foto: Stadtarchiv

Stolberg. „An die verehrten Einwohner Stolbergs und Umgegend!“ – mit diesen Worten eröffnete Peter Kogel im November 1897, genau vor 120 Jahren, die Erstausgabe des „Stolberger Generalanzeigers“.

Auf starken Wunsch der Stolberger Geschäftswelt sollte ein einheitliches, lokales Anzeigenblatt geschaffen werden, zum Zwecke der „Hebung des hiesigen Geschäftsstandes“. Und gegen das „noch immer stark vorherrschende Vorurtheil, als wenn es [das Stolberger Publikum] auswärts billiger einkaufen könne“.

Der Herausgeber machte auf den Umstand aufmerksam, dass Stolberg in der kuriosen Situation wäre, dass der Zeitungs- und damit der Anzeigenmarkt von regionalen und überregionalen Anbietern dominiert sei, zum Nachteil der Geschäftswelt.

Besonders stark trat man nun mit dem Eschweiler „Boten an der Inde“ in Konkurrenz. Mit der kostenlosen Verteilung u. a. in Atsch, Donnerberg, Dorff, Büsbach, Breinig, Gressenich, Mausbach, Münsterbusch, Venwegen, Vicht und Zweifall positionierte man sich selbstbewusst und gab dem Stolberger Raum etwas von der Zentralität, die ihm in seiner Jahrhunderte alten Zersplitterung lange fehlte.

Keiner der genannten Orte gehörte 1897 zur Stadt Stolberg. Aber Jahre vor ihrer Eingemeindung bildeten sie schon ein lockeres Ganzes, das der Geschäftswelt nun auch erschlossen werden sollte. Grafisch aufwändige und bebilderte Anzeigen priesen vor allem die Angebote der Geschäfte der Innenstadt an, die teils über viele Jahre in Stolberg prägend waren. Aber auch Veranstaltungshinweise von Vereinen und Kleininserate buhlten um Aufmerksamkeit der Leser.

Und dass der erste redaktionelle Textbeitrag „Die Stadt Stolberg und ihre Industrie“ benannt war, ist ja in der alten Kupferstadt schon fast selbstverständlich. Nicht wehmütig blickte man zurück, beschreibt der Autor doch eine „Dunst- und Qualm-Schicht“ als Industrie-Folge, die die Sonne nur „braungelb durch das Qualmgewölk in die Straßen der Stadt“ gelangen ließ. Die giftige Luft „fraß an den Wäldern und zerstörte sie“, „die Höhen verloren ihren grünen Laubmantel“.

Die Inhalte

Inhalte einer anderen Zeit sind auch angekündigte Festivitäten von Kriegervereinen oder zu Kaisergeburtstagen, die Suche von Dienstmädchen, „am liebsten vom Lande“ oder der Verkauf von Schweizerziegen von privat in der Rathausstraße.

„Eine kleine Wohnung an stille Leute zu vermiethen“ ist heute noch Normalität, während die Gesuche von „Kegeljungen“ oder „Zughunden“ völlig außer Mode sind. Den „Stolberger Generalanzeiger“ gibt es seit vielen Jahren nicht mehr. Und das Stadtarchiv besitzt leider nur eine begrenzte Anzahl an Exemplaren. Aber Nachfolgeblätter wie die „Brücke“ oder der „Burgkurier“ waren an seine Stelle getreten.

Und das Konzept und Verteilungsgebiet der kostenlosen Werbeblätter hat sich seit 120 Jahren praktisch nicht verändert, ist es doch längst das offizielle Stadtgebiet der Kupferstadt.

Gesammelt werden Stolberger Zeitungen natürlich bis zur aktuellsten Ausgabe. Den ab Dezember vorgestellten „Archivalien des Stadtteils XY“ des Stadtarchivs Stolberg wird je eine Anzeige aus dem entsprechenden Stadtteil aus der Ausgabe des „Stolberger Generalanzeigers“ von 1898 beigefügt, die im Jahr des 900-jährigen Stadtjubiläums 120 Jahre alt sind.

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