Stolberg - Stolberger Forst wird fein gemacht

Stolberger Forst wird fein gemacht

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Gemächlich wiegen sich die Gräser im Wind, bis Forstwirt Thomas Corsten ihnen sowie dem Ginster mit dem Freischneider zu Leibe rückt. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Er gehört zu den größten Bäumen der Welt und ist zum Beispiel hinter dem Forsthaus Roggenläger zu bewundern: der Mammutbaum Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Neuer Boden für die Parkplätze und Wege im Stadtwald: Der 20-Tonner kippt eine Ladung des Kalksteingemischs aus. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Der Orkan Kyrill zog im Januar 2007 eine Schneise der Verwüstung durch NRW. Drei Jahre später, im Februar 2010, wütete Sturmtief Xynthia über Deutschland. Beide Orkane haben viel Schaden angerichtet. Nur langsam erholt sich der Wald. Auf der etwa fünf Hektar großen Fläche oberhalb von Vicht, die einst voller Fichten war, wiegen sich die goldgelb gefärbten Gräser im Wind.

Erst auf den zweiten Blick sind die jungen Buchen zu sehen, die die Mitarbeiter des städtischen Forstes gepflanzt haben. „20.000 sind es“, sagt Freddy Kloubert so, als ob das kaum der Rede wert sei. Für den Forstwirt und seine Kollegen gehören solche Aufforstungen eben einfach mit dazu. Schade nur, dass beim Anblick dieses Stolberger „Indian Summer“ der Ginster nicht mehr leuchtend-gelb blüht.

„Von wegen“, winkt Wolfgang Fieger ab, „weg damit“, sagt der Forstwirt und lacht. Kollege Thomas Corsten lässt Taten sprechen, schmeißt den Freischneider an und mäht alles weg, was ihm in die Quere kommt.

Natürlich nicht die Buchen, denn die sollen sich ja hier entfalten. „Ginster und Birken erschweren den jungen Buchen das Wachstum. Vor allem der Ginster, wenn auch schön anzusehen, verdrängt die jungen Bäume“, erklärt Forstamt-Leiter Theo Preckel. Und so wird die „konkurrierende Flora“, so nennt der Forstamt-Leiter den Feind der Buche, in mühseliger Handarbeit entfernt.

Währenddessen wartet Forstwirtschaftsmeister Michael Schmitz am Forsthaus Roggenläger auf seinen Chef, es gibt noch einige Dinge zu besprechen. Nächste Woche geht es nämlich los mit dem Holzeinschlag, dann rückt auch der Harvester an. Diese Woche muss aber auch noch einiges erledigt werden, zum Beispiel müssen Lichtraumprofile geschnitten werden.

Das bedeutet letztlich nur, dass ein Rückschnitt erfolgt, und zwar so, dass sich Waldbesucher sicher auf den Wegen bewegen können. Darüber hinaus werden gerade die Parkplätze und Wanderwege im rund 1360 Hektar großen Stadtwald überarbeitet.

Zu seiner heutigen Größe gelangte der Stadtwald im Wesentlichen durch die kommunale Neugliederung im Jahr 1971. Ursprünglich betrug die Größe etwa 500 Hektar. Durch die Eingemeindung von Zweifall wuchs die Flächengröße um 220.

In die Jahre gekommen

Die Einbeziehung der Waldflächen bei Venwegen (Gemeinde Kornelimünster) mache einen weiteren Gewinn von 200 Hektar aus, und die Wälder der Gemeinde Gressenich ergaben weitere 440 Hektar.

Dem Fahrer eines 20-Tonners zeigt Theo Preckel, wo er das Kalkstein-Gemisch auskippen kann. Gerade machen sie Halt auf dem Wanderparkplatz Buche 19, kurz vorher waren sie in der Talsenke des Omerbachs oberhalb von Gressenich.

Fehlen nur noch die letzten Schilder des alten Wald- und Naturlehrpfades, der am Parkplatz Roggenläger beginnt. Die 20 Schilder waren dermaßen in die Jahre gekommen, dass sie nicht mehr schön anzusehen und die Texte auch nicht mehr zeitgemäß waren. „Du kannst dich ja noch gut an die harten Nachkriegsjahre erinnern“, stand auf der Tafel neben einer Rotbuche.

Deren Früchte, die Bucheckern, wurden früher vielfach genutzt. Trotz der leichten Giftigkeit (die rohen Nüsse enthalten den Wirkstoff Fagin) wurde im 19. Jahrhundert und eben in der Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Nüssen in Ölmühlen Öl gepresst, welches sowohl beim Kochen als auch als Lampenöl Verwendung fand.

In diesen Zeiten ergänzten die Bucheckern, die damals auch „Bucheln“ genannt wurden, die Nutzung des Waldes zum Zwecke der Mast. Auch zur Herstellung von Kaffee-Ersatz wurden Bucheckern ähnlich wie Eicheln verwendet. Für die Menschen in Stolberg hieß es so auch: Bucheckern sammeln, auspulen, Öl auspressen mit minimaler Ausbeute bitteren Bucheckernöls.

Auf dem aktuellen Text präsentiert sich die Rotbuche, Fagus sylvatica, im neuen Gewand, und wir lernen: „Eine unserer wichtigsten Waldbaumarten ist die Rotbuche. Da ihr Verbreitungsgebiet lediglich Mitteleuropa ist, wurde der Nationalpark Eifel insbesondere dem Erhalt der Rotbuche gewidmet. Sie ist ein robuster, Schatten ertragender Baum und gedeiht besonders gut auf reichen, kalkhaltigen Böden. Die Verwendung des Holzes ist vielseitig. Während schlechtes als Brennholz dient, findet gutes Holz Abnehmer in Schreinereien für den Möbel-, Treppen- und Parkettbau.“

Der Spaziergänger erfährt auf dem überarbeiteten Wald- und Naturlehrpfad mehr über die Robinie, die europäische Lärche, die Birke, den Bergahorn und die Douglasie, wird angeregt, den Wald mit allen Sinnen zu erleben und dem Kreislauf des Wassers zu folgen. Über Jagd und Wild erfährt er ebenso interessante Informationen wie über den Waldboden.

Den Wald und seine Funktionen lernt er kennen und wird über Wild und Straßenverkehr sowie Wohlstandsmüll und Abfälle aufgeklärt. Er liest über den häufigsten Schädling des Waldes, den Borkenkäfer und auch, wie sich der Wald ernährt. „Viele Menschen haben sich heute von der Natur entfernt und interessieren sich mehr für Technik oder moderne Kommunikation.

Wirtschaftliches Denken verdrängt die ökologische Betrachtung. Daher sind Informationen zu Wald und Natur notwendig, da diese unsere Lebensgrundlage bilden. Der Lehrpfad möchte einige Fakten aus der Natur aufzeigen und den Waldbesucher ermuntern sich mit der Natur zu befassen“, fasst der Förster den Sinn eines Wald- und Naturlehrpfades zusammen.

Zu den Besonderheiten im Stadtwald zählen gut 20 Mammutbäume. Schon von Breinig aus sieht man die mächtigen, fast 40 Meter hohen Kronen in den Himmel ragen. Der stärkste Baum steht unmittelbar am Parkplatz Roggenläger und weist in ein Meter Höhe einen Stammumfang von 5,20 Meter auf. „Die Bäume kamen vermutlich 1883 durch den Förster Banehl nach Stolberg, der auch noch andere ausländische Bäume pflanzte. Einige sind noch im Arboretum, einem alten Baumgarten, hinter dem Forsthaus zu sehen“, sagt Preckel.

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