Stolberger Förderschule: Wolfgang Röber geht in den Ruhestand

Von: Dirk Müller
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Wolfgang Röber (links) wird von Wolfgang Müllejans, Städteregion, in den Ruhestand verabschiedet (Hintergrund). Die anderen Bilder zeigen ihn als jungen Lehrer im VW Käfer, mit seiner Frau Margret, am Teambus des 1. FC Köln und als Wehrdienstleistenden. Foto: Dirk Müller/privat

Stolberg. Länger als ein Vierteljahrhundert hat er die Geschicke der LVR-Gutenberg-Schule mit Förderschwerpunkt Sprache in Stolberg geleitet – jetzt geht Wolfgang Röber in den wohlverdienten Ruhestand. Dirk Müller hat mit dem Indestädter über sein berufliches Wirken als Schulleiter, die schulische Inklusion, sein Leben im Ruhestand und „König Fußball“ gesprochen.

Wann sind Sie Schulleiter geworden?

Röber: Das war 1987, und eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache gab es zu der Zeit in unserer Region nicht. Die Schüler mussten bis Köln gefahren werden. Der Landschaftsverband Rheinland hat dann die Gutenberg-Schule zunächst in Aachen-Laurensberg eröffnet, und ich wurde Leiter. Angefangen haben wir mit einer fünften Klasse, in der zehn Schüler waren.

Heute besuchen rund 240 Schüler die Gutenberg-Schule…

Röber: Es waren auch schon 280, aber seit zwei, drei Jahren pendelt es sich bei 240 ein. Die Entwicklung liegt unter anderem darin begründet, dass in Deutschland die Differenzierung im Förderschulsystem erst in den 70er und 80er Jahren begann. Andererseits besuchten bei Gründung der Gutenberg-Schule noch viele Kinder und Jugendliche die Förderschule in Köln und sind dann sukzessive zur näheren Schule gewechselt. Hinzu kommt, dass die Diagnostik Fortschritte gemacht hat und der vorhandene Förderbedarf im Bereich Sprache deutlicher erkannt wird.

LVR-Schuldezernent Ulrich Wontorra hat die Gutenberg-Schule als „inklusives Modell“ gelobt. Wie ist das zu verstehen?

Röber: Er bezog sich darauf, dass die Gutenberg-Schule eine Durchgangsschule ist. Wenn kein Förderbedarf mehr besteht, werden die Kinder und Jugendlichen an Regelschulen zurückgeführt. Bei weiterhin bestehendem Förderbedarf machen die Schüler ihren Abschluss an der Gutenberg-Schule. Jüngst waren es 43, von denen 32 den Hauptschulabschluss gemacht haben. Elf erlangten den Realschulabschluss Mittlere Reife, sechs von ihnen mit der Befähigung, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen.

Wie stehen Sie der schulischen Inklusion gegenüber?

Röber: Grundsätzlich absolut positiv. Aber ein leichtes Unterfangen ist die Inklusion nicht, und das Gelingen wird von der finanziellen Ausstattung abhängen. Auch kann es ein Problem werden, dass manche Regelschulen für die Inklusion noch nicht aufgestellt sind. Die Gutenberg-Schule zum Beispiel ist ab der achten Klasse sehr breit auf Berufsvorbereitung ausgerichtet. Dieses System können derzeit nicht alle Regelschulen bieten.

Schafft die Inklusion künftig die Förderschulen ab?

Röber: Ich glaube nicht. Aber wie es weitergeht, weiß keiner. Wir werden sehen, welche Erfahrungen bei der Umsetzung der schulischen Inklusion gemacht werden. Und vor allem, wie der Elternwille sich entwickelt. Entscheiden viele Eltern sich für die Förderschule, weil sie meinen, dass sich dort gut um ihre Kinder gekümmert wird, bleibt die Schulform auch erhalten. Schade ist in diesem Zusammenhang allerdings die erforderliche Mindestgröße für Schulen: Eine Förderschule, die wegen zu niedriger Schülerzahl geschlossen wird, macht man so schnell nicht wieder auf. Eine Kooperation, wie sie zwischen Eschweiler und Stolberg angedacht wird, kann die bessere Alternative sein. Was die Gutenberg-Schule angeht, bin ich übrigens sehr zuversichtlich, dass sie bestehen bleiben wird.

Woher nehmen Sie die Zuversicht?

Röber: Die Gutenberg-Schule bietet optimale Bedingungen. Sehr gut ausgebildete und engagierte Pädagogen arbeiten in kleinen Klassen mit durchschnittlich elf oder zwölf Schülern, und die Konzepte sind sehr gut. In dem neuen Schulgebäude ist die Ausstattung hervorragend. Es macht einfach Spaß, hier zu arbeiten – den Lehrern wie den Schülern. Gebäude wie Gelände sind konsequent für den Ganztag konzipiert. Und der gebundene Ganztag in Kooperation mit dem Sozialdienst katholischer Frauen ist sicherlich zukunftsweisend.

Was sind die Vorteile des gebundenen Ganztags?

Röber: Zunächst hat man drei Nachmittage mehr Zeit, die Schüler individuell zu fördern und zu fordern. Und im gebundenen Ganztag gilt das für wirklich ausnahmslos alle Schüler, ohne dass die Eltern zustimmen müssen. Für die Eltern hat der gebundene im Vergleich zum offenen Ganztag den handfesten Vorteil, dass sie nicht dafür zahlen müssen.

Die Gutenberg-Schule ist mehrfach umgezogen. Wie sehr hat dies den Schulbetrieb belastet?

Röber: Gar nicht, wie man an dem größten Umzug sehen kann: Als die Schule vom Sperberweg zum Rhein-Nassau-Weg in Stolberg wechselte, haben wir zwar 800 Umzugskartons gepackt, aber bis Freitagmittag am Sperberweg unterrichtet und Montagmorgen pünktlich zur ersten Stunde im neuen Gebäude. Nicht eine Unterrichtsstunde ist ausgefallen. Der Schulbetrieb wurde also überhaupt nicht belastet, schon eher die Mitarbeiter, die aber hoch motiviert und bestens vorbereitet waren.

Mit dem Ruhestand beginnt für Sie nun das Leben nach der Schule. Wie werden Sie es gestalten?

Röber: Als erstes erwerbe ich eine Dauerkarte für das Freibad in Dürwiß. Ich habe mir vorgenommen, täglich zu schwimmen und dazu Rad zu fahren, um meine Gesundheit zu erhalten. Meine Frau und ich werden es genießen, spontane Reisen unternehmen zu können – und auch geplante. Als Fernziele haben wir uns Australien, Südafrika und Südamerika vorgenommen.

Sie waren auch lange Zeit im Fußball aktiv…

Röber: Ja, von den 80ern bis zur Mitte der 90er Jahre habe ich die Jugendabteilung der Germania Dürwiß geleitet, bevor ich 1994 zur Jugendabteilung des FC Köln gewechselt bin, wo ich bis 2005 tätig war. Im Jahr 2000 wurde ich dann zusätzlich Leiter der Seniorenabteilung bei der Germania Dürwiß. Als ich 65 wurde, habe ich das Amt niedergelegt und mich aus der Vorstandsarbeit zurückgezogen.

Sie sind ein waschechter Eschweiler, haben aber 23 Jahre lang in Stolberg gearbeitet. Kehren Sie mit dem Ruhestand der Kupferstadt nun den Rücken zu?

Röber: Bestimmt nicht. Alleine schon weil ich den Kontakt zur Gutenberg-Schule nicht abbrechen lassen möchte. Auch werde ich weiterhin Veranstaltungen in Stolberg besuchen, wie etwa die Kupferstädter Weihnachtstage. Ich habe mich in Stolberg immer wohlgefühlt, und es sind einige Kontakte entstanden, die ich weiterhin pflegen werde.

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