Stolberg will vom Ravel-Radweg profitieren

Von: Kolja Linden
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Bald ein Fahrradweg? Die SPD will den alten Vennbahnzubringer - hier in Breinig Auf der Heide - für den Radtourismus nutzen, allerdings soll hier eventuell auch bald die Euregiobahn fahren. Foto: K. Linden

Stolberg. Nein, mit dem gleichnamigen französischen Komponisten hat die Ravel-Route nichts zu tun. Man muss auch nicht so viel Puste haben, um auf dem Rad den „Bólero” zu flöten, wenn man darauf fahren will.

Denn die Steigungen der Ravel-Wege haben alle eins gemeinsam: Sie liegen immer unter drei Prozent und sind deshalb auch für untrainierte Fahrer leicht zu bewältigen.

Für Stolberger Politiker klingt der Name Ravel aber nicht nur deshalb wie Musik in den Ohren. Aufgrund ihrer hohen Qualität sind Ravel-Routen auch ein touristisches Plus, mit dem man für die Kupferstadt punkten möchte.

Und daran will man unbedingt Anschluss finden. Denn die Ravel-Route auf der Vennbahntrasse, die mit rund 180 km zwischen Aachen und Luxemburg bald zu einem der längsten Radwege Europas wird, führt zwischen Kornelimünster und Walheim in nur 600 Metern Entfernung an Breinig vorbei. Aber eben nur vorbei.

„Wir kommen uns vor wie auf einer Hallig”, beklagt SPD-Ratsfrau Andrea Liepertz ein „Insel-Dasein” Stolbergs und fordert, über Breinig an den Ravelweg angebunden zu werden. Zwar gibt es bereits ein Routennetz, das Stolberg mit der Vennbahn verknüpft, doch seien auf diesem Wege große Höhenunterschiede zu überwinden - das ist wenig attraktiv für Radtouristen.

Die ersten, die eine Verbindung zur Vennbahntrasse wollten, waren allerdings die Kollegen von der CDU. Bereits im März hatte deren Ratsfraktion beantragt, das Stolberger Radwegenetz um Verbindungsstrecken zur Vennbahntrasse zu erweitern, ein Antrag, der im April an die Verwaltung verwiesen wurde. Allerdings hatten die Christdemokraten drei Strecken im Kopf, auf denen größere Entfernungen und höhere Steigungen zu überwinden waren, nämlich über Vicht und Zweifall nach Rott und Roetgen, über die Hammstraße nach Eilendorf und Brand sowie über Büsbach nach Kornelimünster.

Alternative gesucht

Die entstandenen Vorschläge sind am 20. Augsut Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt, doch die SPD kann sich mit ihnen gar nicht anfreunden. „Auf den von der Verwaltung vorgeschlagenen Strecken würde keiner fahren, weil sie direkt an Verkehrsstraßen entlang führen”, prophezeit Willi Claßen.

Die Breiniger Sozialdemokraten Liepertz, Claßen und Nicole Weiden-Luffy haben deshalb eine Alternative gesucht. Die von ihnen gefundene Route führt bis auf wenige Abweichungen genau über die alte, zur Vennbahn gehörende Güterverkehrsstrecke, die einst den Stolberger Hauptbahnhof mit der Vennbahntrasse zwischen Kornelimünster und Walheim verband.

Die Radstrecke würde bei Binsfeldhammer an der L 238 (Zweifaller Straße) beginnen und quer durch Breinig führen, ehe sie oberhalb von Hahn auf die Vennbahntrasse und damit die Ravel-Route träfe. Steigung: maximal 3 Prozent.

„Hier könnte mit einer parallel zu den Gleisen verlaufenden Radroute eine steigungsarme Anbindung geschaffen werden”, sagt Willi Claßen. Vorbilder fände man in den Nachbarländern zu Genüge, so der Ratskandidat: „Belgien und die Niederlande sind uns da in der Qualität weit voraus.” Auch gastronomisch.

Die Sozialdemokraten stellen sich derartige Angebote entlang der Strecke vor, wie sie etwa in Kornelimünster oder Brand vorhanden sind bzw. gerade entstehen. „Davon versprechen wir uns eine Förderung des Tourismus”, sagt Andrea Liepertz. „Wir haben einen historischen Ortskern; da wäre es ein guter Schritt, diesen radtechnisch an die Ravel-Route anzubinden.”

Die touristische Bedeutung der Ravel-Route hat auch der Kreis Aachen erkannt. Mit bis zu 666.000 Euro wird er sich am Ausbau der Radstrecke beteiligen.

„Da wäre es doch schlimm, wenn dann keiner hinfährt”, sagt Kreisumweltdezernent Uwe Zink, der sich ebenfalls für die Anbindung Stolbergs an die Strecke stark machen will.

Die alte Eisenbahnlinie sei dafür hervorragend geeignet, gerade wegen der geringen Steigung: „Die Leute müssen auf Wegen von gleicher Qualität zur Ravel-Route hin kommen, wie sie auf der Route selbst herrscht.”

Ganz so einfach zu bewerkstelligen sein wird die Sache allerdings nicht. Zwar würden, so die SPD in ihrem Antrag, der dem nächsten Hauptausschuss vorgelegt werden soll, im Wesentlichen bestehende Wege genutzt, diese sind allerdings teilweise auszubauen und zu befestigen.

Hinzu kommt, dass auf der alten Vennbahnanbindung zwischen Hauptbahnhof und Breinig irgendwann einmal die Euregiobahn verkehren soll. Ein Radweg parallel zu den Gleisen wäre vor allem auf den schmalen Brücken, zum Beispiel der an der Schläuser Mühle zwischen Venwegen und Kornelimünster, schwierig zu installieren.

Ravel: Nicht mehr als 3 Prozent Steigung

Ravel, das steht in Belgien für „Réseau Autonome des Voies Lentes”, „also automes Netz langsamer Wege”. Erstmals eingerichtet wurde es im Oktober 1995 in der Wallonie. Bei Ravel werden zumeist ehemalige Eisenbahlinien und Kanalwege in Rad- und Wanderwege umgewandelt, die sich dadurch auszeichnen, dass die Steigung immer gering ist (in der Regel unter 3 Prozent).

Die geplante Ravel-Route an der Vennbahntrasse soll von Aachen bis Luxemburg führen. An dem Projekt, das im Jahr 2012 fertig sein soll, beteiligen sich unter Federführung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgien auch Stadt und Kreis Aachen.
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