Stolberg verschwindet unter einer weißen Decke

Von: Ottmar Hansen und Doris Kinkel-Schlachter
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Seit 5 Uhr morgens unterwegs: Karl-Heinz Moll (vorne), Alexander Stollenwerk (rechts) und ihre Kollegen vom Bauhof. Sie sorgten für geräumte Wege. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Der Winter nimmt offenbar in diesem Jahr kein Ende. In der Nacht von Montag auf Dienstag fielen im Bereich der Städteregion erneut fast 20 Zentimeter Schnee. Die Flocken wirbelten ohne Unterlass durch die Luft. Lange Staus bildeten sich auch auf den Straßen Stolbergs. Für den Bauhof bedeutete der neue Wintereinbruch Dauereinsatz.

„Wir haben alle Leute draußen“, sagte Georg Paulus vom Technischen Betriebsamt Dienstagmittag. Da waren 65 Kräfte der Stadt bereits seit 4.30 Uhr im Einsatz. Mit neun großen Räumfahrzeugen und zehn kleineren, ebenfalls mit Schneeschiebern ausgerüstet. „Die Hauptstraßen werden zuerst geräumt“, gab Paulus die Marschrichtung vor. Schwer beschäftigt damit, sämtliche Gehwege wieder begehbar zu machen, waren unter anderem eben auch Alexander Stollenwerk, Karl-Heinz Moll, Andreas Gärtner und Bernd Schulte. Das Team vom Bauhof schippte, was das Zeug hielt. 800 Kilo Splitt-Salz-Gemisch brachten sie in kürzester Zeit auf die Wege.

Die Straße „Am Halsbrech“ machte ihrem Namen alle Ehre. Prompt ereignete sich hier ein Autounfall. Die Straße musste schließlich gesperrt werden. Weitere Straßen mit gefährlicher Steigung, wie etwa der Fettberg, blieben hingegen geöffnet. Überall blieben Lastwagen hängen, „in der Buschmühle, im Gedautal, in der Steinfurt sowie in der Steinbachstraße hängen die Lkw fest“, berichtete Karl Köhnen.

Zu einem Verkehrsunfall in Mausbach seien die Männer am Morgen rausgefahren, berichtete der Wachabteilungsführer der Stolberger Feuerwehr. Dort sei eine Frau aufgrund der Witterung gegen einen Baumstamm geprallt und in die Böschung gerutscht. Sie sei leicht verletzt worden. Zu einem weiteren „Schnee“-Einsatz ging es am Mittag zum Firmengelände von Dalli, wo die Feuerwehr bis zu ein Meter lange Eiszapfen entfernen musste, damit diese nicht zur Gefahr werden konnten.

Gegen Mittag legte die Räumkolonne des städtischen Bauhofes zunächst eine kurze Verschnaufpause ein. Zu diesem Zeitpunkt konnte auch Klaas Huizinga aufatmen. Nachdem er in den frühen Morgenstunden im über 200 Kilometer entfernten Amersfoort (NL), beladen mit 20 Tonnen Blei, losgefahren war, wurde er vom erneuten Wintereinbruch in unserer Region überrascht. In Stolberg ging dann gar nichts mehr. „Von der Bleihütte bis hier – das sind vielleicht drei Kilometer – habe ich anderthalb Stunden gebraucht“, sagte er kopfschüttelnd.

Auf dem Büsbacher Lehmkaulweg war für den Niederländer dann Schluss, er kam einfach nicht mehr weiter. Noch bevor der Streuwagen anrollte, ist Wolfgang Eisenbeis eingesprungen. Der Anwohner sah, wie der Lkw liegengeblieben war und eilte prompt mit Schneeschippe und einem Eimerchen Salz herbei. Gut gemeint, nur leider vergebene Müh‘, das bisschen Salz brachte den Laster nicht ins Rollen. „Sie können aber gerne einen Kaffee bei mir trinken“, bot der freundliche Anwohner schulterzuckend an.

Ab 17 Uhr ging es dann bis zum Abend in die nächste Runde im Kampf gegen die Schneemassen. Streusalz habe die Stadt noch genügend, versicherte Georg Paulus. „Es sind noch rund 200 Tonnen da.“

An den meisten Schulen in der Stadt lief der Unterricht trotz Dauerschneefalls relativ normal. „Mittlerweile sind alle da“, freute sich Armin Ochse, Leiter des Ritzefeld-Gymnasiums. Lediglich Lehrer und Schüler aus der Zweifaller Ecke seien etwas verspätet eingetroffen. Da seien die Straßen nicht geräumt gewesen. Ab 8.30 Uhr lief auch der Unterricht im Goethe-Gymnasium normal. „Die Verspätungen hielten sich in Grenzen“, so Schulleiter Bernd Decker.

Zwar muss die Polizei bei diesem Wetter zu zahlreichen Unfällen ausrücken, das Schneechaos habe aber auch seine guten Seiten, so die Beamten. So sinken bei solch einem Wetter erfahrungsgemäß die Straftaten. Die Täter kommen kaum zum Ziel (gefahren) und wenn, hinterlassen sie Spuren (im Schnee).

„Stolberg hat es stärker getroffen als die anderen Städte in der Region“, berichtete Anne Linden. Komplett-Ausfälle habe es nicht gegeben, so die Sprecherein der Aseag, dafür Verspätungen, zwischenzeitlich von mehr als einer Stunde. Donnerberg Friedhof, Atsch und Buschmühle, hier waren Bereiche gesperrt und mussten die Linien 1, 12, 22 und 72 umgeleitet werden.

Für Rivero Paolo ist der erneute Wintereinbruch eine Katastrophe. Vor seinem Eiscafé Dolce Vita an der Rathausstraße waren vergangene Woche, als sich die Sonne einmal für zwei Tage zeigte, alle Stühle draußen besetzt. Die Stolberger genossen die frühlingshaften Temperaturen bei einer Tasse Cappuccino. Daran war am Dienstag nicht zu denken. „Der Sommer soll kommen. Mit Schnee sind wir fertig!“, sprach Paolo sicher so manchem aus dem Herzen.

Die Kleingärtner sind derzeit zum Nichtstun verurteilt. „Eigentlich beginnt die Saison ja erst Karfreitag, wenn das Wasser auf der Anlage aufgedreht wird“, sagt Wilfried Kühl, Vorsitzender des Kleingartenvereins. „Aber manche Gartenfans können es natürlich nicht bis dahin abwarten.“ Will heißen: Bei schönem Wetter wären jetzt schon die Frühkartoffeln oder die dicken Bohnen in die Erde gekommen. Doch daraus wird momentan nichts. Kühl: „In den Treibhäusern können jetzt schon die Samen für die ersten Blumen ausgebracht werden.“

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