Stolberg und seine Menschen haben es ihm angetan

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Nicht nur Künstler, sondern jetzt auch noch Kurator der Artibus-Reihe. Zum Auftakt des diesjährigen Programms stellt Rafael Ramírez Máro an morgen eigene Werke in der Burg-Galerie aus. Foto: D. Müller

Stolberg. Wenn am morgigen Sonntag um 12 Uhr die Artibus-Ausstellung in der Burg-Galerie eröffnet wird, ist es nicht nur die zweite Schau des Künstlers Rafael Ramírez Máro in dieser Reihe. Der in der Euregio lebende und arbeitende und aus Peru stammende Künstler übernimmt in diesem Jahr zudem die künstlerische Leitung der Ausstellungsserie im Rahmen des städtischen Kulturprogramms. Mit dem neuen Artibus-Kurator hat sich Dirk Müller unterhalten.

Wie sind Sie von Peru in die Euregio gelangt?

Ramírez Máro: Auch wenn mein Vater Apolo Ramírez in Peru ein anerkannter und erfolgreicher Frauenarzt gewesen ist, war das kulturelle Niveau in Peru nicht sonderlich hoch. So hat sich meine Familie in den 60er Jahren in Deutschland angesiedelt, wo mein Vater und ich unter seinem Künstlernamen Antonio Máro ab 1972 zusammenarbeiteten und zum Beispiel dann 1978 gemeinsam das 20 Mal 6 Meter große Wandgemälde für die Meinerzhagener Stadthalle malten. Gleichzeitig ging ich auch zur Schule und studierte in Essen-Werden in der Folkwangschule Violine. Später machte ich dann auch in Deutschland das Abitur. Anschließend habe ich aber in Peru bei Barockmalern studiert. Meine weiteren Stationen während des Studiums von Kunst waren Lüttich, Köln, Wien und Madrid, wo ich rund zehn Jahre lang gelebt habe. 2007 habe ich dann das Haus meiner Eltern übernommen und in ein Kulturzentrum umgewandelt.

Dieses befindet sich aber nicht in Deutschland, sondern im belgischen Hauset . . .

Ramírez Máro: Ja, denn die strategische Lage ist sehr günstig. Da mein Vater zum Beispiel in Amsterdam, Brüssel, Paris, Antwerpen oder Köln seine Werke ausstellte, war die alte Villa in Hauset optimal. Von dort aus sind viele Städte gut zu erreichen.

Sie haben in dem Haus das „Ramírez Máro Institut“ etabliert. Was verbirgt sich hinter diesem Kulturzentrum unweit der deutschen Grenze?

Ramírez Máro: Das Institut basiert auf der Fortführung der Tradition des Künstlerhauses Máro. Seit dreieinhalb Jahrzehnten finden in dem ehemaligen Headquarter General Eisenhowers Kunstausstellungen, Events, Konzerte und Treffen hochrangiger Künstler statt. Es ist ein kultureller Schmelztiegel, in dem interdisziplinär und transparent gearbeitet wird. Offene Ateliers und offene Proben ermöglichen den Gästen Blicke hinter die Kulturkulissen, was mir sehr wichtig ist. Das Institut möchte Künstler allerdings nicht nur im Mutterhaus in Hauset zusammenrufen und vertreten, sondern sie auch in wichtigen, internationalen Ausstellungsräumen und Museen präsentieren.

Welche Verbindung haben Sie zu Stolberg?

Ramírez Máro: Ich stehe schon längere Zeit in Kontakt mit Christa und Karl-Heinz Oedekoven, die beispielsweise 2008 eine große Ausstellung im Museum Zinkhütter Hof organisiert haben. 2009 habe ich bei der von Kulturmanager Max Krieger organisierten Schau im Rahmen von Stolberg goes España Bilder in der Sparkasse ausgestellt. Am meisten beeindruckt hat mich sicherlich meine Ausstellung in der Artibus-Reihe, als ich 2010 in der Burg-Galerie meinen Holocaust-Zyklus gezeigt habe. Das war in mehrfacher Hinsicht sehr besonders.

Was hat Sie denn so an dieser Ausstellung beeindruckt?

Ramírez Máro: Um den Zyklus zu malen, habe ich mich in einem langen und intensiven Dialog mit dem Zeitzeugen Dr. Max Hamburger befunden, aus dem eine Freundschaft gewachsen ist. Dr. Hamburger, der in den Konzentrationslagern Ausschwitz und Buchenwald gefangen war, nahm an einer Podiumsdiskussion in der Burg-Galerie teil, und ich war sehr beeindruckt von den Stolbergern aller Altersklassen, die diese Veranstaltung besucht haben. Sie hatten ehrliches, offenes Interesse und begegneten dem Menschen Dr. Hamburger wie dem Thema mit Taktgefühl. Ich habe in der Burg-Galerie sehr viel Empathie gespürt, man kann sagen: Ich war berührt und gerührt von Stolberg. Auch wenn es einen Wermutstropfen gab. Die Schulen haben das Angebot, die Ausstellung zu besuchen und mit dem zu der Zeit 90-jährigen Zeitzeugen und KZ-Überlebendem ins Gespräch zu kommen, leider nicht wahrgenommen. Das war wirklich schade, denn heute besteht diese Gelegenheit nicht mehr. Der niederländische Arzt und Psychiater, der als Überlebender selbst Holocaust-Opfer therapiert hat, ist inzwischen gestorben.

Ab Sonntag stellen Sie nicht nur erneut in der Burg-Galerie aus, sondern sind jetzt auch Kurator der Artibus-Ausstellungsreihe.

Ramírez Máro: Ja, als Max Krieger mich gefragt hat, ob ich die künstlerische Leitung von Artibus übernehmen möchte, habe ich gleich an die für mich unvergessliche Atmosphäre bei der Ausstellung 2010 gedacht und sofort „Ja“ gesagt. Ich habe Stolberg schätzen gelernt und arbeite sehr gerne mit Max Krieger zusammen, so dass ich mich auch über einen längerfristigen Einsatz freuen würde.

Wie beurteilen Sie die gesamte Kunstszene in Stolberg?

Ramírez Máro: Es gibt hier enorm beeindruckende Bemühungen in Sachen Kunst. In dieser relativ kleinen Stadt bemerke ich so viel positives Engagement. Ich versuche es einmal in Relation zu setzen: Wenn es im größeren Aachen eine derart starke Kunst-Initiative gäbe wie in Stolberg, dann wäre Aachen die Kunst-Metropole schlechthin.

Was erwartet die Besucher der ersten Artibus-Ausstellung in diesem Jahr mit dem Titel „La Celestina“?

Ramírez Máro: Es werden großformatige Malereien und Zeichnungen von mir zu sehen sein und auch zwei Werke von Alejandro Decinti, die sich mit dem Thema „Celestina“ befassen. In meiner Malerei steht immer der Mensch im Vordergrund, und die Themenbereiche entnehme ich der Zeitgeschichte oder der Literatur, wobei Spiritualität, Philosophie und Psychologie eine Rolle spielen. So ist es auch bei meinem Zyklus „La Celestina“, einer Tragödie, die 1499 erstmals in Spanien veröffentlicht und von Fernando de Rojas geschrieben wurde. Es ist eines der drei wichtigsten literarischen Werke Spaniens und begründete maßgeblich die moderne europäische Literatur. In Deutschland ist „La Celestina“ derzeit leider weitgehend unbekannt. Mit dem Zyklus möchte ich meinen Dank für dieses literarische Werk zum Ausdruck bringen und gleichermaßen darauf hinweisen, dass es existiert, um Interesse für diese bedeutende Tragödie zu wecken.

Wie geht die Artibus-Reihe weiter?

Ramírez Máro: In einer Sonderausstellung wird der Kupferstädter Künstler Robert Schäfer großformatige Fotos zeigen und Stolberger Orte und Menschen aus einer anderen Sicht präsentieren. Passend zu dem diesjährigen Kulturfestival „Stolberg goes Euregio“ folgt dann eine Ausstellung mit mindestens zehn wirklich guten Künstlern aus der Euregio Maas-Rhein. In dieser Schau sehe ich genau wie in dem Kulturfestival eine große Chance für Stolberg. Künstler und Gäste aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland nehmen die Artibus-Reihe und ihren besonderen Ausstellungsort im ansprechenden Ambiente der Burg war und besuchen die Kupferstadt vielleicht wieder. In der vierten Schau stellt Antonio Máro, dessen Schaffen bereits viele Freunde in Stolberg gefunden hat, abstrakten Expressionismus aus, und mit der letzten Artibus-Ausstellung in diesem Jahr schließt sich der Kreis: Alejandro Decinti widmet sich wieder einem literarischen Thema, dem „Narrenschiff“ von Sebastian Brant, das 1994 gedruckt und das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation wurde. Mit intimen Einblicken in das alltägliche Leben hinterfragt der chilenische Künstler psychologisch die menschliche Natur.

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