Stolberg trauert um Win Braun

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Noch im Sommer vergangenen Jahres schien Win Braun eine Krise überwunden zu haben und malte vor seinem Haus in Alt Breinig an neuen Werken. Foto: D. Müller
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Win Braun vor seiner „Berliner Mauer“ im Oktober 2010. Seine große Retrospektive in der Burg-Galerie war die bis dahin erfolgreichste Kunstausstellung in der Artibus-Reihe. Foto: D. Müller

Stolberg. Der Breiniger Maler ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Kunstausstellungen auf Kuba, in Peking und Paris, aber seiner Heimat immer verbunden und treu geblieben.

Er war ein bedeutender Maler, das „Enfant Terrible“ der Kupferstädter Kunstszene und vor allem ein besonderer, sehr liebenswerter Mensch. Jetzt ist Win Braun nach langer Krankheit im Alter von 61 Jahren gestorben, und nicht nur Kunstfreunde trauern um ihn, denn das Breiniger Original hatte zahlreiche Freunde aus vielen verschiedenen Lebensbereichen.

An der staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studierte Braun von 1975 bis 1979 Freie Malerei. Mit seinen Stolberger Künstlerkollegen Hartmut Ritzerfeld, Emil Sorge und Franz-Bernd Becker gründete der Breiniger 1983 die Venn-Akademie als eine heimatverbundene und provinzielle Antwort auf die Kunstakademie in Düsseldorf.

Der Stolberger Schriftsteller Dietmar Sous vermischte in seinem viel gelobten Roman „Glasdreck“ die Bibliografien von Win Braun und John Lennon. Der Künstler Win Braun stellte seine Werke unter anderem auf Kuba, in Peking, Budapest, Zürich und Gent aus, blieb seiner Heimat dabei stets treu.

Braun etablierte die Ausstellungsreihe „Kunst und Breinig“, die über unsere Region hinaus viel Beachtung fand. Schirmherr der Reihe war unter anderem der ehemalige Landesvater und Bundespräsident Johannes Rau, der selbst im Besitze eines Win-Braun-Gemäldes war. In Breinig war Win Braun auch einmal Schützenkönig – eine Episode, die einen Eklat verursachte, da Braun das Schützenmotto „Glaube, Sitte, Heimat“ hinsichtlich der Sitte durchaus eigenwillig interpretierte.

Und der Fußball- und Radsportfan Win Braun war auch ein politischer Mensch. Wobei der die Grenze zwischen Kunst und Politik stets fließend gestaltete. 1999 kandidierte Braun als Bürgermeister des Stadt Stolberg, erzielte das fünftbeste Ergebnis und erhielt mit 487 Stimmen gut 100 Stimmen mehr als die Kandidaten von UWG und PDS und kaum 100 Stimmen weniger als der FDP-Kandidat.

2003 gründete Braun die „Ei Wei Dei – Vennpartei“, die dann doch nicht zur Kommunalwahl antrat. Ebenso wie die „BAP“, die Win Braun 2009 ins Leben rufen wollte. Die „Bürger gegen Alzheimer Partei“ sollte die zunehmende Vergesslichkeit der Politiker anprangern.

Mit seinem Künstlerfreund Jim Batman legte Braun den legendären Aufkleber „Kein Zweifel, ich bin aus der Eifel“ auf, und als Braun 2010 eine große Retrospektive in der Burg-Galerie zeigte, war dies die bis dahin wohl erfolgreichste Kunstausstellung in der Artibus-Reihe. Obwohl gesundheitlich stark angeschlagen erwies Win Braun sich immer wieder als „Stehaufmännchen“ und kehrte nach diversen Auszeiten auf die Kunstbühne zurück.

Etwa 2013, als dem begeisterten Radsportfan, der mehr als 30 Mal die Tour de France erlebte, eine ganz besondere Ehre zu Teil wurde: Vom Tour-Direktor Christian Prudhomme persönlich eingeladen, war Win Braun in Paris bei der Präsentation der 100. Tour de France zugegen und zeigte seine Werke vor 3500 geladenen Gästen.
Noch im vergangenen Jahr schien Win Braun einen erneuten gesundheitlichen Tiefpunkt überwunden zu haben.

Der Maler sollte seine Werke erneut bei der Präsentation der Tour de France zeigen, konnte der Einladung aber letztlich nicht folgen. Als Braun sich zuvor in der Kunstszene und im Leben zurückgemeldet hatte, waren seine Nachbarn darüber so erfreut, dass sie in Alt Breinig die Aktion „Kunst und Trödel“ ins Leben riefen, und einen Flohmarkt mit einem kleinen Straßenfest organisierten.

Win Braun steuerte dazu nicht nur neue eigene Werke bei, sondern konnte auch die Künstlerkollegen Emil Sorge und Karl von Monschau dazu gewinnen, ihre Werke zu zeigen. Seine letzten Tage verbrachte Win Braun in dem Itertalklinik-Seniorenzentrum in der Stadthalle, da Dr. Christoph Kösters, Elvira von Wirth und der Kunsthistoriker Prof. Dr. Wolfgang Becker sich dafür eingesetzt hatten, dass der Breiniger Künstler dort bleiben konnte, gut versorgt wurde und ohne Qualen dem Tod entgegengehen durfte.

Seit der Nacht vom 12. auf den 13. Februar lag Win Braun auf der Intensivstation des Bethlehem Gesundheitszentrums im Koma und starb am Freitagabend.

Nicht nur die Kunstwelt hat mit Win Braun einen bemerkenswerten Maler verloren. Breinig, Stolberg und der Rest der Welt ist jetzt ärmer – um einen großen Künstler, um einen liebenswerten Hallodri, um ein echtes Original, um einen guten Freund, um unseren Winnie.

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