Stolberg sucht europaweit nach Investoren

Von: Jürgen Lange
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Zwei bis drei große Windkraftanlagen passen auf den „Hedchensknepp“ – hier kurz nach dem Kahlschlag – oberhalb von Zweifall. Stolberg will nun europaweit nach Investoren für das Projekt suchen. Foto: J. Lange
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Setzt für das neue Geschäftsjahr mit einer Kapitalaufstockung verstärkt auf Windenergie: Axel Kahl, Geschäftsführer der Stolberger Green GmbH. Foto: J. Lange

Stolberg. In einem zweistufigen Verfahren möchte die Kupferstadt ihre für die Ansiedlung von Windkraftanlagen geeigneten Grundstücke vermarkten. Der Flächennutzungsplan, der Konzentrationszonen für die Windenergie ausweisen soll, wird derzeit noch erarbeitet.

„Da für die Fortführung des Planverfahrens genauere Kenntnisse hinsichtlich der zu errichtenden Anlagen notwendig sind“, so Fachbereichsleiter Bernd Kistermann, soll eine Europa weite Ausschreibung nicht nur den Investor, sondern auch die Details liefern, die für die weitere Bauleitplanung inklusive der Beteiligung von Öffentlichkeit erforderlich sind.

Weil die Stadt erwartet, dass die gesetzten Schwellenwerte für Vergabeverfahren überschritten werden, sollen die Partner für den Ausbau von regenerativer Energie in der Kupferstadt auch europaweit gesucht werden. Zur fachgerechten Durchführung des komplexen Ausschreibeverfahrens verpflichtete jetzt die Stadt das Kölner Büro Becker, Büttner & Held, das bereits im Rahmen der Flächennutzungsplanung involviert ist.

Dabei ist vorgesehen, ein so genanntes nicht förmliches Verfahren zu wählen. Dabei wählt die vergabewillige Kommune ebenso die Bedingungen und Anforderungen aus, denen die Angebote der Interessenten entsprechen müssen, wie das Verhandlungsverfahren. Objektive Kriterien, wie beispielsweise eine einschlägige Erfahrung sowie technische und finanzielle Leistungsfähigkeit der Bewerber, müssen dabei erfüllt werden, und nach der Vorauswahl müssen so viele Interessenten noch im Rennen sein, dass ein angemessener Wettbewerb gewährleistet wird.

Ist der Windenergie-Partner für Stolberg gefunden, dann kann unter Berücksichtigung seiner technischen Vorstellungen das Verfahren zur Ausweisung von Konzentrationszonen für Windkraftanlagen im Flächennutzungsplan abgeschlossen werden. Erst auf dieser Basis dürfen die Windräder dann auch gebaut werden.

Mit diesem Vorgehen kann sich die Stadt die Rahmenbedingungen für die Ausweitung der Windenergie ein wenig auf ihre eigenen Grundstücke zurecht schneidern – und gibt somit den beiden anderen Eigentümern der Flächen in den geplanten, insgesamt über 450 Hektar großen Konzentrationszonen die Eckpunkte vor. Denn die europaweite Ausschreibung durch Stolberg kann sich nur auf die Flächen im Eigentum erstrecken.

Das ist zum einem der „Hedchensknepp“, der eine Fläche von rund 61,5 Hektar zwischen Zweifall, Breinig und Vicht umfasst, sowie zum anderen der „Wolberberg“, der gut 100,6 Hektar zwischen Breinig, Zweifall und Venwegen umspannt. „Jeweils zwei bis drei große Windenergieanlagen könnten dort realisiert werden“, formuliert Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt vorsichtig die Erwartungshaltungen.

Ähnliches Potenzial bietet eine Fläche östlich von Drei-Kaiser-Eichen am südöstlichen Rand des Stadtgebietes an der Grenze zur Gemeinde Hürtgenwald (69,7 Hektar). Sie befindet sich im Besitz des Landesbetriebes Holz und Wald. Die mit 224,1 Hektar größte geplante Konzentrationszone im Stadtgebiet befindet sich auf privatem Eigentum im Laufenburger Wald. Zur Refinanzierung der Kosten für die Ausweisung der Konzentrationszonen ist es geplant, dass Pächter städtischer Flächen sowie sonstige Private, die von der Planung profitieren, an den Kosten des Verfahrens beteiligt werden. Für das ist soeben die frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange beendet, so dass die Anregungen nun ausgewertet werden können. Noch in Arbeit ist die zweite Artenschutzprüfung, die sich über eine komplette Vegetationsperiode erstrecken muss. Erschlossen werden können die Konzentrationszonen frühestens im nächsten Jahr.

Einer der potenziellen Partner dabei kann aus Stolberg kommen: Die Gesellschaft für regionale und erneuerbare Energie mbh (Green) – das ist die 43-prozentige Tochtergesellschaft der EWV mit weiteren kommunalen Beteiligungen, in der die regenerativen Aktivitäten gebündelt sind – möchte sich intensiver auf den Geschäftsfeldern Wind und Photovoltaik engagieren. Neben Stolberg betreibt Eschweiler die Ausweisung von Konzentrationszonen, für die sich die Green interessiert. „Wir sind mit verschiedenen Projektpartnern um Gespräch, um an möglichen Projektentwicklungen teilzunehmen“; bestätigte Geschäftsführer Axel Kahl auf Anfrage unserer Zeitung. „Es besteht aber ein intensiver Wettbewerb um die Flächen, die über Pachtverträge oder Kooperationsvereinbarungen zu sichern sind.“

Um Projekte anzustoßen und weitere Beteiligungen einzugehen erhöht die erst im Juli 2011 gegründete Green GmbH ihre Kapitaldecke von 25.000 auf 600.000 Euro. Konkrete Vorschläge für Investitionen will Kahl im kommenden Jahr den Gesellschaftern vorlegen. Die Kapitalerhöhung bedeutete für die Kupferstadt, die drei Prozent der Anteile hält eine Steigerung ihrer Einlage von 750 auf 18.750 Euro. Dies hatte der Stadtrat im Juli 2013 einstimmig beschlossen. Im Rahmen des erweiterten Engagements sind die Kommunen Alsdorf, Baesweiler, Jülich und Simmerath aus der Green ausgetreten; die Rur­Energie GmbH mit fünf sowie die Stadtentwicklung Würselen GmbH mit drei Prozent sind als neue Gesellschafter hinzu gekommen.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Green nicht in neue Projekte investiert. „Die Verunsicherung über die Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat in der ganzen Branche zur Stagnation geführt“, erläutert Kahl. Knapp bemessene Übergangsfristen und bis zuletzt offen gehaltene Regelungen hätten keine verantwortungsvollen Projektentscheidungen zugelassen.

Die Projektierung von Photovoltaikanlagen sei bereits vorher schwierig kalkulierbar gewesen; die Aktivitäten im Bereich Biomasse wurden vor den sich abzeichnenden Änderungen eingestellt. „Das ist wirtschaftlich nicht mehr darstellbar“, begründet Kahl. Während laufende Windprojekte zwar weitergeführt wurden, habe sich die Green beim Einstieg in neue Vorhaben zurückgehalten. Das soll nun wieder anders werden. „Jetzt können wir uns wieder in den Geschäftsfeldern Wind und Photovoltaik aktiv engagieren“, kündigt Geschäftsführer Axel Kahl an – möglicherweise dann auch bei den geplanten Windparks in Eschweiler und Stolberg.

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