Stolberg springt nun doch in die Bresche

Von: Michael Grobusch
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Können zumindest teilweise ihre Arbeit in Stolberg fortsetzen: Von den derzeit viereinhalb Stellen für fünf Schulsozialarbeiter (auf dem Bild fehlt Kathrin Reick) sollen zweieinhalb erhalten bleiben. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die Stadt Stolberg wird die Finanzierung der Schulsozialarbeiter zumindest in Teilen übernehmen. Darauf haben sich SPD und CDU nach einer vorherigen Initiative der Sozialdemokraten verständigt. Zwar sieht die große Koalition keine Möglichkeit, sämtliche Kosten im kommenden Jahr zu übernehmen.

Immerhin sollen aber 2,5 der bis dato 4,54 Stellen erhalten bleiben, die im Rahmen eines Förderprogramms Anfang 2012 von der Stadt eingerichtet und seitdem vom Bund im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes bezahlt worden waren.

„In den vergangenen Jahren ist in Stolberg ein hart erarbeitetes, sehr gut funktionierendes Netzwerk entstanden. Das wollen wir fortführen“, erklärte der bildungspolitische Sprecher der SPD, Patrick Haas, Dienstagabend im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein Kollege und CDU-Fraktionsvorsitzende Jochen Emonds unterstrich: „Ein Fortfall dieses Netzwerkes würde zu Bildungsarmut führen. Das wollen wir verhindern.“

Beide Politiker verwiesen darauf, dass nach der Anschubfinanzierung durch den Bund jetzt eigentlich das Land am Zuge sei. „Schließlich liegt die Personalverantwortung für die Schulen in Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf“, so die einhellige Meinung. „Wenn aber 2016 oder 2017 plötzlich wieder Geld zur Verfügung stehen sollte und die Schulsozialarbeit zwischenzeitlich eingestellt worden ist, wäre es ganz schwer, die dann zerfallenen Strukturen wieder aufzubauen“, zeigte sich Haas überzeugt.

„Haushaltspolitische Realität“

Der von der großen Koalition ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass die Stadt zunächst für ein Jahr zweieinhalb Stellen der Schulsozialarbeit weiterführt. Finanziert werden sollen sie mit den verbliebenen Restmittel aus dem Förderprogramm (rund 106 000 Euro) sowie einem städtischen Anteil in Höhe von 60 000 Euro. „Wir sind beide Schullobbyisten und hätten lieber zehn als zweieinhalb Stellen in der Schulsozialarbeit“, erklärte Haas. „Wir müssen uns aber auch der haushaltspolitischen Realität stellen. In Stolberg gibt es ein Haushaltssicherungskonzept, und die Beibehaltung der Schulsozialarbeit zählt zu den freiwilligen Aufgaben“, so Jochen Emonds.

Das wird in der praktischen Arbeit zu einem neuen Zuschnitt der Aufgabenbereiche und Bezirke der verbleibenden Schulsozialarbeiter führen. „Es gibt ganz unterschiedliche Bedarfssituationen im Stadtgebiet. Wir haben mit Hilfe der Verwaltung überprüft, welche Schwerpunkte erhalten werden sollten“, berichtet der CDU-Politiker. Zu den besagten Schwerpunkten werden elf Schulen gehören: die Grundschulen Grüntalstraße, Hermannstraße, Münsterbusch, Atsch und Büsbach, die Sekundar- und die Gesamtschule, die beiden Hauptschulen sowie die Realschule Mausbach und die Förderschule Stolberg.

Gleiches gilt für die sogenannten Plus-Kitas, also Einrichtungen in Stadtteilen mit einem besonders hohen Anteil bildungsbenachteiligter Familien und einem ebenfalls hohen Sprachförderbedarf. In Stolberg sind das die Kindertagesstätten bzw. Familienzentren Franziskus-straße, Wiesenstraße, Foxius-straße, Pirolweg, Holderbusch, Steinweg, Clara Fey und die SkF-Tageseinrichtung für spanische Kinder.

Die Frage, ob die städtische Finanzierung auch über das Jahr 2015 hinausreichen könnte, bleibt von den Großkoalitionären vorerst unbeantwortet. Ein Grund dürfte darin liegen, dass die Forderung nach einer Kostenübernahme durch das Land weiter Bestand hat. Der Druck auf Düsseldorf wird wachsen, ist Patrick Haas überzeugt, denn: „Viele Kommunen, in denen das Programm ausläuft, werden im nächsten Jahr sehen, was ihnen fehlt. Mit der Schulsozialarbeit bricht auch die Teilhabe von Kindern am sozialen Leben weg.“

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