Stolberg lädt zum ersten Begegnungstag

Von: Sarah-Lena Gombert
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Wo begegnen sich in Stolberg jung und alt? Das Thema Generationendialog ist ein Aspekt, der beim Ersten Stolberger Begegnungstag Inklusion im ökumenischen Gemeindezentrum im Frankental aufgegriffen werden soll. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Wie kommt ein Mensch, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, in Stolberg zurecht? Gibt es Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in der Stadt? Wie können unterschiedliche Kulturkreise in Kontakt treten? Vor einem Jahr hat der Ausschuss für Soziales und Generationengerechtigkeit die Stadtverwaltung damit beauftragt, einen kommunalen Aktionsplan Inklusion zu entwickeln.

 Seitdem hat der Inklusionsbeauftragte der Stadt, Lukas Franzen, Ideen und Anregungen von Stolbergern gesammelt, wie Inklusion in der Stadt aussieht – und wie sie aussehen kann. Am 4. Juli wird es den ersten Stolberger Begegnungstag Inklusion geben. Darüber wird der Sozialausschuss in seiner Sitzung sprechen.

„Wir wollen an unserem Begegnungstag den Weg aufzeigen, auf den wir uns in Sachen Inklusions-Prozess in Stolberg gemacht haben“, sagt Lukas Franzen im Gespräch mit unserer Zeitung. Bis Ende des Jahres soll der Aktionsplan schließlich fertiggestellt sein. Thematisch wird der Tag breit gefächert sein. „Wir gehen von einem weiten Inklusionsbegriff aus“, sagt Franzen, „niemand wird ausgeschlossen.“ Inklusion betreffe nicht nur den Bereich der Schulen, auch wenn das in der öffentlichen Wahrnehmung oft das am stärksten diskutierte Thema sei. Das bedeute auch, dass sich Inklusion in Stolberg nicht ausschließlich auf das Thema Barrierefreiheit und Teilhabe für Menschen mit Behinderung beziehe, sondern auch auf das Zusammenleben von Jung und Alt, auf das Thema Migration und soziale Inklusion. „Wir wollen alle Zielgruppen mit einbeziehen“, betont Franzen.

Verwaltung verfolgt drei Ziele

Ziele, die die Stadtverwaltung mit dem Begegnungstag verfolgt, sind vor allem drei: „Wir wollen erstens die guten Beispiele von Inklusion in der Stadt aufzeigen“, sagt Lukas Franzen. In diesem Zusammenhang soll auch die im vergangenen Jahr initiierte Mitmach-Aktion vorgestellt werden, an der sich viele Kindertagesstätten und Schulen der Stadt beteiligt haben. Diese Mitmach-Aktion war ursprünglich bis September 2016 geplant, ist aber vonseiten der Verwaltung mehrfach verlängert worden, um mehr Einrichtungen die Möglichkeit zu geben, sich zu beteiligen.

„Einige Kinder haben gemeinsam gebastelt“, erzählt Franzen. Die Kinder der Kindertagesstätte „Zauberkiste“ in der Stolberger Innenstadt haben gemeinsam mit ihren Eltern einen Inklusionsbaum angefertigt, an dem jede Familie auf einem Anhänger formuliert hat, was für sie jeweils Inklusion bedeutet. Der kunterbunte Baum aus Pappe und Papier wurde auch im Stolberger Rathaus ausgestellt. Andere Kindertagesstätten haben – ebenfalls im Schulterschluss mit den Eltern – große Puzzlestücke gebastelt, um den Kindern zu signalisieren, dass alles zusammenpasst, auch wenn jedes einzelne Teil verschieden ist.

Auch an den Stolberger Schulen ist am Thema Inklusion gearbeitet worden. An der Gesamtschule ist sogar ein Inklusionslied entstanden, das am Begegnungstag vorgetragen werden soll, erzählt der Inklusionsbeauftragte. Gerade, dass auch die Kinder selbst bei der Veranstaltung beteiligt sind, liegt ihm am Herzen: „Für die Kinder ist Inklusion häufig eine Selbstverständlichkeit – davon können die Erwachsenen etwas lernen.“

Zweitens soll der Begegnungstag eine Plattform sein, auf der sich verschiedene Personen und Gruppen aus der Stadt austauschen können. „Wir wollen, dass die Leute aufeinander zu gehen und sich so vielleicht neue Netzwerke bilden können“, erklärt Franzen.

Das dritte Ziel ist, gemeinsam mit den Stolberger Akteuren, also unter anderem den Schulen, den Sozialverbänden und anderen Beteiligten, die Impulse für den Aktionsplan in Gruppen zu diskutieren. „Wir wollen, dass unsere Pläne von möglichst vielen Menschen mitgetragen werden“, sagt Franzen, der außerdem darauf großen Wert legt, dass alles einen praktischen Bezug haben soll.

Im ersten Teil der Veranstaltung sollen Kurzbeiträge verschiedener Akteure, die in Stolberg mit Inklusion befasst sind, vorgetragen, dazu wechselweise Gesprächsrunden angeboten werden. Das können musikalische Beiträge, Referate oder auch kurze Videos sein.

„Der zweite Teil soll dann eine interaktive Begegnungsphase sein, ein Markt der Möglichkeiten“, sagt Franzen. Die Besucher sollen hier die Chance haben, sich die Beiträge der Mitmach-Aktion in einer Ausstellung anzuschauen. Den dritten Teil des Tages bilden dann Fachworkshops zu konkreten Projektansätzen für den Aktionsplan Inklusion.

Auftakt für Generationendialog

„Und wenn wir die Veranstaltung ‚Erster Stolberger Begegnungstag‘ nennen, dann soll das schon signalisieren, dass das nicht der letzte Begegnungstag sein wird“, betont Robert Voigtsberger, Erster Beigeordneter der Stadt Stolberg. Die Verwaltung sei froh, dass man Ulla Schmidt, ehemalige Bundesgesundheitsministerin, die auch selbst einmal als Lehrerin in Stolberg unterrichtet hat, als Schirmherrin für den Begegnungstag gewonnen werden konnte.

„Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Tages ist, dass er gleichzeitig den Auftakt eines Generationendialogs darstellt“, sagt Robert Voigtsberger, und nimmt damit Bezug auf einen Antrag der CDU-Fraktion zur Konzeption eines solchen Generationendialogs.

„Wir wollen darüber diskutieren, welche Erwartungen junge und ältere Stolberger an einen Generationendialog haben und was sie motiviert, daran mitzuwirken“, sagt Voigtsberger. Es gehe außerdem um die Frage, wo in Stolberg ein Austausch zwischen den Generationen bereits stattfindet, und was sich davon vielleicht auf andere Bereiche übertragen lasse. Auch hierfür gebe es schon positive Beispiele, die an dem Tag präsentiert werden sollen. So haben Schüler der Gesamtschule beim Projekt „JuleA“ (Abkürzung für Jung lehrt Alt) Seniorinnen und Senioren den Umgang mit Computern, Smartphones und Tablets nähergebracht.

Weiterhin soll besprochen werden, welche Rahmenbedingungen notwendig seien, um den Stolberger Generationendialog zu einem eigenen Veranstaltungsformat zu entwickeln, das von dem Engagement der Beteiligten lebt. Die Verwaltung hofft, dass sich möglichst viele potenzielle Akteure an dem Projekt Generationendialog beteiligen. Das Stolberger Jugendparlament, die Seniorenvertretung im Ausschuss für Soziales und Generationengerechtigkeit, verschiedene Bildungseinrichtungen sowie Senioreneinrichtungen und auch Seniorentreffs sollen explizit angesprochen werden.

Der Begegnungstag findet am Dienstag, 4. Juli, von 11 bis 14 Uhr im ökumenischen Gemeindezentrum im Frankental statt.

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