Stolberg, deine Pendler: Der Weg zur Arbeit ist für Viele weit

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
13886293.jpg
Höchste Zeit für das neue Parkhaus am Hauptbahnhof: Die Pendlerparkplätze sind werktags fast immer alle belegt. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Wer einen ersten Eindruck davon bekommen möchte, was das Thema Pendlerverkehr in Stolberg bedeutet, muss nur einmal einen Blick auf die Parkplatzsituation rund um den Hauptbahnhof werfen: Am Morgen eines regulären Werktags sind die kostenlosen Park&Ride-Plätze restlos belegt – das gilt auch für die Ersatzparkplätze an der Probsteistraße.

Knapp 16.000 Stolberger pendeln jeden Tag in eine andere Stadt oder Kommune – das zeigt der vor Kurzem vom statistischen Landesamt NRW veröffentlichte Pendleratlas. Dem gegenüber stehen rund 9600 Einpendler, also Bürger aus anderen Städten, die in Stolberg einer Arbeit nachgehen.

Die Flexibilität der arbeitenden Stolberger Bevölkerung ist mit ein wichtiger Grund für die seit einigen Monaten rückläufige Arbeitslosenquote, wie Klaus Jeske, Sprecher der Agentur für Arbeit erklärt. „Der überwiegende Teil der Stolberger Bevölkerung arbeitet in Städten und Gemeinden außerhalb“, hatte Jeske bereits im November vergangenen Jahres erklärt.

Brötchen verdienen in Eschweiler

Die meisten Stolberger pendeln nach Angaben der Landesstatistiker zum Arbeiten in die Kaiserstadt Aachen: Mehr als 8600 Menschen machen sich demnach täglich auf den Weg (Stand 2015). Umgekehrt zieht es aber täglich mehr als 2700 Aachener in die Kupferstadt. Ebenfalls regen „Arbeitnehmeraustausch“ gibt es zwischen Stolberg und Eschweiler: Während pro Tag rund 1950 Stolberger in die Indestadt fahren, kommen 1820 Eschweiler zum Arbeiten nach Stolberg.

Zu den weitesten Strecken, die Kupferstädter Pendler täglich zurücklegen, gehören wohl die Arbeitswege nach Köln und Düsseldorf. An den Rhein fahren jeden Tag immerhin 700 Stolberger, um ihre Brötchen zu verdienen. Das sind – je nach tatsächlichem Arbeits- und Wohnort – rund 80 Kilometer pro Strecke.

Was die Daten der Landesstatistiker ebenfalls zeigen: Frauen legen auf dem Weg zur Arbeit fast genauso häufig Kilometer zurück wie Männer. Dass unter den Auspendlern rund 44 Prozent Frauen sind, ist seit Jahren gleichbleibend. Bei den sogenannten „innergemeindlichen Pendlern“ hingegen ist der Anteil der Frauen in den vergangenen Jahren leicht angestiegen, ohne dass sich die Gesamtzahl signifikant verändert hätte.

Wer pendelt, der arbeitet Vollzeit, denn für eine Teilzeitbeschäftigung loht sich ja die Fahrerei nicht. Diese Annahme trifft zwar in vielen Fällen zu, aber längst nicht immer. Tatsächlich machen diejenigen, die „nur“ für einen Teilzeitjob weite Strecken fahren, 33 Prozent der Gesamtsumme aus. Dieser Wert ist in den vergangenen drei Jahren um knapp 1 Prozent gestiegen.

Immer mehr Dienstleistung

Ebenfalls leicht verschoben haben sich die Arbeitsfelder, in denen Stolberger Pendler tätig sind. Das produzierende Gewerbe ist laut Landesstatistik auf dem Rückzug, immer mehr Menschen arbeiten im Dienstleistungssektor. Das gilt auch für diejenigen, die nach Stolberg einpendeln: Mehr als 48 Prozent von ihnen arbeiten im Dienstleistungssektor. Diese Zahlen decken sich auch mit den Beobachtungen der Agentur für Arbeit. Denn der Wandel von einer Industriegesellschaft zu eine Dienstleistungsgesellschaft ist auch an der Kupferstadt nicht vorbeigegangen.

Zwar beschäftigen Dalli, Prym, Aurubis und die anderen Industriebetriebe immer noch Hunderte Arbeiter. Neben der Metallbranche sind es mittlerweile vor allem Berufe im Gesundheitssektor, die man in Stolberg finden kann: Nicht umsonst ist das Bethlehem-Gesundheitszentrum einer der größten Arbeitgeber in der Stadt. Martin Peters, Bevollmächtigter der Industriegewerkschaft Metall Stolberg-Eschweiler, hatte den Stolberger Arbeitsmarkt als sehr heterogen beschrieben. Einige Industriebetriebe hätten in den vergangenen Jahren Arbeitsplätze aufgestockt. bei anderen hingegen könne man froh sein, wenn das Niveau an Arbeitsplätzen in der Stadt gehalten werde.

Höchste Zeit für neues Parkhaus

Interessant ist auch, dass es vor allem Arbeiter und Angestellte sind, die tagtäglich weite Strecken zurücklegen – sowohl bei den Ein- als auch bei den Auspendlern. In beiden Fällen bilden sie mit weit mehr als 80 Prozent den Löwenanteil der pendelnden Bevölkerung. Aber es sind auch immer mehr (aktuell mehrere Hundert pro Tag) Auszubildende, die tagtäglich von einer Stadt in die andere fahren, um einen Beruf zu erlernen.

Einen Schluss lassen die Zahlen der Landesstatistiker sicherlich zu: Für das Parkhaus am Stolberger Hauptbahnhof, das in diesem Jahr fertiggestellt werden soll, wird es höchste Zeit. Mit der Regionalbahn fahren von hier jeden Tag Hunderte Stolberger in Richtung Aachen oder Köln zur Arbeit. Das Pendeln mit der Bahn entlastet einerseits die nordrhein-westfälischen Autobahnen und Bundesstraßen. Andererseits ist es auch für die Pendler selbst oft deutlich entspannter als die Fahrt mit dem Privat-PKW.

Insgesamt werden nach Abschluss der Bauarbeiten 377 kostenlose Parkmöglichkeiten in dem neuen Parkhaus (284 Stellplätze) und auf dem angrenzenden Parkplatz (93 Stellplätze) rund um den Hauptbahnhof zur Verfügung stehen. Aus Bahn-Kreisen ist zu hören, dass selbst diese Anzahl an Parkplätzen nicht ausreichen dürfte.

Zum Vergleich: Auf dem Parkplatz, wie es ihn jetzt noch gibt, sind 166 Stellplätze für Autos vorhanden. Rund 3,13 Millionen Euro kostet das Parkhaus-Projekt, einen Großteil davon zahlt der Zweckverband Nahverkehr Rheinland. Parallel zum Parkhaus entsteht unter der Regie der Deutschen Bahn eine barrierefreie Fußgängerbrücke auf den mittleren Bahnsteig. Die alte Unterführung wird zurückgebaut.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert