Stolberg - Stolberg braucht mehr Platz für Asylbewerber

Stolberg braucht mehr Platz für Asylbewerber

Von: Michael Grobusch
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Gleich 98 Asylbewerber waren der Stadt Stolberg für kurzer Zeit im vergangenen Oktober zugewiesen worden. Es handelte sich um einen Ausnahmefall. Grundsätzlich steigt die Zahl der Flüchtlinge jedoch seit dem vergangenen Sommer kontinuierlich. Foto: D. Martinak
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Im Jahr 1991 eigentlich für Aussiedler gebaut, sollen die drei Übergangswohnheime in der Wiesenstraße jetzt ausschließlich für die Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die Entwicklung zwingt die Stadt zu kurzfristigem Handeln: Weil die Zahl der Asylbewerber in Stolberg seit dem Juli 2012 sprunghaft gestiegen ist, muss die Verwaltung für deren Unterbringung zusätzliche Kapazitäten schaffen. Das wird nach einem einstimmigen Beschluss des Sozialausschusses jetzt in der Wiesenstraße geschehen.

Das leer stehende Haus Nummer 92, das 1991 als Unterkunft für Aussiedler gebaut worden war, soll für bis zu 20 Personen hergerichtet werden.

Die Plätze im benachbarten, seit Mitte 2011 für Asylbewerber vorgesehenen Haus in der Wiesenstraße 90 sind aber nicht erst seit diesem Monat allesamt belegt. Schon im vergangenen Dezember hatte die Stadt Handlungsbedarf ausgemacht, weil die zuständige Bezirksregierung Arnsberg der Kupferstadt weitere Flüchtlinge zugewiesen hatte. „Wir sahen uns vor die Alternative gestellt, Wohnungen oder Häuser auf dem freien Markt anzumieten bzw. die Asylsuchenden in Hotels unterzubringen oder aber das Haus in der Wiesenstraße 94 zur Verfügung zu stellen“, blickt der städtische Fachbereichsleiter Willi Seyffarth zurück.

In Absprache mit der Bezirksregierung Köln, die zweckgebundene Fördermittel für den Bau der Immobilie als Aussiedler-Unterkunft gewährt hatte, wurde die Umwidmung vollzogen. „Doch wir sind sehr schnell wieder an unsere Grenzen gestoßen“, so Seyffarth. Und das, obwohl zwischenzeitlich auch das bis dato von Obdachlosen bewohnte Haus Nummer 6 am Büsbacher Kelmesberg Asylbewerbern zur Verfügung gestellt worden war.

Als letzte „Reserve“ bleiben derzeit nur noch jeweils ein Raum in der Wiesenstraße 94 und am Kelmesberg. „Im Sinne einer vorausschauenden Planungen wollen wir deshalb schon jetzt das Haus in der Wiesenstraße 92 umwidmen lassen. Mit dieser Maßnahmen wäre die Stadt Stolberg im Falle eines anhaltenden Flüchtlingsstromes entsprechend vorbereitet“, betont der Fachbereichsleiter.

Das Wort „vorläufig“ schwingt bei diesen Ausführungen allerdings stets mit. Und Willi Seyffarth räumt auf Nachfrage ein, „dass wir uns schon jetzt darauf vorbereiten, in Kürze nach weiteren Unterkünften zu suchen“. Nicht von ungefähr: Aufgrund der Lage in den aktuellen Krisenregionen wird im Rathaus von einem weiteren Anstieg der Zuweisungszahlen ausgegangen, die von der Bundesregierung zugesagte Aufnahme von zusätzlich 5000 Flüchtlingen aus Syrien dürfte sich auch an der Vicht bemerkbar machen.

Und nicht nur das: Die Bezirksregierung Arnsberg hat nach Angaben der Stadt mehrfach darauf hingewiesen, dass die Zuweisungen notgedrungen auch sehr kurzfristig erfolgen können. Dabei hat die Verwaltung keinerlei Wahl. Laut Flüchtlingsaufnahmegesetz sind die Kommunen verpflichtet, die ihnen zugewiesenen ausländischen Flüchtlinge aufzunehmen.

Die Zahl der Asylbewerber ist in den vergangenen zwölf Monaten kontinuierlich gestiegen – von 157 im Juli 2012 auf 229 im Juni 2013. Mehr als zwei Drittel haben aufgrund des Status ihres Antragsverfahrens zwischenzeitlich eine private Wohnung bezogen. 51 sind aktuell in der Wiesenstraße oder am Kelmesberg untergebracht. Die Menschen stammen nach Angaben der Stadt aus Georgien, Serbien, Bosnien, dem Kosovo, Sri Lanka, Pakistan, Afghanistan, Algerien, Nigeria und Syrien.

Ausdrücklich weist die Stadtverwaltung darauf hin, dass die theoretischen Belegungszahlen in den Übergangswohnheimen nicht übereinstimmen (können) mit der tatsächlichen Auslastung. So sind beispielsweise in der Wiesenstraße 90 insgesamt 22 Personen vorgesehen, es leben dort aber, auch wenn die Zahlen schwanken, durchweg weniger.

„Es ist sehr schwierig, jeden Raum, wie vorgesehen, mit drei oder vier Personen zu belegen“, erklärt die Leiterin des Sozialamtes, Katharina Oebel. So können zum Beispiel nur gleichgeschlechtliche Personen einen Raum gemeinsam nutzen, Paare werden nicht gemeinsam mit Einzelpersonen untergebracht. Zahlreiche Flüchtlinge erhalten zudem aufgrund von (psychischen) Erkrankungen ein eigenes Zimmer.

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