Stolberg: Bessere Hilfe für Demenzkranke

Von: Michael Grobusch
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Kann über die gute Erfahrungen in der Jugendhilfe berichten und plant nun auch für Demenzkranke ein Netzwerk in Stolberg: Willi Seyffarth. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die Zahlen lassen erahnen, vor welch großer Herausforderung die Gesellschaft steht: 2020 werden fast acht Prozent der deutschen Bevölkerung älter als 80 Jahre sein. Und für 2030 gehen Fachleute davon aus, dass ein Viertel aller Menschen keine Enkel mehr haben wird. „Demografischer Wandel” heißt das Schlagwort, dem auch diese Entwicklungen zuzuschreiben sind.

Der Anteil der Senioren wird immer größer, und die Lebenserwartung steigt. Steigen werden damit auch die Fälle von Demenzerkrankungen.

Und eben diesem Thema wollen sich Sozialamtsleiter Willi Seyffarth und der neue Seniorenbeauftragte Paul Schäfermeier zukünftig verstärkt widmen.

„Unser Ziel ist es, Stolberg zu einer demenzfreundlichen Stadt zu machen”, nennt Seyffarth den allgemeinen Anspruch, den er mit zwei ganz konkreten Vorgaben unterlegt.

„Wir müssen weg von einer Tabuisierung von Demenz. Und wir müssen in Stolberg ein Netzwerk schaffen, dass betroffenen Menschen und deren Angehörigen alle nötigen Informationen und den Zugang zu bezahlbaren Hilfen bietet.”

Paul Schäfermeier weist noch auf einen weiteren wesentlichen Aspekt hin: „Zukünftig werden demenzkranke Menschen aufgrund der höheren Anzahl häufiger im öffentlichen Leben anzutreffen sein. Auch darauf muss die Gesellschaft vorbereitet werden.”

Einen erster Schritt in die aus ihrer Sicht richtige Richtung haben Seyffarth und Schäfermeier mit der Gründung eines Arbeitskreises gemacht, der auf eine möglichst breite Basis gestellt werden soll.

„Wir wollen die Menschen beteiligen und nicht über deren Köpfe hinweg planen”, betont der Seniorenbeauftragte, mit dessen Einstellung Ende vergangenen Jahres überhaupt erst die personellen Voraussetzungen für eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema Demenz geschaffen worden sind.

Der Arbeitskreis wird sich zunächst etwa alle zwei Monate treffen. „Grundlagenarbeit” steht vorerst auf dem Programm, wobei die Premiereveranstaltung im Zeichen eines ersten Austausches und einer Bestandsaufnahme stand. „Wo stehen wir in Stolberg? Wie werden Demenzkranke gesehen und unterstützt? Und wie soll das in Zukunft sein?”, formuliert Willi Seyffarth drei zentrale Fragen.

Klar ist schon jetzt für alle Beteiligten, dass über die regionale Hilfe, die das von der Verbraucherzentrale NRW getragene Demenz-Servicezentrum Aachen/Eifel bietet, lokale Anlaufstellen geschaffen werden müssen - und das möglichst bald.

„Ehrenamtliche und hauptamtliche Kräfte stoßen auf ihre Grenzen bei der häuslichen Betreuung”, betont Paul Schäfermeier. Eben diese häusliche Betreuung soll möglichst vielen Menschen möglichst lange geboten werden - und das keinesfalls nur wegen der begrenzten stationären Kapazitäten.

Ärzte, Kranken- und Pflegekassen, Pflegedienste und auch Pflegeheime können dazu einen Beitrag leisten, wenn sie ihren Erfahrungsschatz zur Verfügung stellen und sich mit ihrem Wissen auch bei Qualifizierungsmaßnahmen einbringen.

„Ich stelle mir vor, dass wir ähnlich, wie es uns in der Jugendhilfe bereits gelungen ist, auch für Senioren ein enges Netzwerk haben werden”, verweist Willi Seyffarth auf Entwicklungen, die er als Jugendamtsleiter seit Jahren erfolgreich steuert und begleitet.

Schon bald will sich auch der Arbeitskreis Demenz in diese Richtung bewegen. Dabei ist Paul Schäfermeier für Unterstützung aus dem Kreis interessierter und qualifizierter Menschen offen.

Melden können die sich beim Seniorenbeauftragten unter 13376 sowie voraussichtlich ab Mai im neuen Seniorenbüro, das im Eingangsbereich des Rathauses eingerichtet werden soll.
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