Stolberg als Drehkreuz für die Schiene

Von: Jürgen Lange
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Wird immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt des Schienenverkehrs in der Region: Das Gebäude des Stolberger Hauptbahnhofs wird nebst Gleis 43 von der EVS gekauft, die dort ein weiteres Gleis und einen neuen Bahnsteig anlegt, um den Ringschluss nach Alsdorf zu perfektionieren. Foto: J. Lange

Stolberg. „Im Grunde ist es wie bei einer Modelleisenbahn”, stimmt Christian Hartrampf zu. „Nur viel komplizierter und mit jeder Menge Vereinbarungen und Verhandlungen verknüpft.” Während im Maßstab H0 relativ schnell eine neue Oberleitung montiert ist, ist der gleiche Akt im Bereich des Stolberger Hauptbahnhofes bei laufendem Betrieb eine echte Herausforderung.

„Dagegen war der Ausbau der Strecke für die Euregiobahn eine reine Fingerübung”, verdeutlicht der EVS-Geschäftsführer. Denn im Schulterschluss mit der DB Netz legt die Stolberger Euregio Verkehrsschienen GmbH den Grundstein für die Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn ebenso wie für den Ringschluss der Euregiobahn zwischen Stolberg und Alsdorf. Ein Projekt, das in die Millionen geht.

Neue Sicherungstechnik

Allein neun Millionen Euro wird in die Trennung der Oberleitungssysteme und der neuen Leitungssicherungstechnik im Stolberger Bahnhofsbereich investiert. Über drei Kilometer Länge ziehen sich die Gleisfächer des Hauptbahnhofs; 60 Weichen leiten den Schienenverkehr, vier davon sind Schnittstellen zwischen dem Bahn-Netz und den EVS-Gleisen.

In den nächsten Wochen werden die Oberleitungsstrecken dann so an neuen Masten aufgehängt, dass eindeutige Schnittstellen zwischen dem EVS- und dem DB-Netz entstehen. Außerdem werden die Sicherungssysteme und Weichen so ausgerüstet, dass sie durch das neue Elektronische Stellwerk der EVS geschaltet werden können, das im kommenden Jahr seinen Sitz im Gebäude des historischen Hauptbahnhofes bekommen soll.

„Die Aufträge für die technischen Arbeiten sind schon raus”, sagt Hartrampf, und sein Geschäftsführer-Kollege Thomas Fürpeil ist zuversichtlich, die Verträge für den Kauf des Gebäudes aus dem Jahr 1888 mit den einzelnen beteiligten Gesellschaften der Deutschen Bahn noch in diesem Jahr vor dem Notar unterschreiben zu können. „Die Verhandlungen sind schwierig und komplex, aber es besteht eine gute kooperative Zusammenarbeit mit der Bahn”, unterstreicht Fürpeil.

Neben dem zentralen Stellwerk und dem Sitz der EVS-Verwaltung soll die Bahn-Tochter Rail&Schenker verbleiben, die sehnlichst erwartete öffentliche Toilette sowie ein Service-Point eingerichtet werden. „Wichtig ist die soziale Kontrolle, die so erreicht wird”, hat Fürpeil auch die Bekämpfung von Vandalismus im Auge. Das Gebäude selbst soll weitgehend entkernt und unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes saniert und auch das Umfeld entsprechend aufgewertet werden - noch vor dem Ringschluss, der zum Fahrplanwechsel im Dezember 2010 erfolgen soll.

Damit knüpft der Stolberger Hauptbahnhof auch weiter an seine Glanzzeiten als Dreh- und Angelpunkt des Schienenverkehrs in der Region an. Zumal die EVS mit dem Gebäude auch das davor liegende Gleis 43 übernehmen wird. Wo dort heute die Unterführung steht, wird ein 120 Meter langer neuer Bahnsteig entstehen, an dem auch dreiflügelige Talent-Triebwagenzüge halten können, so wie sie derzeit bereits von Herzogenrath aus eingesetzt werden. Und auch der Bahnsteig an Gleis 43 wird bald wieder so aussehen wie einst, als noch der Schienenbus von Stolberg aus nach Alsdorf fuhr: Auf der zur Straße gewandten Bahnsteigseite wird ein Kopfgleis angelegt, das vor dem Bahnhofsgebäude endet.

„Damit werden wir flexibel für unterschiedliche Taktzeiten”, erklärt Hartrampf. Die Euregiobahn kann dann entweder auf dem stumpfen oder dem durchgehenden Gleis halten. Flexibilität macht halt den Personenverkehr auf der Schiene attraktiver. Und auf Basis dieser Infrastruktur kann dann in der ersten Hälfte des Jahres der Spatenstich für den Schluss der Ringbahn erfolgen. Dann fahren die Triebwagenzüge auch wieder auf der Strecke über die Steinbachstraße, an Steinbachshochwald vorbei und über St. Jöris in den Nordkreis, wo über Alsdorf, Herzogenrath und weiter nach Aachen der Kreis zur Kupferstadt wieder geschlossen ist.

Dann, so hoffen die EVS-Geschäftsführer, werden sie sich neben der Verlängerung des dritten Gleises von Langerwehe nach Düren auch um einen weiteren Stolberger Wunsch kümmern dürfen: den als technisch problemlos geltenden Anschluss Breinigs an die Euregiobahn. Es fehlt nur noch der Auftrag durch den Aachener Verkehrsverbund AVV ...
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