„Störungsmelder on tour”: Carolin Kebekus in der Realschule I.

Von: Heike Eisenmenger
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Stolberg. Was sich vor über 60 Jahren im Dritten Reich ereignet hat, ist für die meisten Jugendliche heutzutage ganz weit weg. Die Geschichte als Mahnung einzusetzen, um auf die Gefahr des Rechtsradikalismus aufmerksam zu machen, funktioniert bei vielen jungen Menschen nicht.

Der Zugang zu diesem Thema muss vielmehr mit dem Hier und Heute und mit ihrem eigenen Leben zu tun haben.

Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „Störungsmelder on tour” an. „Störungsmelder” ist ein Blog, also ein Diskussionsforum im Internet, in dem jeder seine Erfahrungen mit Nazis ins Netz stellen kann.

Gerade für die am Internet interessierten Schüler ist der mit dem Grimme-Online-Award 2008 ausgezeichnete Blog ideal um sich auszutauschen. Außerdem debattieren sie im Netz unter anderem mit Politikern, Schauspielern und Journalisten über Rechtsradikalismus.

Der Blog hat mittlerweile den virtuellen Raum verlassen und geht bundesweit in die Schulen. Unterstützt wird die Aktion von dem Verein „Gesicht zeigen”.

Allerdings braucht der Blog ein Gesicht - das bekannte Gesicht eines Prominenten. Zum Beispiel von Carolin Kebekus, die jetzt mit Zehntklässlern der Realschule I. diskutierte.

Die 28-jährige Kabarettistin sprach mit den Jugendlichen in ihrer Sprache - das Eis brach im Nu, sie kam an. Im Zuge des im Dezember gestarteten „Störmelder on tour” hatte zuvor bereits Nachrichtensprecherin Dunja Hayali die Realschule an der Walther-Dobbelmann-Straße besucht.

Dass Prominente für die Initiative stehen, findet Ferdinand Küpper-Jacobs ungemein wichtig. „Sie haben einen ganz anderen Zugang zu den Schülern hätten. Und als Promis haben sie oftmals Vorbildfunktion,” erklärt der Schulleiter.

Bei den Besuchen vor Ort geht es in erster Linie darum, das Bewusstsein der jungen Menschen zu schärfen und sie zu animieren, sich für die Demokratie einzusetzen.

Dass ausgerechnet eine Stolberger Schule von „Störungsmelder on tour” ausgewählt wurde, hat mit der traurigen Berühmtheit der Kupferstadt zu tun, die aufgrund von DVU und NPD im Rat sowie wegen der wiederholten Aufmärsche von Neonazis in die Schlagzeilen geriet.

Viele Stolberger wollen nun verhindern, dass es am 4. April zu einer weiteren rechte Demo kommt wird. Deshalb soll am selben Tag die Aktion „Gemeinsam auf die Straße für ein nazifreies Stolberg” in der gesamten Innenstadt stattfinden. Auch die Realschüler wollen mitmachen. „Wir wissen zwar noch nicht genau, was wir machen werden, beteiligen uns als Schule aber auf alle Fälle”, versicherte Schülersprecherin Michelle Schäfer.

Beim Nachgespräch zu „Störungsmelder on tour” saß auch Willi Seyffarth, Leiter des Stolberger Jugendamtes, mit am Tisch. Er rät Eltern von Kindern, die in die rechte Szene abzurutschen drohen, keinesfalls das Handtuch zu werfen. „Wenn die Eltern ihr Kind aufgeben, ist die Gefahr groß, dass sich der Jugendliche nur noch an der rechtsradikalen Szene orientiert, weil sie das einzige ist, was ihm noch Halt gibt.”

Auch Lehrerin Gabriele Vogt, zuständig für den Bereich „Rechtsradikalismus” an der Realschule, warnt vor Überreaktionen. „Der Schuss kann auch leicht nach hinten losgehen und eine pubertäre Trotzreaktion bei den Jugendlichen hervorrufen”, rät sie zu einem behutsamen Herantasten.

Das Projekt „Störungsmelder on tour” wird vom Bundesjustizministerium finanziell unterstützt. Allerdings läuft die Förderung in diesem Jahr aus und muss im Sommer neu beantragt werden.
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