Stolberg - Stille und Ungewissheit am Stolberger Hauptbahnhof

Stille und Ungewissheit am Stolberger Hauptbahnhof

Von: Nadine Preller
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Geschichten und Erlebnisse über unliebsame Verspätungen der Deutschen Bahn gibt es wie Sand am Meer - was der fortwährenden Entrüstung so mancher Reisender jedoch keinen Abbruch tut.

So reagierte jetzt wieder ein Stolberger Bürger mehr als entrüstet, als er am vergangenen Dienstag, 24. Januar, gegen 6.30 Uhr morgens in gewohnter Manier auf seinen RE 9 am Stolberger Bahnhof wartete. Doch da tat sich weder auf den Gleisen etwas, noch klärte eine Lautsprecherdurchsage über einen Ausfall des Zuges Richtung Köln auf.

„Da auf dem Bahnhof immer noch keine elektronischen Infotafeln angebracht sind, wartete ich ahnungslos mit anderen Fahrgästen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt”, berichtet der Stolberger verärgert. „Keine Wartehalle, kein Kaffeeautomat. Es gab keine Informationen.” Dass der Reisende bald darauf aus anderen Kanälen erfuhr, es hätte einen Noteinsatz gegeben, stimmt ihn heute nicht minder milde.

„Für so etwas kann niemand etwas. Was mir aber stinkt: Ich finde es schlicht und ergreifend eine Unverschämtheit, die eigenen Kunden fast eine Stunde lang ohne jegliche Information in der Kälte stehen zu lassen. Auch ein Versuch, an der Infosäule etwas zu erfahren, endete letztlich in einer Warteschlange und der ständigen Durchsage: Einen Moment, Sie werden sofort verbunden.”

Harter Schlag auf Verkleidung

Und was sagt die Deutsche Bahn zu dem Vorfall? Tatsächlich handelte es sich vor zwei Tagen um einen Noteinsatz, wie ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt. Vielmehr: Man glaubte zunächst an einen Personenschaden. Der Lokführer des besagten RE 9 hatte nämlich während seiner Fahrt einen harten Schlag auf die Verkleidung des Zuges verspürt, woraufhin er die Bahn sofort stoppte und den Fall meldete.

„Wenn wir über so etwas informiert werden, dann muss routinemäßig alles ausrücken: Rettungskräfte, Bundespolizei. Die ganze Strecke muss gesperrt werden”, so der Bahn-Sprecher. Gefunden habe man nach längerer Suche aber nichts. „Vielleicht war es ein Reh, das später verletzt flüchtete”, vermutet er.

Und warum keine Durchsage? „Die Sachlage ist in diesem Fall sehr schwierig”, heißt es bei der Bahn. „Normalerweise erfolgt schnell die Freigabe für die Durchsage eines Personenunfalls. Da wir aber lange Zeit selbst nicht wussten, was genau passiert war, durften wir auch keine Infos weitergeben. Es hätte ja auch jede Minute weitergehen können.” Tat es aber nicht. Erst nach rund einer Stunde rollten die Züge und flossen die Informationen am Bahnhof wieder.

Dem Stolberger Reisenden wurde es schon früher zu bunt: „Irgendwann hatte ich die Nase voll”, sagt er und stieg am besagten Morgen nach einer Viertelstunde durchgefroren in sein Auto, fuhr über die Autobahn zur Arbeit. Ob er die Fahrtkosten erstattet bekomme, sei allerdings noch ungewiss.
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