Stille Örtchen Mangelware: Toiletten-Test in der Innenstadt

Von: Thomas Waltl und Laura Beemelmanns
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Kein besonders einladendes Örtchen: An der Jordanstraße stehen noch immer die unschönen Reste der ehemaligen öffentlichen und unterirdischen Toiletten. Inzwischen dienen sie nur noch als Müllhalde und rotten vor sich hin. Foto: T. Waltl

Stolberg. Einige Stolberger Bürger kritisieren das mangelnde Angebot an kostenfrei zugänglichen stillen Örtchen in der Kupferstadt. Denn eine von der Stadt betriebene öffentliche Toilette gibt es zurzeit nicht.

„Es besteht die Möglichkeit, die Toiletten im Rathaus zu benutzen oder in Gaststätten zu fragen“, sagt Sprecher der Stadt, Robert Walz. Zudem, so sagt er, sei das Aufstellen einer solchen öffentlichen Anlage immer die eine Sache. Die Kostenfrage eine andere. Denn eine öffentlich genutzte Toilette so sauber zu halten, dass sie für jeden ansprechbar wäre, sei nahezu unmöglich.

Die Möglichkeit der Einführung der „netten Toilette“, die nun auf Vorschlag eines Bürgers zur Diskussion steht, werde derzeit von der Wirtschaftsförderung geprüft. „Die nette Toilette“ verfolgt das Konzept, dass Gastronomen und Stadt zusammenarbeiten. Das bedeutet, die Stadt unterstützt die Gastronomen finanziell bei der Pflege der Toiletten und spart somit Geld für teure eigene Anlagen, der Gastronom erhält Geld für sein schon bestehendes WC und die Toilettennutzer ein flächendeckendes Netz an frei zugänglichen Toiletten, die auch sauber und gepflegt sind. Bundesweit gibt es bereits 190 Städte und Gemeinden, die das öffentliche Örtchen anbieten.

Doch wie schaut die Toiletten-Lage aktuell in Stolberg aus? Darf man einfach in die nächste Gaststätte gehen, um nur seinen Bedürfnissen nachzukommen? Und sollte es einmal so ein Konzept wie „Die nette Toilette“ geben, sind die Angebote dann auch barrierefrei? Wir haben den großen Toiletten-Test im Zentrum der Kupferstadt gemacht und erstaunliche Erkenntnisse gewonnen.

Genügend Toiletten in Stolberg

Die Lage in der Stolberger Altstadt, was die Toiletten betrifft, ist eigentlich sehr entspannt. Zumindest ab 12 Uhr, schließlich öffnen die umliegenden Kneipen frühestens zu Mittag, wenn nicht sogar erst noch später. In den drei getesteten Kneipen durften wir ohne Probleme kostenlos die Toiletten aufsuchen.

Stephanie Kreusch-Fischer von „The Savoy“ hat bislang auch noch nie Geld dafür verlangt, wenn Personen nur auf die Toilette wollten. Sollten aber anstatt ein, zwei Personen auf einmal zehn oder 20 pro Tag kommen, würde sie sich schon etwas überlegen: „Durch die Toilettenbesuche entstehen ja Energiekosten für uns. Wenn jetzt der Toilettenpapier- und der Wasserverbrauch durch Gäste, die nur das WC aufsuchen möchten, stark ansteigen würde, wären wir wohl gezwungen, einen Kostenbeitrag dafür zu verlangen.“

Auf dem Weg in Richtung Rathaus schaut es dann schon etwas anders aus. Während wir beim Bistro Platia unser Geschäft kostenlos verrichten konnten, mussten wir in der Gaststätte gegenüber 50 Cent bezahlen. Der Grund dafür ist auf die Instandhaltungskosten zurückzuführen. „Früher war dieser Service kostenlos. Wir sind aber ein paar Mal sozusagen ,auf die Schnauze gefallen‘ und uns wurden die Toiletten versaut. Die Idee mit der ‚netten Toilette‘ fände ich persönlich daher sehr sinnvoll“, sagt die Mitarbeiterin.

In drei weiteren Eisdielen und Cafés hängen auch Informationszettel an den Klotüren, dass der Toilettenbesuch, wenn man keine Speisen oder Getränke konsumiert, 50 Cent kostet. Als wir aber freundlich nach dem stillen Örtchen fragen, müssen wir zu unserem Erstaunen doch nichts bezahlen.

Ein Rentner, den wir zum Thema befragen, hatte nicht so viel Glück und musste schon häufiger in Gaststätten für den Toilettenbesuch bezahlen. Das Thema „öffentliche Toiletten in Stolberg“ sieht er jedenfalls sehr kritisch: „Vor etlichen Jahren, als ich noch jünger war, gab es genügend öffentliche WC-Anlagen hier in der Innenstadt. Mittlerweile ist das in Stolberg eine große Katastrophe. Da würde eine ‚nette Toilette‘ sehr gelegen kommen. Oder die Gaststätten stellen eine kleine Schüssel vor die Toilette und fragen sich eine freiwillige Spende, das würde ich auch noch verstehen.“

In Richtung Mühle nimmt die Zahl der Gaststätten zwar ab, Möglichkeiten, kostenlos das stille Örtchen zu besuchen, gibt es aber noch genug.

Fast alle sind sehr sauber

Der Zustand der getesteten Örtlichkeiten in der Innenstadt war im Großen und Ganzen sehr zufriedenstellend. Überall gab es genügend Toilettenpapier, die Seifenspender waren gut gefüllt und auch die Sauberkeit war in den meisten Fällen gegeben. Auf einer der Toiletten fehlte der Deckel, die Heizung rostete und die Wände waren nicht so schön anzusehen, im Fall der Fälle sind aber alle Toiletten zu nutzen.

Im Stolberger Bahnhof erwartet die Reisenden und Kunden des Service-Punktes sogar fast schon reiner Luxus. Es gibt je Toiletten für Frauen, Männer und Behinderte. Die Räumlichkeiten sind schön hell, sauber und groß. Auf der Damentoilette gab es sogar geblümtes Toilettenpapier. Doch auch hier werden 50 Cent fällig – allerdings als Warengutschein. So können die Kunden das Geld gleich in einen Schokoriegel investieren.

„Die Toiletten werden gut angenommen, aber nicht immer sauber hinterlassen“, sagt einer der Geschäftsführer des Service-Punktes, Norbert Schommer. „Es gibt auch viele Ferkel.“ Um wirklich für jeden Kunden zu garantieren, dass die Hinterlassenschaften des Vorgängers von einer Reinigungskraft weggewischt werden, müsste Schommer mehr verlangen. Mit der aktuellen Personalstärke sei das nicht immer möglich. Geplant sei dies jedoch vorerst nicht.

Die Toiletten am Service-Punkt des Stolberger Bahnhofs sind also auf dem neuesten Stand, schließlich gibt es die Anlagen erst seit gut einem Jahr. Während die Anlagen dort barrierefrei zugänglich sind, schaut die Situation für Behinderte in der Alt- und Innenstadt teilweise nicht so gut aus. Vor allem in den länger bestehenden Kneipen und Restaurants, die folglich auch in älteren Gebäuden beheimatet sind, müssen die Gäste viele Stufen gehen, um das stille Örtchen zu erreichen.

Bei manchen Cafés und Eisdielen sind die Wege von den Innenräumen zu den WC-Anlagen zwar barrierefrei und leicht zu erreichen, jedoch sind die Eingänge zu den Räumlichkeiten meist mit zwei, drei Stufen versehen. Leicht erreichbar für Behinderte ist die Bäckerei Moss. Vom Eingang bis zur Toilette ist die Bäckerei am Bastinsweiher barrierefrei.

Unser Fazit: Saubere Toilettenanlagen in der Stadt Stolberg gibt es zur Genüge. Meistens sind diese sogar kostenfrei oder zumindest für den geringen Beitrag von 50 Cent, können die stillen Örtchen genutzt werden, ohne Speisen und Getränke zu konsumieren. Ein sinnvolles Konzept wie die „nette Toilette“ würde dennoch vielen Gastwirten und Bürgern von Stolberg gerade recht kommen.

Dann braucht sich kein Stolberger mehr Sorgen zu machen, ob er sich beim gemütlichen Stadtbummel kostenlos erleichtern kann oder eben nicht.

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