Stolberg - Stetig ist der Wandel, aber die Rückkehr von Ulrich Küsters gewiss

Stetig ist der Wandel, aber die Rückkehr von Ulrich Küsters gewiss

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. „Stetig ist der Wandel”, sagt Ulrich Küsters, und am Bücherregal hinter seinem Schreibtisch ist zwischen Fächer, goldenem Drachen und Uhr auch das „Fu” zu finden, das chinesische Zeichen für Glück und Wohlstand.

Das wird der Geschäftsführer von Leoni-Kerpen in Stolberg zukünftig im Heimatland confuzischer Weisheiten nachspüren, denn ebenso stetig wie der Wandel in der wirtschaftlichen Entwicklung ist, so wandelt sich das Leben auch für den 57-jährigen Manager selbst, wenn er im kommenden Monat seine neue Aufgabe antritt - in Changzhou, eine für chinesische Verhältnisse mittelgroßen Stadt mit vier Millionen Einwohnern in der Nähe von Shanghai.

Dort übernimmt Ulrich Küsters die Leitung der „Business Area China” des Leoni-Konzerns mit dem Titel eines Vice-Presidents. Seine neue Herausforderung bedeutet koordinieren, zusammenfassen, Synergien entdecken und für Effizienz zu sorgen unter den acht Werken, mit denen der Konzern aus Nürnberg bereits vor Ort ist auf einem Markt, der sich rasant entwickelt.

„Leoni will teilhaben am Wirtschaftswachstum vor Ort”, sagt Ulrich Küsters. Prägten die Briten mit ihrem Empire das 19.Jahrhundert, die Weltmacht USA das 20.Jahrhundert, so wird China die bestimmende wirtschaftliche Nation des 21.Jahrhunderts sein.

Mit acht Werken am Markt

1993 wagte das deutsche Kabel- und Elektronikunternehmen mit einem Joint Venture zur Fertigung von Steckerkabeln in Xiamen den ersten Schritt auf den chinesischen Markt, baute konsequent Draht-, Automobilkabel- und Bordnetzfertigung aus und stieg 2000 in die Produktion von Telekommunikationskabeln in China ein.

Jetzt will die Aktiengesellschaft mit der kompletten Wertschöpfungskette von der Forschung und Entwicklung, über Einkauf und Fertigung bis zu Vertrieb und Service sein komplettes Portfolio dem chinesischen Markt zur Verfügung stellen - ein Weg vom Zulieferer für europäische und amerikanische Märkte hin zum aktiven Bestandteil des chinesischen Wirtschaftswachstums. Und das verspricht selbst in diesen Zeiten Margen von zehn Prozent.

Die Erschließung des lokalen Kundenkreises hat denn auch Aufsichstsratsvorsitzender Dr. Klaus Probst als zentrale Strategie für die Aktiengesellschaft ausgegeben. Geführt von einem deutsch-internationalen Management übernehmen chinesische Facharbeiter die Produktion vor Ort. Rund 2000 Mitarbeiter stehen in China bei Leoni in Brot und Arbeit - mit steigender Tendenz. Werke sind in Liuzhou, Xiamen, Changchun, zwei in Shanghai und in Changzhou - der neuen Heimat von Fatima und Ulrich Küsters.

Den reizt die neue Herausforderung besonders, wurde er bereits während eines Urlaubs vor fünf Jahren von der Faszination der vielfältigen Nation gepackt, nachdem er bereits 2004 ein Vertriebsbüro für das noch in Familienhand befindliche Kerpen-Werk in Shanghai überwiegend von Stolberg aus geleitet hat.

Peu a peu hat sich Ulrich Küsters mit der chinesischen Sprache vertraut gemacht. „Es reicht für die Konversation, aber ich arbeite intensiv weiter daran”, sagt er. Und bei der kulinarischen Vielfalt der asiatischen Nation hat er schnell ausgemacht, was besonders gut mundet und wovon der europäische Magen und Gaumen besser die Finger lassen sollte.

Und neben der spannenden beruflichen Herausforderung lockt den Stolberger das Land. „Ich möchte die unterschiedlichen Regionen näher kennenlernen”, hat Küsters sich für seine Freizeit vorgenommen. Natürlich auch das Meer, denn der 57-Jährige ist passionierter Segler. Ein Hobby, dem der Beruf viel zu wenig Zeit lässt.

Ein Umstand, den Küsters auch in China erwartet. Zwar bescheinigt er der chinesischen Regierung eine gute Wirtschaftspolitik, aber auch dort steht die Gesellschaft vor Veränderungen. „Die sozialen Spannungen sind spürbar”, konstatiert der Manager insbesondere beim Vergleich zwischen ländlichen Regionen und wirtschaftlichen Ballungszentren.

„Bisher hat die Regierung vor allem die unternehmerischen Aspekte in ihrer Politik herausgestellt”, bescheinigt der Stolberger eine Trendwende hin zu einer Stärkung der Arbeitnehmerseite und zu sozialen Sicherungssystemen.

Nachfolger ist Martin Moser

„Es sind kräftige Lohnsteigerungen zu erwarten”, erkennt Ulrich Küsters die Herausforderung für sein Unternehmen, dennoch erfolgreich sein zu müssen auf einem Markt, für den er Leoni gut aufgestellt sieht mit seinen beiden Abteilungen: Bordnetzsysteme (WSD) insbesondere für die Kfz-Industrie sowie Draht und Kabel (WCS) mit Kunden in den Bereichen Telekommunikation, Industrie, Raffinerie- und Robotertechnik.

Jeweils vier der acht Betriebe gehören zu den beiden Sparten. In Changzhou sind gleich drei Betriebe der WCS-Abteilung beheimatet, zu der auch Leoni-Kerpen in Stolberg zählt.

In der Kupferstadt erlebte Ulrich Küsters einen großen Teil seiner Karriere. Geboren in Krefeld studierte er nach einer Banklehre Betriebswirtschaft in Köln, absolvierte ein Auslandsjahr in USA und Mexiko, wo er das südamerikanische Geschäftstätigkeit kennen lernte. Eine gute Ausgangsbasis, um 1984 für Grünenthal in den Vertrieb nach Ecuador zu gehen. Nach dreieinhalb Jahren kehrte er zurück in die Zentrale nach Stolberg und wurde 1992 von Heinz Kerpen als Finanzchef abgeworben.

Als sich der Seniorchef 1999 aus dem Familienunternehmen zurückzog, bestellte er Ulrich Küsters zum Geschäftsführer, was er auch nach der Übernahme durch Leoni 1999 geblieben ist. In den Wochen vor seiner Abreise arbeitet er Martin Moser, der von Leoni in Jena nach hier gewechselt ist, bereits als Nachfolger in die kaufmännische Geschäftsführung ein.

So beständig der Wandel im Leben von Ulrich Küsters auch ist, so sicher steht für den „Vice President” fest, dass er nach Stolberg zurückkehrt. Vielleicht nach drei Jahren, für die er zunächst in China engagiert ist, vielleicht auch erst in zehn Jahren, um dann hier mit seiner Ehefrau Fatima den Ruhestand zu genießen.

Sie wird mit ein wenig Verspätung nach China folgen: Nachdem der Pont du Valognes in der Burgstraße, die Brücke die die Partnerschaft Stolbergs mit der französischen Stadt dokumentiert, im November mit einem Festakt offiziell eingeweiht ist.

Die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees, die auch sich auch bei der Stolberg-Touristik einbringt, will in Changzhou ihrem Hobby treu bleiben. „Wenn Fatima sich mit der Sprache vertraut gemacht hat, will sie sich auch in China touristisch engagieren”, sagt Ulrich Küsters und blickt auf spannende Zeiten, in denen beruflich wie privat Land und Leute in einem ebenso aufstrebenden wie interessanten Land einen reizvollen und abwechslungsreichen Alltag bestimmen werden - mit ein wenig „Fu”.
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