Stellplatz für Wohnmobil-Touristen: Nach zehn Jahren fündig geworden

Von: Jürgen Lange
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St. Johannes Baptist im Blick und den Spielplatz zur rechten Hand: Unter den Bäumen der Grünfläche hinter der Vichter Mehrzweckhalle soll Stolbergs erster Stellplatz für Wohnmobil-Touristen entstehen. Vier Parkbuchten sollen hier möglich sein. Foto: J. Lange
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Flamen als Vorreiter: Mit dem Stolberg-Besuch „Limburgse Motorhome Club“ begann vor zehn Jahren die Suche. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Es ist jetzt zehn Jahre her, da schwappte die Welle der Begeisterung für Camper durch die touristische Aufbruchstimmung der Kupferstadt. Mit Dr. Robert Datzer wird ein renommierter Experte für die Erarbeitung eines städtischen Tourismus-Konzeptes beauftragt, die Eröffnung einer ersten eigenen Tourist-Information wird vorbereitet, der „Limburgse Motorhome Club“ wird zum Vorreiter in Sachen Tourismus.

Mit rund 80 Teilnehmern und 40 Wohnmobilen machen die Flamen ein Wochenende lang Station am Zinkhütter Hof, um Museum, Natur und Altstadt zu erkunden.

Immerhin sagen die Touristiker, dass die „Best Ager“, die gut situierten Reisenden über 50 Jahre, eine ausgesprochen interessante Zielgruppe für Stolberg sind. Im Schnitt 37 Euro geben sie pro Tag am Urlaubsort aus. Tages- und Kurztripps liegen im Trend. Der Ruf nach einem Übernachtungsplatz für Wohnmobil-Touristen wird laut. Die Städteregion würde sich mit 20.000 Euro beteiligen an einem auf 60.000 Euro Kosten kalkulierten Standort für sechs Camper. Nur eben dieser bleibt über die Jahre hinweg ein Problem.

Zahlreiche Standorte werden untersucht und aus vielerlei Gründen wieder verworfen: die Wiese eines ehemaligen Spielplatzes an der Vicht unterhalb des Hammerbergs, eine Freifläche am Duffenter, der Parkplatz Krautlade und der Parkplatz am Mühlener Ring gegenüber dem Euregiobahn-Haltepunkt. Entweder stimmt die Infrastruktur nicht, ein anderes Mal gibt es Bürgerprotest oder der politische Konsens fehlt angesichts von Vorzügen und Nachteilen.

Die Suche scheint ebenso im Nichts zu enden wie der seit über 35 Jahren nicht gefundene Standort für einen Jugendzeltplatz. Kurz vor dem Aus der Überlegungen wird ein aus Stolberger Sicht idealer Platz entdeckt: die Wiese hinter der Villa am Zinkhütter Hof. Aber diesmal sind die Bezirksregierung und der Landschaftsverband, die im Jahr 2009 ihre Zustimmung mit Blick auf den Denkmalschutz verweigern.

Dann wird es ruhig um das Thema. 2015 folgt noch einmal ein Vorstoß der FDP, den Platz unterhalb der Waschanlage der Finkensiefstraße zu verwenden. Dieser Innenstadt nahe Standort kann noch ebenso geprüft werden wie ein Platz an der Brauereistraße oder die P+R-Anlage Mühlener Bahnhof, erklärt Robert Voigtsberger in seiner Vorlage für den am 15. Februar tagenden Tourismusausschuss. Aber der erste Wohnmobil-Stellplatz soll in diesem Jahr in Vicht realisiert werden, erklärt der Erste Beigeordnete weiter: auf der kleinen Wiese neben der Mehrzweckhalle und dem Spielplatz an der Rumpenstraße.

Diese Liegenschaft wird bereits Ende vergangenen Jahres bei einem Bürgerdialog der CDU thematisiert. Die Fäden laufen bei Jochen Emonds zusammen. Der Vichter Ratsherr ist Vorsitzender des Tourismusausschusses und engagiert in der IG Schönes Vicht wie auch im dortigen Dorfladen. „Das Projekt verknüpft idealerweise Vorteile für Besucher, Vicht und Stolberg“, sagt der 33-Jährige. IG-Vorstand und Trägerverein seien von der Idee begeistert. Der häufig von Reisenden besuchte Dorfladen sowie die vielfältige Gastronomie im Ort kann die Nahversorgung der Touristen sicherstellen.

Der Stellplatz liegt direkt am Einstieg zum atmosphärischen Lehmjöres-Wanderweg mit vielen Verknüpfungspunkten zu weiteren Premiumrouten. Die einfache Busfahrt von Vicht Kirche aus zur Innen- und Altstadt ist mit dem Stolberg-Ticket zum Spartarif für 1,80 Euro zu haben. Die Lage leicht abseits der Landesstraße, neben einem Spielplatz und unter lauschigen Bäumen sei der ideale Ort zum Ausspannen im Wohnwagen und als Ausgangspunkt für Unternehmungen.

Auch Voigtsberger sieht das so. Es gebe zwei nachgefragte Standortstrukturen für Stolberg: Altstadtnähe oder Natur. Da biete sich die Rumpenstraße geradezu an, argumentiert der Beigeordnete. Vor allem weil der Platz dort auch umsetzbar sei. Denn untersucht hat die Verwaltung weitere Ansätze im Außenbereich: Stockemer Straße, Im Steg, Am Tomborn, Helenasruh, Mauerstraße und Solchbachtal. Sie mussten alle aufgegeben werden – aus altbekannten Gründen: Anwohnerproteste, unzureichende Infrastruktur, planungsrechtliche Probleme, Grunderwerb oder zu hohe Kosten.

Für rund 45 000 Euro könnten unter den Bäumen an der Rumpenstraße vier Stellplätze geschaffen werden. Investiert werden muss in Strom-, Kanal- und Wasseranschluss, Sichtschutz sowie die Herrichtung mit Rasengittersteinen. Voraussetzung für die Umsetzung sei allerdings, dass es den erwarteten Zuschuss aus dem EU-Leader-Programm über 65 Prozent gebe, so Voigtsberger weiter. Im Haushalt ist das Projekt bereits für dieses Jahr verankert.

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