Steinschlag und Deformationen: Der Felsen der Stolberger Burg bröckelt

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Steinschlag, wie hier in diesem Bereich des unteren Burghofes, und Risse im Mauerwerk wurden an mehreren Stellen des Wahrzeichens festgestellt. Die Burg und ihr Felsen sollen von Gutachtern untersucht werden. Foto: J. Lange

Stolberg. Ohne Zweifel ist sie des Stolbergers liebstes Gebäude: Die Burg ist nicht nur das Wahrzeichen und auch das am meisten fotografierte Objekt in der Stadt. Aber wie sicher ist die Burg und der Kalkfelsen, auf dem sie erbaut wurde, überhaupt noch?

Diese bange Frage stellen sich nicht nur Anwohner, sondern auch die Verwaltung sieht sich nun veranlasst, das im Laufe der Jahrhunderte zerstörte und immer wieder umgebaute Ensemble einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: Steinschlag gefährdet Passanten und Gebäude unterhalb der Feste.

Erst vor wenigen Wochen wurden an verschiedenen Stellen unterhalb der Felsböschung des unteren Burghofes Ausbrüche von Gestein entdeckt. Da waren just Vertreter der Verwaltung eines geotechnischen Büros zu einer Ortsbesichtigung angerückt. Im Laufe der vergangenen drei Jahre hat sich die Situation offensichtlich verschärft. Bereits 2014 hatte es einen größeren Felsabbruch des Burggeländes zum Grundstück der Pfarre St. Lucia hin gegeben.

Nach einer Untersuchung der betroffenen Stelle durch besagtes Ingenieurbüro ließ die Stadt dort Felsbrocken entfernen, die abzubrechen drohten. „Seitdem nehmen städtische Mitarbeiter die Felsen regelmäßig in Augenschein“, bestätigt Tobias Röhm gegenüber unserer Zeitung. „Kürzlich haben sich erneut kleinere Felsstücke gelöst“, so der Technische Beigeordnete weiter. Betroffen waren erneut das Kirchengelände sowie der Platz am Burgofen. Zudem bestätigt Röhm in Teilbereichen „Deformationen an den Bruchsteinmauern“.

Erste Sicherungsmaßnahmen

Die Verwaltung habe Sicherungsmaßnahmen veranlasst, erklärt der Beigeordnete. So sind beispielsweise der Felsen und gemauerte Stützwände am kleinen Parkplatz neben dem Pfarrhaus am Luciaweg durch Gitter abgesperrt. Das alleine wird durch die Verwaltung aber nicht mehr als ausreichend angesehen. „Die neuerlichen Ausbrüche erfordern aus unserer Sicht eine intensive Begutachtung durch ein Fachbüro, um die Verkehrssicherheit auch zukünftig für alle Besucher, Nutzer und Anlieger gewährleisten zu können“, erklärt Röhm. Am Donnerstag soll der Vergabeausschuss in nicht öffentlicher Sitzung ein entsprechendes Gutachten beauftragen.

Bei den Untersuchungen sollen die Standsicherheit und potenzielle Versagensmechanismen der Felswände und Bruchsteinmauern geprüft, sowie Empfehlungen für das weitere Vorgehen gegeben werden. Die Gutachter hatten bereits bei vorangehenden Besichtigungen das Lösen kleinerer Steine oder Blöcke dokumentiert. Zudem wurde festgestellt, dass die bestehenden Bruchsteinmauern ebenfalls Ausbrüche zeigen sowie „aufgrund des vorhandenen Bewuchses teilweise deutliche Veränderungen des Fugenverbandes, die von der Lageveränderung einzelner Steine bis zu großflächigen Ausbauchungen des Mauerwerkes reichen“.

Aufgrund des teilweise umfassenden Bewuchses kann ein Großteil der Böschungen und Mauern erst nach der Vegetationsperiode begutachtet werden. Begonnen werden soll zeitnah mit den bereits jetzt frei zugänglichen Bereichen, wo Veränderungen während der Frostperiode überprüft werden sollen. Wo es mit einfachen Mitteln möglich sei, möchte die Verwaltung in Teilbereichen das vorhandene Efeu auch einfach stutzen, damit die Gutachter an Gemäuer und Felsen kommen können.

Ergebnisse bis Anfang 2018

Insbesondere die Felsböschung auf dem oberen Burghof, die Steinmauer auf dem Weg zum unteren Burghof, die Brückenwiderlager Fußgängerbrücke, der Stolleneingang am unteren Burghof sowie die Steinmauern im Norden und Westen der Burganlage sollen dabei ins Visier genommen werden.

Aufgrund dieser Situation und wegen des Umfanges wird das Gutachten vermutlich Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden können. Aber sollten sich im Rahmen der Untersuchungen Hinweise auf einen aktuellen Handlungsbedarf ergeben, dann wollen die Gutachter in Zwischenberichten ganz aktuell Ergebnisse präsentieren.

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