Steinbruch als Naturschutzgebiet sichern

Von: oha
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Auch eine Kindergartengruppe des Evangelischen Gemeindezentrums Bergstraße besucht regelmäßig den früheren Steinbruch Gehlen. Die Kinder sind immer begeistert von den Pflanzen und Tieren, die sie finden. Foto: O. Hansen
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Zwischen aufgetürmten Steinen sind inzwischen auch Eidechsen heimisch geworden. Foto: O. Hansen
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An vielen Ecken trifft der Besucher auf Müll und Scherben. Foto: O. Hansen

Stolberg. Aus dem früheren Steinbruch Gehlen an der Bergstraße ist ein prachtvolles Biotop geworden. Mit viel Natur, Wanderwegen und einer besonderen Vielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt. Leider gibt es immer wieder Zeitgenossen, die das Areal nahe der Burg als wilde Müllkippe missbrauchen und Zerstörungen hinterlassen.

Bei einer kleinen Führung durch das Grubengelände machte Anwohner Walter Meuthen (77) Bürgermeister Tim Grüttemeier und eine Gruppe Interessierter jetzt auf die Schönheiten des Geländes, aber auch auf die angerichteten Schäden aufmerksam.

Beim Betreten des Steinbruchs von der Bergstraße aus passiert der Naturfreund gleich zu Beginn die Überreste der Brennöfen, in denen bis in die 60er Jahre hinein die aus dem Gestein gebrochenen Kalksteine auf über 1000 Grad erhitzt wurden.

Nach dem Abkühlen in Wasser zerfielen die Steine zu Kalk, der später zu Mörtel oder Wandfarbe verarbeitet werden konnte. „Wir haben als Kinder oft hier gespielt“, erinnerte sich Meuthen, dass er oft mit seinen Freunden die Sprengung der Kalksteine aus dem Bergmassiv heraus beobachtet hatte.

„Die los gesprengten Steine wurden dann eingesammelt, mit dem Hammer zerkleinert und im Ofen erhitzt“, schilderte Meuthen seinen Gästen den Arbeitsvorgang im Steinbruch. Häuser in der Josefstraße seien mit den Kalksteinen aus dem Steinbruch erbaut worden. Ebenso sei die Burg regelmäßig mit den Steinen repariert worden.

Inzwischen gehört das Gelände der Stadt. Förster Theo Preckel erläuterte der Besuchergruppe, dass er das Naturgebiet mit seinem Team zwei Mal im Jahr auf Vordermann bringe. Gegen Vandalen, Müllentsorger oder die Hinterlassenschaften der Hundehalter sei aber kaum etwas auszurichten, bedauerte Preckel. Erst unlängst habe man eine völlig zerstörte Bank erneuern müssen.

Auf das Aufstellen von Abfalleimern habe die Stadt bewusst verzichtet: Preckel: „Die Leute bringen sonst ihren ganzen Hausmüll hierher.“ In einer kleinen Schutzhütte hatten Unbekannte Feuer gelegt, sie brannte völlig nieder. Die Folien des kleinen Teiches wurden zerfetzt, so dass der Wasserspiegel immer weiter sinkt. Aus dem Teich fischte Meuthens Enkeltocher Jil (14) demonstrativ säckeweise leere Flaschen. Hinzu kommen oft Utensilien von Drogenkonsumenten.

Zumindest was die Hundehaufen angeht, soll jetzt ein Versuch auf Verbesserung der Situation unternommen werden. Auf Bitten der Gruppe sagte Bürgermeister Grüttemeier zu, in dem Parkgelände testweise eine eigens gekennzeichnete Fläche als Hundetoilette anlegen zu lassen. Diese könne dann regelmäßig gereinigt werden. Umweltsünden sollen außerdem von Mitarbeitern des Ordnungsamtes strenger geahndet werden.

Walter Meuthen schwärmte der Besuchergruppe von der „wunderbaren Stille zum Abschalten“ und der Artenvielfalt im Steinbruch vor: „Hier sind Turmfalken, Eisvogel, Specht und auch der Fuchs zu Hause. In einem Haufen von Steinbrocken sind inzwischen die Mauereidechsen heimisch geworden. Eine Kindergartengruppe des Evangelischen Gemeindezentrums Bergstraße kam gerade von dem kleinen Weiher in der Mitte der Grube zurück, als Meuthen und seine Gäste das Gewässer ansteuerten.

„Wir haben Schnecken, Kaulquappen und kleine Fische gesehen“, schwärmten die Kinder von ihrem Ausflug ins Naturschutzgebiet. Wer den Steinbruch durchquert und den Weg zur höchsten Stelle im Gelände nimmt, stößt dann wieder auf eine Bank, deren Rückenlehne nur noch zur Hälfte vorhanden ist, auf mehrere Feuerstellen und einen großen Berg aus wildem Müll.

Doch Meuthen und seine Gruppe suchten diesen Punkt aus einem anderen Grund auf. Von hier aus könnte man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und die Burg haben, wenn nicht zu viel Grün die Sicht versperrte. Förster Preckel versprach zu prüfen, ob dort nicht im Winter ein Baum gefällt werden könnte, um für freie Sicht zu sorgen.

Der Forstexperte will auch noch einmal den Versuch wagen, drei Tafeln aufstellen zu lassen, auf denen den Besuchern die Geschichte des Steinbruchs erläutert wird. Derartige Tafeln hatte es schon einmal gegeben, aber auch sie waren von unbelehrbaren Zeitgenossen zerstört worden.

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