Steigende Flüchtlingszahl: „Turnhallen sind die absolute Notlösung“

Von: Michael Grobusch
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Die Flüchtlingsunterkünfte an der Wiesenstraße sind voll belegt. Auch in weiteren Wohnung mit städtischem Belegrecht sind die Kapazitäten ausgeschöpft. Foto: M. Grobusch
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Er will mit Hilfe des „Stolberger Flüchtlingsdialogs“ die Hilfsmaßnahmen in Stolberg koordinieren: Robert Voigtsberger.

Stolberg. Und dann fiel das Wort, das für plötzliche Unruhe im Ratssaal sorgte: Turnhallen. Es tagte der Sozial- und nicht der Sportausschuss. Und der musste sich mit einem Szenario beschäftigen, das vielen Mitgliedern des Gremiums ganz offensichtlich gar nicht behagte.

Die freien Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen werden immer knapper, während die Zahl derjenigen, die in Stolberg Hilfe und eine Bleibe suchen, stetig steigt. Das führt dazu, dass die Verwaltung auf der Suche nach neuen Lösungen ist.

Zu diesen könnten, wie Robert Voigtsberger im Ausschuss und im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte, auch Turnhallen gehören. Gleichwohl betont der neue Sozialdezernent: „Das kann nur eine absolute Notlösung sein.“ Und der Leiter des Sozialamtes, Paul Schäfermeier, ergänzt: „Das ist sicher nicht unsere Vorstellung von Willkommenskultur.“

Um der zunehmend größeren Herausforderung gewachsen zu sein, gibt es gleichwohl solche Szenarien in der Verwaltung. Denn für die aktuell 344 im Stadtgebiet lebenden Flüchtlinge ist schon jetzt der Wohnraum knapp. Und die Tendenz ist weiter steigend. Da die Unterkünfte in der Wiesenstraße voll belegt sind, wird auf dem Kelmesberg in Büsbach nun auch das bis dato letzte noch nicht zur Unterbringung genutzte Haus hergerichtet. Wobei die Stadt die Situation als sehr ungünstig einstuft, weil dort Obdachlose und Flüchtlinge zusammenkommen und zum Teil sogar unter einem Dach leben (müssen). Die Vermittlung auf dem freien Wohnungsmarkt ist laut Schäfermeier „sehr schwierig“. Oftmals seien die Wohnungen nicht geeignet. „Oder die Eigentümer stellen Bedingungen, die nicht zu erfüllen sind.“

„Projektgruppe Asyl“

Für Robert Voigtsberger steht angesichts dieser Umstände fest: „Wir müssen immer den berühmten Schritt voraus sein. Ich möchte vermeiden, dass wir irgendwann nicht mehr wissen, was wir tun können.“ Weil der Bedarf an Unterkünften weiter steigen werde, dürfe auch die Option Turnhalle nicht völlig tabu sein. Allerdings hofft der Dezernent auf andere Lösungen.

Um diese zu finden, hat er im Rathaus die „Projektgruppe Asyl“ gebildet. „Damit wir uns der Unterbringungssituation über die Abteilungsgrenzen hinaus annehmen können.“ Eine zweite Initiative holt noch deutlich weiter aus: Für den 23. Januar lädt die Stadt zum ersten „Stolberger Flüchtlingsdialog“ ein. „Wir wollen das erfreulich große ehrenamtliche Engagement kanalisieren“, kündigt Voigtsberger an. Vertreter von Verbänden, Vereinen, Kitas und Schulen werden dann gemeinsam überlegen, wie man der Situation angemessen begegnen und den nach Stolberg kommenden Flüchtlingen menschenwürdige Lebensbedingungen bieten kann. „Wir brauchen ein langfristiges Konzept, weil der Flüchtlingsstrom nicht abreißen wird“, ist der Sozialdezernent überzeugt. Dazu gehöre auch eine Antwort auf die Frage, wie die Finanzierung dieser Hilfe sichergestellt werden könne. Denn auch in Stolberg steigt mit der Zahl der Flüchtlinge auch die Höhe der Kosten.

2,1 statt 1,4 Millionen Euro

Der ursprüngliche Haushaltsansatz für 2014 von 1,4 Millionen Euro reicht schon lange nicht mehr aus. Mehrfach mussten außerplanmäßige Mittel vom Stadtrat genehmigt und zur Verfügung gestellt werden – zuletzt in dieser Woche 400.000 Euro, womit die Gesamtausgaben jetzt bei rund 2,1 Millionen Euro liegen. Nur knapp ein Viertel wird durch Zuschüsse von Berlin und Düsseldorf abgedeckt.

Auch deshalb stellt Robert Voigtsberger fest: „Es wird weiter darauf ankommen, den Bund und das Land in die Pflicht zu nehmen. Die Kommunen können mit dieser Aufgabe nicht alleine gelassen werden.“

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