Statistik: Einbrechern wirds oft zu leicht gemacht

Von: Anja Klingbeil
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In Stolberg hat die Zahl der W
In Stolberg hat die Zahl der Wohnungseinbrüche zugenommen: Waren es im Jahr 2010 „nur” 159, so wurden im vergangenen Jahr 209 Delikte Foto: imago/biky

Stolberg. Verbrechen in Stolberg lohnen sich nicht: Zumindest muss jeder zweite Täter damit rechnen, der Polizei ins Netz zu gehen. Auch wenn die Aufklärungsquote in der Stadt im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein halbes Prozent zurückging, werden immer noch mehr als die Hälfte der Straftaten aufgeklärt.

Die Quote liegt damit bei 53,8 Prozent. Deutlich gestiegen sind hingegen die Fallzahlen in der Kupferstadt. 3894 Delikte zählt die Polizei in 2011. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 305 Straftaten mehr. Diese Zahlen legten Polizeipräsident Klaus Oelze und Helmut Wälter, Leiter der Direktion Kriminalität, auf einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium vor.

Gestiegene Fallzahlen - damit passt sich Stolberg dem Landes- und Regionstrend an. „Diese Statistik gibt nicht gerade Anlass für Begeisterungsstürme”, sagt Oelze. Positiv ist dabei allein die hohe Aufklärungsquote. Die ist so hoch wie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Der Schönheitsfehler: Die allgemein gestiegenen Fallzahlen beeinflussen die Aufklärungsquote negativ. Erfreulich ist hingegen der Rückgang bei den Gewaltdelikten um zwei Prozent.

95 Fälle von Landfriedensbruch

Drastisch angestiegen ist aber der Metalldiebstahl. Auch in Stolberg haben diese Fälle zugenommen. In 2011 wurden etwa 70 zur Anzeige gebracht. Im Jahr davor war dieses Delikt kaum ein Thema. Dann stiegen die Metallpreise auf dem Weltmarkt drastisch an. Damit kamen die Metalldiebe. „Inzwischen ist nichts mehr sicher”, sagt Wälter. Gestohlen werden Kabeltrommeln, Dachrinnen, Gullydeckel bis hin zu Gasleitungen. Dabei sind die angerichteten Schäden oft höher als jene Summe, die die Täter mit dem Diebesgut machen.

In Aachen gab es einen Fall, bei dem Gasleitungen rausgerissen wurden, durch die noch Gas floss. Eine Katastrophe, bei der Menschen ihr Leben hätten verlieren können, konnte zum Glück noch rechtzeitig verhindert werden. Einen aktuellen Fahndungserfolg vermeldet die Polizei in Stolberg: Dort konnten die Beamten in der vergangenen Woche einen 25-jährigen Mann dingfest machen. Allein auf sein Konto gehen 35 Metalldiebstähle. Der Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Straßenkriminalität nimmt zu

997 Fälle von Straßenkriminalität und damit über 200 mehr als noch 2010 gab es in Stolberg. Besondere Auffälligkeit: In 95 Fällen handelte es sich dabei um Landfriedensbruch. „In der Mehrzahl wurde diese zur Anzeige gebracht bei den jährlich wiederkehrenden Demonstrationen der Rechten”, sagt Wälter. Wie viele Straftaten insgesamt einen extremistischen Hintergrund hatten, dazu wollten Oelze und Wälter sich nicht äußern, da diese Straftaten in einer eigenen Statistik erfasst werden.

Zugenommen haben auch die Wohnungseinbrüche, Taschendiebstähle sowie der Diebstahl von Krafträdern. „Dabei”, so betont Oelze, „ist es ganz einfach, sein Haus oder seine Wohnung zu schützen”. Oftmals genügt etwa zur Sicherung der Fenster, damit diese nicht mehr einfach aufgehebelt werden können, schon eine so genannte Pilzkopfsicherung. Diese kostet nur ein paar Euro.

Im Mai konnte die Polizei vier Täter festnehmen, die in Stolberg und Eschweiler insgesamt 34 Rollerdiebstähle und acht Einbrüche begangen hatten. Bei den Wohnungseinbrüchen tritt auch die Kehrseite der offenen Grenzen zutage. In der dunklen Jahreszeit sind neben einheimischen Tätern auch organisierte südosteuropäische Tätergruppen auf Beutezug, sagt Oelze.

Zurückgegangen ist die Zahl der Gewaltdelikte, mit Ausnahme der gefährlichen Körperverletzung. Einen Anstieg von mehr als 30 Prozent verzeichnet die Polizei für Stolberg bei Betrugsdelikten. 518 waren es in 2011. In der Nachbarstadt Eschweiler liegt die Zahl sogar fast doppelt so hoch bei 1005. „In Eschweiler handelt es sich dabei vielfach um Freifahrtserschleichungen und Tankbetrügereien”, sagt Wälter.

Besonders betroffen ist dabei die Tankstelle Aachener Land. Dieser eklatante Unterschied in den Fallzahlen hat, so mutmaßen Wälter und Oelze, auch etwas mit der geografischen Lage Eschweilers zu tun. Von dort erreichen die Täter schnell die Autobahn, sind also schnell rein und raus. In Stolberg sind die Wege weiter.

Verstärkte Kontrollen

In Eschweiler hat sich die Polizei im vergangenen Jahr verstärkt engagiert, vielfach Fahrzeug- und Personenkontrollen vorgenommen. Trotzdem ist auch in der Nachbarkommune die Anzahl der Straftaten von 4637 auf 5328 angestiegen. „Sie sehen also, die Bekämpfung von Kriminalität ist ein dickes Brett: Das wollen wir weiter bohren”, sagt Klaus Oelze.
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