Städtische Überwachungskräfte: Ordnung und ein besseres Image

Von: Michael Grobusch
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Die Kontrolle des Parkscheinau
Die Kontrolle des Parkscheinautomaten steht am Anfang eines jeden Rundgangs der beiden Überwachungskräfte Ute Kaufmann und Enser Alici. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Ihr Bekanntheitsgrad dürfte knapp hinter dem von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler liegen. „Wenn man seit Jahren hier unterwegs ist, kennt man natürlich viele Leute”, schmunzelt Ute Kaufmann.

Zwölf Jahre sind es, um genau zu sein. Damit ist Kaufmann die dienstälteste Überwachungskraft der Stadt Stolberg. Man könnte auch Politesse sagen, doch dieser Begriff hat gleich zwei Haken: Zum einen gibt es für ihren Kollegen Enser Alici kein treffendes sprachliches Pendant. Und zum anderen besteht der Aufgabenbereich einer Überwachungskraft eben nicht nur aus dem Überprüfen des Parkraumes und Ausstellen von Protokollen.

Das ist eine von mehreren Feststellungen, auf die Ute Kaufmann an diesem Morgen beim Rundgang durch die Innenstadt Wert legt. Natürlich schreiben wir auch Protokolle. Doch wir achten auch auf Hunde und Hundekot, falsch abgestellten Sperrmüll und Verunreinigungen”, unterstreicht Enser Alici. Das Wichtigste aber sei der Kontakt zum Bürger: „Wir erteilen Auskunft, sprechen mit den Menschen und versuchen zu helfen, wann immer wir das können.”

Mit Vorurteilen aufräumen

Dieses Selbstverständnis tragen die Außendienstmitarbeiter mittlerweile demonstrativ zur Schau: „Ordnungs- und Servicedienst” ist auf ihren dunkelblauen Jacken zu lesen. „Früher stand da nur Ordnungsamt”, blickt Ute Kaufmann zurück. Vor drei Jahren dann wurden die Aufdrucke geändert - verbunden mit der Hoffnung, Vorurteile aus dem Weg räumen zu können. Denn davon, das wissen Kaufmann und Alici aus leidiger Erfahrung, gibt es immer noch einige.

Zum Beispiel dieses: „Es wird uns oftmals unterstellt, dass wir auf Provision arbeiten. Das stimmt aber nicht”, betont das Duo, das gemeinsam für einen der drei innerstädtischen Bezirke zuständig ist, unisono. „Wir beziehen alle unser Festgehalt und haben keinerlei Vorgaben.” Unter Druck stehen die beiden also nicht. „Wenn das anders wäre, würde ich diesen Job auch gar nicht machen wollen.”

So aber liebt Ute Kaufmann ihre Arbeit, auch wenn es immer wieder mal zu unangenehmen Begegnungen mit uneinsichtigen Zeitgenossen kommt. Da wird auch schon mal geschimpft oder sogar gedroht. Wirklich in Bedrängnis ist die Dienstälteste in ihren zwölf Jahren aber nur zwei Mal gekommen. „Da blieb nichts anderes, als die Polizei zu alarmieren. Die ist dann in Windeseile zur Stelle.”

Ganz viele Tage aber laufen völlig ruhig ab. Und das hat aus Sicht von Kaufmann einen Grund: „Für diese Tätigkeit braucht man viel Fingerspitzengefühl. Und man muss in der Lage sein, auch mal eine Faust in der Tasche zu machen.” Dass die Arbeit der Überwachungskräfte bei der großen Mehrheit der Bevölkerung durchaus sehr geschätzt ist, zeigt sich auf dem Weg vom Rathaus Richtung Mühle sehr schnell. Da wird freundlich gegrüßt, so manches -auch persönliche - Wort gewechselt und auf Nachfrage gerne Auskunft erteilt.

Insgesamt sind sieben Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Stadtgebiet unterwegs - in der Regel immer zu zweit und in zwei Schichten. In die Außenbezirke geht es nur bei Beschwerden oder anlässlich größerer Veranstaltungen. „Dann überprüfen wir aber nur die Feuerwehrzufahrten und Schwerbehindertenparkplätze”, stellt Enser Alici mit Blick auf Letzteres fest.

In der Innenstadt ist die Vorgehensweise eine andere. „Wir kon-trollieren grundsätzlich immer zuerst die Parkscheinautomaten.” In dieser Zeit haben die Ordnungskräfte die abgestellten Fahrzeuge und die Straße im Blick. „Toleranz” zählt dabei zu den Primärtugenden, sagt Ute Kaufmann. „Wir haben durchaus unseren Entscheidungsspielraum.” So würden beispielsweise ausgewiesene Telefonnummern gewählt und auch schon mal Autofahrer in angrenzenden Geschäften gesucht. Diese Toleranz sei im Umkehrschluss aber nicht einforderbar, stellt Kaufmann klar.

„Es gibt zum Beispiel keine Drei-Minuten-Regelung. Der Autofahrer muss vielmehr umgehend zum Automaten gehen und das nötige Kleingeld bereithalten.” Auch nach Ablauf der Parkzeit gebe es - theoretisch - keine Frist. In vielen Fällen aber kommt das erwähnte Fingerspitzengefühl ins Spiel. Auf das lege auch der Bürgermeister großen Wert.

Manchmal wird abgeschleppt

Gezahlt werden muss dennoch nicht selten: Fünf Euro werden für das Parken ohne oder mit abgelaufenem Schein fällig, im Halteverbot sind es mindestens 15 Euro. Kommt es zu Verkehrsbehinderungen oder Gefährdungen, etwa bei Feuerwehrzufahrten oder Behindertenparkplätzen, wird die Angelegenheit deutlich teurer. Das gilt erst recht, wenn das Fahrzeug auch noch abgeschleppt werden muss, weil vor Ort kein Verantwortlicher ausfindig gemacht werden kann. Dann ist auch mit Toleranz und Fingerspitzengefühl nichts mehr zu machen.

Auf Rathaus- und Salmstraße ist an diesem Morgen nicht viel zu beanstanden. Auch in den Nebenstraßen ist der Handlungsbedarf sehr begrenzt. „Die meisten Leute halten sich an die Regeln”, weiß Enser Alici. Auch in diesem Punkt kann also mit Vorurteilen aufgeräumt werden.
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