Stadtsportverband: „Wir sind kein elitärer Haufen”

Von: Kolja Linden
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Hat einige Baustellen, um die er sich in den kommenden zwei Jahren kümmern muss: Bert Kloubert, der neue Vorsitzende des Stadtsportverbands. Foto: K. Linden

Stolberg. Für den 10. Januar ist die erste Sitzung des neuen Vorstands terminiert, doch in den knapp zwei Monaten bis dahin will Bert Kloubert schon einiges bewegen. Und das heißt nicht nur, sich in seine neue Aufgabe als Vorsitzender des Stadtsportverbands (SSV) einzufinden, sondern auch, erste Veränderungen ins Rollen zu bringen.

Am Tag nach seiner Wahl hat er aber zunächst einmal das getan, was er schon immer besonders gerne macht: auf dem Hallenfußballfeld stehen bei der Nachmittagsbetreuung der Offenen Ganztagsschule in Zweifall. Bald schon wird sich der SSV-Vorsitzende seinem Lieblingskind, dem Sport, aber von einer anderen Seite her nähern müssen.

Gewehre nicht geladen

Dass er der Richtige ist, um den Stadtsportverband in ruhige Fahrwasser zu lenken, bezweifeln hinter vorgehaltener Hand manche im Stolberger Sport - offen haben das Klouberts Kritiker bislang aber nicht gesagt, zumal es schwer genug war, überhaupt Aktive zu finden, die bereit sind, sich im SSV zu engagieren.

Das sieht auch Kloubert ganz realistisch: „Die, die bei der Versammlung waren, haben den Ernst der Lage erkannt, deshalb wollte keiner die Gewehre laden”, wertet er die Zurückhaltung möglicher Kritiker auf der weitgehend harmonisch verlaufenen Sitzung.

Personal: Ernst ist die Lage vor allem deshalb, weil sich die personelle Situation beim Stadtsportverband auch mit der Vorstandsneuwahl nicht verbessert hat. „Ich habe mir die Finger wund telefoniert, um vom Handball jemanden für den Posten des Geschäftsführers zu gewinnen”, klagt Kloubert, der sich nicht vorwerfen lassen will, einen allzu fußballlastigen Vorstand um sich zu scharen. Geholfen habe man ihm beim Stolberger SV nicht, stattdessen habe er dann Erwin Nießen (Adler Büsbach/Fußball) überredet.

Vereine sollen Farbe bekennen

Bedeutender ist schon das Fehlen von Vertretern für die Sportjugend im Vorstand (siehe Box), ein Umstand, der Kloubert umtreibt. In Kürze will der Vorsitzende alle Vereine mit Jugendabteilungen - und das sind die meisten der 68 Mitgliedsklubs - anschreiben und um Vorschläge werben. Nach Weihnachten sollen Interessenten bereitstehen: „Die Vereine müssen da Farbe bekennen und ihr Scherflein beitragen”, sagt Kloubert, denn: „Städtische Zuschüsse bekommen wir nur noch über die Schiene der Jugend.”

Finanzen: Womit der Vorsitzende beim Thema Geld wäre. Und da will der ehemalige Ratsherr seine politische Erfahrung einbringen, um eventuelle Zuschüsse abschöpfen zu können. „Es gibt noch Posten im freiwilligen Bereich, die nicht ganz abgerufen werden”, sieht Kloubert Möglichkeiten des SSV, Geld zum Beispiel für die sportliche Präventionsarbeit zu generieren. „Man muss dem Kämmerer Dr. Zimdars dann in Erinnerung rufen, wie teuer Jugendliche werden, wenn sie auf die schiefe Bahn geraten.”

Auch zu weiteren Zusammenschlüssen will der SSV-Vorsitzende Vereine - vor allem im Fußball - ermuntern. „Fusionen sind weiter wichtig, weil die Stadt dann bei den Sportplätzen Geld einsparen kann und wir freie Mittel kriegen, mit denen Vereine vielleicht mal wieder direkt bezuschusst werden können.” Zudem bliebe, wenn die Fußballvereine mit ihren zahlreichen Sportanlagen weniger kosten, mehr übrig für andere Sportarten.

Satzung: Nicht einig ist sich der neue mit dem alten Vorsitzenden, was die Satzung des Stadtsportverbands angeht. Deren Zustand hatte der Vorsitzende des SV Breinig, Dieter Jollet, auf der Mitgliederversammlung kritisiert und Anpassungen angeregt. Das wiederum stieß auf Widerstand bei Günther Severens, nicht aber bei Bert Kloubert. „Eine Satzungsänderung brauchen wir nicht”, sagt Severens, es müssten höchstens Kleinigkeiten ergänzt werden. So könne die Frauenvertretung im Vorstand wegfallen, stattdessen müsse die Existenz des Fachwarts Kampfsport, der am Mittwochabend in Person von Wolfgang Winkler erstmals in den Vorstand gewählt wurde, Einzug in die Satzung finden.

Wahlmodus klären

Severens´ Nachfolger ist das jedoch nicht genug. So will Kloubert den Modus für die Vorstandswahlen klären, bei der die Stimmgewichtung von der Mitgliederzahl der Vereine abhängt. Zudem möchte Kloubert den geschäftsführenden Vorstand, der derzeit nur aus dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter und dem Geschäftsführer besteht, um die Kassiererin und die Schriftführerin erweitern.

Und noch etwas ist dem neuen Mann wichtig: „Die Vorstandssitzungen sollen offener werden.” Zwar soll der Vorstand weiter nichtöffentlich tagen können, aber er müsse sich auch für Teilnehmer öffnen, die ihre Anliegen vorbringen möchten. „Wenn der Stadtsportverband den Stellenwert haben soll, den er haben möchte, dann muss er sich öffnen. Wir sind kein elitärer Haufen.”

„Fristgerecht alle Vereine eingeladen”

Die Tatsache, dass nur die Hälfte der Mitgliedsvereine des Stadtsportverbands einen Vertreter zur Mitgliederversammlung geschickt hatte, war auch am Tag danach noch Thema. Schlimmer noch war für den scheidenden Vorsitzenden Günther Severens, dass außer Adler Büsbach, den Sportfreunden Dorff und dem TB Breinig kein Verein bei der vorher tagenden Versammlung der Sportjugend vertreten war. „Das ist eine Katastrophe”, so Severens.

Die Schuld dafür sieht er aber nicht beim Stadtsportverband: „Alle Vereine sind fristgerecht eingeladen worden”, so Severens. Sechs Wochen vor den Sitzungen habe die Schriftführerin Angela Kaesler die Einladungen samt Berichten des Vorstands und der Fachwarte verschickt.



Das Ergebnis bei der Sportjugend war, dass es kein Ergebnis gab: Es konnte kein neuer Vorstand gewählt werden.

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