Stadtbücherei: In der Bibliothek regiert das „Spar-Buch”

Von: Mischa Wyboris
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Zugriff verweigert: Die reduzierten Öffnungszeiten in der Stolberger Stadtbibliothek machen sich im Jahresbericht bemerkbar. Foto: M. Wyboris

Stolberg. Der Bestand der Stadtbibliothek wird buchstäblich älter. Der Grund ist wie so oft in diesen Zeiten im „Spar-Buch” zu finden. „Zur Aufrechterhaltung eines aktuellen Bestandes empfehlen Fachverbände eine jährliche Erneuerungsquote von acht Prozent der Medien im Inventar”, sagt Thomas Meirich, stellvertretender Leiter der Stolberger Stadtbücherei.

Im Falle der Kupferstadt-Bibliothek müssten so in jedem Jahr rund 4300 Medien neu beschafft werden - tatsächlich ist es mit etwa 600 Büchern, CDs, DVDs und Spielen aber nur 14 Prozent des geforderten Kontingents, das mit städtischen Mitteln organisiert werden kann - wohlwollend gerechnet.

Knapp 12.000 Euro kamen dafür im vergangenen Jahr aus dem Haushalt der Stadt. „Ein verdammt knapper Betrag”, findet Meirich. Zusammen mit dem Anteil des Fördervereins könne man „nur das Allernötigste beschaffen”.

Exakt 54.193 Medien befinden sich laut Jahresbericht 2010 im Bestand der Bibliothek, 49759 davon sind Bücher. „Wir können bei Neuanschaffungen hier und da mal einspringen”, sagt Gottfried Frings, Vorsitzender des 60 Mitglieder starken Fördervereins der Stadtbücherei. 800 Euro kommen so in jedem Jahr zusammen. Davon sollen nicht zuletzt die jungen Leser profitieren.

„Die Büchereien verlieren ihre Leserschaft in alle Richtungen”, beklagt Frings. Umso wichtiger sei es für die Stadtbücherei, schon in Kindergärten Projekte anzugehen.

16.205 Medien finden junge Leseratten und Bücherwürmer in der Kinder- und Jugendabteilung der Stadtbibliothek - 532 Exemplare mehr als im Jahr 2009, und nach einer Bücherspende des Energieversorgungskonzerns Enwor mögen es noch ein paar mehr geworden sein.

Die Zahl der Entleihungen in diesem Bereich ist allerdings leicht rückläufig: Mit 24826 Entleihungen waren es zuletzt 468 weniger als im Vorjahr, auch zu erklären durch die seit November wegen Personalmangels von 29 auf 22 reduzierten Wochenöffnungsstunden.

„Da schlägt der Stellenabbau durch”, begründet Meirich. Das betreffe besonders die jungen Familien und Schüler, die bisher in den Nachmittagsstunden an den Montagen und Dienstagen zu Gast waren und seit dem Ende des vergangenen Jahres vor verschlossenen Türen stehen.

Wenn Meirichs Prognosen stimmen, geht es mit der Stadtbücherei weiter bergab. Auch ohne Buchhalter-Kenntnisse lässt sich erahnen: Es wird knapper. 2009 wurde noch eine Fachkraft ausgebildet, 2010 war es keine. 2009 gab es 90 Fortbildungsstunden für die Mitarbeiter, 2010 gab es keine.

2009 gab es insgesamt 62.548 Entleihungen, 2010 waren es 60.305. Meirichs Sorgen lesen sich wie ein offenes Buch: „Erst im Jahresbericht 2011 wird sich zeigen, wie schlimm es uns wirklich erwischt hat.”
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