Stadtbücherei: Ein Jubiläum und viele ungelöste Probleme

Von: Heike Eisenmenger
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Mit vereinten Kräften für die Stadtbücherei: Leiterin Beate Kaas (rechts), Barbara Bisping-Bau vom Förderverein, Bürgermeister Ferdi Gatzweiler und Hobby-Historikerin Katharina Schreiber. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die goldenen Zeiten sind vorbei. Daran ließ Ferdi Gatzweiler beim 100. Geburtstag der Stadtbücherei keinen Zweifel. Das Problem ist bekannt, viel diskutiert und bislang ungelöst: Stolberg ist pleite, so wie viele andere Kommunen auch.

Sicher, „pleite” ist ein unschönes Wort, aber es trifft den Kern. Klare Worte kamen auch von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler: „Wir sind an einem Punkt angekommen, der uns über die unmöglichsten Dinge reden lässt, wie noch mehr Geld eingespart werden könnte.” Auf der einen Seite soll eine Kommune für ein gut aufgestelltes Bildungsangebot sorgen, auf der anderen ist sie zu einem knallharten Sparkurs verpflichtet.

„Eine Stadt mit 60.000 Einwohnern braucht eine Bücherei”, versicherte Gatzweiler den rund 60 Gästen der Jubiläumsfeier. Man müsse zwar neue Wege gehen, sagte er mit Hinblick auf das Internet, aber um so mehr gilt das für eine Bücherei. Insbesondere vor dem Hintergrund der neuen Medien sei eine Bücherei ein Muss, um jedem die Chance auf Bildung zu geben. Gatzweiler findet es grundverkehrt, den Kommunen diese Verantwortung aufzubürden. „Der Bund darf sich hier nicht aus der Verantwortung ziehen”, kritisierte der Bürgermeister.

Ohne engagierte Bürger, die in die Bresche springen, wäre die städtische Bibliothek in noch größerer Bedrängnis, als sie es jetzt schon ist. Gemeinsam mit den Mitarbeitern, die mit viel Idealismus ans Werk gehen, wird so manches gestemmt, was sonst auf der Strecke bliebe. So werden beispielsweise Bastelnachmittage und Vorlesestunden für Kinder angeboten oder auch die mobile Bücherei ist nur dank der Helfer realisierbar.

Engagement ist auch das „Baumaterial”, aus dem auch die Miniatur-Bücherei besteht. Die Bücherei aus Pappmaché haben die jungen Besucher, die sich im Rahmen des wöchentlichen Bastelnachmittags an der Frankentalstraße einfinden, mit viel Liebe gefertigt. Aber auch finanzielle Hilfe ist lebensnotwendig, denn eine Auffrischung des Buchbestandes ist ein Muss, um als Bibliothek attraktiv zu bleiben. „Wir sind so dankbar für die großzügige Unterstützung durch unseren Förderverein und Privatpersonen, die uns mit Spenden helfen”, sagte Leiterin Beate Klaas in ihrer Eröffnungsrede.

Eine gut aufgestellte Bücherei sei kein „Luxus”, sondern eine Notwendigkeit. Es sind doch gerade Kinder aus finanziell weniger gut gestellten Familien, die die Zeche einer verfehlten Bildungspolitik bezahlen. Sie können sich nicht einfach ein Buch kaufen, das sie interessiert. Oftmals ist es so, dass überhaupt Leselust geweckt werden muss. Das gilt auch für Kinder, deren Eltern ausreichend Geld zur Verfügung haben.

Die Feierstunde war zugleich auch Ausstellungseröffnung. Fotos, Ausschnitte und Zeitungsberichte gaben die vergangenen 100 Jahre der Stadtbücherei wieder. Zusammengetragen hatten die geschichtlichen Fakten Katharina Schreiber und ihr Mann Helmut, die sich bestens mit der Stolberger Stadtgeschichte auskennen.

Der Vortrag des Ehepaars machte deutlich, wie sehr das gefährdet ist, für das man früher so gekämpft hatte. Zwar besteht längst Schulpflicht und das Analphabetentum ist fast ausgerottet, aber nicht nur die PISA-Studie fördert zu Tage, was offensichtlich ist: Das Bildungsniveau sinkt. Dass Stadtbüchereien verzweifelt um Mittel kämpfen, hilft nicht dazu bei, die Situation zu verbessern - das ist die klare Botschaft des Fördervereins der Stadtbücherei.

Bebildert war der Vortrag mit Fotos aus alten Zeiten. Interessant waren vor allem die Aufnahmen aus den Fünfziger Jahren. 1959 zog die Stadtbücherei in die Villa Lynen (Rathausstraße) ein. Für die damalige Zeit war die Stadtbücherei hochmodern eingerichtet.

„Es gab ein großzügiges Raumangebot, die Ausstattung war modern, Tische und Stühle farbenfroh,” beschrieb Schreiber.

Hochmodern war damals auch, dass ein Gesamtkatalog angelegt worden war. Das neue Karteikastenregister-System umfasste alle Bände, was ungemein praktisch war. „Die Anschaffung von bis zu 50 neuen Büchern in jedem Monat wiesen programmatisch in eine interessante Zukunft.”

1978 erlebte die Stadtbücherei einen wahren Boom: Das Ausleihen war kostenlos und das Angebot gut. Zum Bücherbestand gehörten rund 30 000 Exemplare. „Zudem konnte man Bücher, die im Stolberger Sortiment fehlten, über den auswärtigen Leihverkehr beziehen”, erzählte Katharina Schreiber.

In den 80er Jahren stand Klotzen statt Kleckern auf der Agenda: „Es wurden neue Medien im Wert von 450 000 Mark angeschafft. Neben dem klassischen Buch umfasste das Sortiment auch Kassetten, Zeitschriften und Zeitungen. In den Neunzigern waren die fetten Jahre vorbei - der Grund waren Haushaltseinsparungen. So wurden denn dann auch die Ausleihgebühren wieder eingeführt.

Der Besucherrückgang war dramatisch und betrug bis zu 56 Prozent. Zwar pendelte sich dies langsam wieder ein, aber die alte Messlatte hängt hoch und so wie es zur Zeit aussieht, auch kaum zu erreichen. Untermalt wurde die Feierstunde von jungen Saxofonspielern der Musikschule Merz.
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